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Eichlers Eurogoals : Raubtiere auf Beutezug

Von den starken argentinischen Stürmern immer noch der beste: Lionel Messi Bild: Reuters

Wer spielt für den FC Paradies? In der Startelf einer himmlischen Weltauswahl stünde neben einem deutschen Torwart auf jeden Fall ein hungriger Stürmer aus der Rindfleisch-Nation Argentinien. Dem veganen Angriff des HSV würde so jemand garantiert gut tun.

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          Wie stellen wir uns das Paradies vor? Carla Bruni tat das in einem Interview so: „Das wären ein französischer Koch, ein britischer Polizist, ein deutscher Manager und ein italienischer Liebhaber“. Und das Gegenteil? „Die Hölle, das sind ein britischer Koch, ein deutscher Polizist, ein italienischer Manager und ein französischer Liebhaber.“ Die italienische Sängerin ist übrigens mit einem Franzosen verheiratet, dem früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy. Das Witz-Muster lässt sich auch auf den Fußball anwenden. Wobei dann natürlich klar ist, dass im FC Paradies ein deutscher Torwart steht. Die Spielvereinigung Hölle hat dagegen im Transfer-Fegefeuer wieder nur einen englischen Keeper abbekommen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Wer wohl sonst noch für den Himmel spielen würde? Wir vermuten italienische Verteidiger, spanische Mittelfeldspieler, ganz sicher aber: argentinische Stürmer. Diese Spezies ist das letzte Versäumnis der globalisierten Bundesliga. Zumindest bisher. Denn nun scheint einer diese Leerstelle – argentinische Torjäger in Deutschland – allmählich zu füllen. Franco di Santo, dessen Name sich, frei übersetzt, so anhört, als hätte sich Papst Franziskus, ein Landsmann, einen Fußball-Künstlernamen zugelegt: Franz der Heilige – Franco di Santo also, hat am Sonntag zwei schöne, schlaue Tore für Werder geschossen, und nach dem 2:0 gegen Hertha stehen die Bremer erstmals seit Nikolaus nicht mehr auf einem Abstiegsplatz. Schon ein phänomenales Fußballvolk, diese Argentinier.

          In Deutschland vom Aussterben bedroht

          Nicht mal halb so zahlreich wie die Deutschen, nur ein Fünftel der Brasilianer, und trotzdem das einzige Land, das unter den „Top Ten“ der größten Fußballer der Geschichte gleich dreifach vertreten ist: di Stéfano, Maradona, Messi. Eines, das aber auch sonst immer alles hat, was man braucht im Fußball: harte Verteidiger, trickreiche Angreifer und feine Spielmacher wie den gerade nach achtzehn Profi-Jahren zurückgetretenen Juan Ramón Riquelme – den letzten aus der nun vergangenen Zeit, in der ein Spieler noch nicht laufen musste, wenn er nur den Ball so schön laufen ließ.  Vor allem aber hat Argentinien echte, natürliche Torjäger. In Deutschland vom Aussterben bedroht, in Argentinien in freier Wildbahn überall anzutreffen. Liegt es an der Ernährung dieser großen Rindfleischnation?

          Argentinische Stürmer wirken spätestens seit den großen Knipsern Gabriel Batistuta oder Hernan Crespo immer wie Raubtiere auf Beutezug. Dagegen wurden in Europa zuletzt sozialere Stürmertypen gezüchtet;  „hängende Spitzen“ etwa oder „falsche Neuner“. Die Vegetarier des Angriffs. Oder, wenn es um den Hamburger SV geht, eher die Veganer des Angriffs. Als einer der ganz wenigen deutschen Klubs hatten die Hamburger auch mal einen argentinischen Mittelstürmer, Bernardo Romeo, 2002 für 5,6 Millionen Euro geholt und nur drei Jahre später für eine Million nach Spanien verscherbelt – obwohl er 35 Tore in 77 Spielen schoss, eine Quote, von der der Torlos-HSV heute nur noch träumen kann. Der damalige Trainer wollte lieber einen spielenden Stürmer. Doll gedacht, dumm gelaufen.

          Wer heute vorn einen Argentinier hat, hat’s gut. Es muss nicht mal Messi sein, wenngleich das ein guter Anfang wäre. Der Barca-Star, zu Top-Form zurückgekehrt, schoss Sonntag sein 22. Tor im 21. Spiel, das 15. in den letzten 10. Es war, nach zweimaligem Rückstand, das 3:2-Siegtor gegen den erstmals seit 18 Spielen wieder geschlagenen FC Villarreal. Damit rückt er in der Torjägerliste dem wegen Rotsperre untätigen Cristiano Ronaldo (28 Tore) immer näher. In England hat Sergio Agüero mit 14 Toren für Manchester City ebenfalls nur noch einen vor sich, Chelsea-Mann Diego Costa (17). Und hinter Messi und Agüero drängt eine neue Generation mit großem Torhunger nach vorn.

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