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Eichlers Eurogoals : King Louis im Kaufrausch

Hier sitzt das Pfund locker: Louis van Gaal darf für ManUnited shoppen gehen Bild: dpa

Zwei Kung-Fu-Tritte bei ManCity, 42 Verletzungen bei ManUnited, 100 Tore von Ribéry, 300 Millionen Euro für van Gaal: Fußball ist ein Zahlenspiel. Unterm Strich müssen die Zahlen stimmen. Auch in San Marino.

          Fußball ist ein Zahlenspiel. Unterm Strich müssen sie stimmen. Diese „Eurogoals“ drehen sich deshalb um die Zahlen des Fußball-Wochenendes und der bisherigen Saison. Auch um das Motto: Die Null muss stehen. Hier steht sie gleich am Anfang.

          0 – Trainerentlassungen in England

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Alle 20 Klubs der Premier League haben immer noch denselben Trainer wie zu Saisonbeginn. Das war rund um Nikolaus seit 18 Jahren nicht mehr der Fall. Ob das auch an Weihnachten noch so ist? In Deutschland wird deutlich schneller gefeuert. Die Bundesliga hat bereits vier Trainerwechsel erlebt: Slomka, Keller, Dutt und Veh.

          1 – Niederlagen von Chelsea

          Bis Samstag stand auch hier die 0. Dann verlor der Tabellenführer bei Newcastle United, dem einzigen Angstgegner von Trainer José Mourinho, der dort noch nie gewann, 1:2. Die erste Saisonniederlage nach 23 Spielen. Mourinhos messerscharfe Folgerung: „Wir sind nicht unschlagbar“.

          „Wir sind nicht unschlagbar“ Stimmt, José Mourinho

          2 – Kung-fu-Tritte von Manchester City

          Eliaquim Mangala, der teuerste unbekannte Verteidiger der Welt (40 Millionen Euro), tätowierte den Rücken von Samuel Eto’o, Sohle voran, Bein gestreckt, mit seinem persönlichen Stollenmuster. Kollege Fernando versuchte, Gareth Barry mit einem Tritt in Schädelhöhe einen neuen Look zu verpassen. Resultat der brutalen Attacken: zweimal Gelb. Wozu auch mehr? Es gab ja keinen Toten. Außerdem schenkte Schiedsrichter Marriner dem Meister einen Elfmeter, der zum 1:0-Sieg über Everton reichte und dazu, den Rückstand auf Chelsea auf drei Punkte zu verkürzen. Allerdings verlor City seinen besten Stürmer, Sergio Agüero (19 Tore in den letzten 20 Spielen), durch Knieverletzung, ganz ohne Kung-fu.

          3 – Hattricks von Messi in den letzten 4 Spielen

          Fast hätte der wieder auf Touren gekommene Argentinier sogar noch ein viertes Tor erzielt beim 5:1 im Derby gegen Espanyol. Doch sein Freistoß knallte an die Latte. So blieb es bei seinen Treffern 400, 401 und 402 für den FC Barcelona, zählt man 28 Tore aus Testspielen mit.

          Schon wieder ein Hattrick und die Tore 400, 401 und 402: Lionel Messi

          17 – längster Name eines Klubbesitzers

          Das Auffälligste am Aufsteiger Leicester City sind nicht die Resultate in der Premier League (zwei Punkte aus den letzten neun Spielen), sondern die Reisegewohnheiten des Eigentümers. Der thailändische Milliardär lässt nach Heimspielen des Tabellenletzten den Privathubschrauber auf dem Rasen des Stadions landen. Immerhin ist es besser, dass er Fußballboss und nicht Fußballspieler geworden ist. Er heißt Vichai Srivaddhanaprabha.

          19 – Karrierejahre von Thierry Henry

          In New York ist gerade recht unauffällig eine der größten Fußballkarrieren der Welt zu Ende gegangen. Seit er als 18 Jahre alter Einwechselspieler im ersten Profieinsatz nur fünf Minuten fürs erste Tor brauchte (das 3:1 in Nantes gegen einen Verteidiger mit dem schönen Namen Bruno Carotti), wurde Thierry Henry in knapp zwei Jahrzehnten der vielleicht eleganteste Mittelstürmer der Geschichte. Er war Welt- und Europameister, achtmal Fußballer des Jahres in Frankreich und England, gewann die Champions League, Meistertitel in Frankreich, England, Spanien, viermal die Torjägerkanone der Premier League. In 1040 Spielen als Profi für Monaco, Juventus Turin, Arsenal, FC Barcelona, New York Red Bulls und Frankreichs Nationalteam hat Henry 462 Tore erzielt. Darunter waren zahlreiche Kunstwerke, die man sich am liebsten einrahmen würde – wäre das möglich bei Toren.

          Ende einer großen Karriere: Thierry Henry verlässt den Fußballplatz

          23 – Ronaldos Saisontore und Karriere-Hattricks

          Ein von ihm selbst geschundener und verwandelter Elfmeter war auch dabei, gegen die beiden anderen Treffer beim 3:0 gegen Celta Vigo konnte man nichts einwenden. Damit hat Ronaldo in fünfeinhalb Jahren in Spanien 23 Hattricks geschafft, neuer Liga-Rekord. Und führt die Torjägerliste mit unglaublichen 23 Treffern an. Hält er den Schnitt durch, kommt er am Saisonende auf 62 Tore. Und Real Madrid (bisher 51) auf 138.

          42 – Verletzungen von Manchester United

          Laut englischen Statistikern war Wayne Rooneys letzte Knieverletzung bereits der 42. Saison-Ausfall beim Rekordmeister. Allerdings gibt es andere Zahlen, die das kompensieren können. Nach den fast 200 Millionen Euro, die Trainer Louis van Gaal schon im Sommer ausgeben konnte, soll er sich laut Zeitungsberichten im Januar und dann im nächsten Sommer noch einmal für 300 Millionen Euro neue Spieler aussuchen dürfen. King Louis im Kaufrausch.

          Die Blessur von Wayne Rooney war schon die 42. Verletzung bei ManUnited

          100 – Bayern-Tore von Ribéry

          Der 1:0-Siegtreffer gegen Leverkusen machte Franck Ribérys Torausbeute in Pflichtspielen, seit er 2007 nach München kam, dreistellig. Dazu wurde er mit seinem 186. Einsatz neuer Rekord-Franzose der Bundesliga (bisher Matthieu Delpierre, 185). Und dann bedeutete sein Treffer auch noch das Ende der einzigen Negativ-Serie, die der FC Bayern in dieser Saison bisher hatte: 108 Eckbälle ohne Torerfolg.

          120 Gegentore – ein Erfolg

          Die Torwartkarriere von Aldo Simoncini im Nationalteam begann nicht gerade glücklich. Von einem schweren Verkehrsunfall genesen, kassierte der damals 19-Jährige 13 Gegentore. Seit jenem 0:13 gegen Deutschland in der EM-Qualifikation im September 2006 gab es weitere zweistellige Niederlagen gegen Polen und Holland, aber natürlich nie einen Erfolg. Doch der Informatik-Student hat nun angekündigt, so lange im Tor von San Marino bleiben zu wollen, bis dem Team der erste Sieg gelungen ist. Der bisher einzige in 125 Länderspielen (537 Gegentore) gelang dem Kleinstaat im April 2004 gegen Liechtenstein.

          Doch der Trend geht nach oben. 2014 hat San Marino erstmals in keinem Spiel mehr als fünf Tore kassiert, auch nicht im Oktober gegen England im Wembley-Stadion, das dreimal so viele Plätze hat wie San Marino Einwohner. 41 Länderspiele hatte Simoncini bestritten, alle 41 verloren, 120 Tore kassiert, dann aber geschah das kleine Wunder, das San Marino vom 208. und letzten Platz der Weltrangliste um unglaubliche 28 Plätze nach oben katapultiert hat. In der EM-Qualifikation hielt Simoncini zum ersten Mal sein Tor sauber. Ein 0:0 gegen Estland. Ein Jahrhundert-Ergebnis. Am Ende stand sogar in San Marino die Null.

          Am Ende stand sogar bei Aldo Junior Simoncini und San Marino die Null

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