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Eichlers Eurogoals : Maradonas Erben

Diego Maradona: „Ich habe immer alle Steuern bezahlt, von denen ich wusste“ Bild: dapd

Im modernen Fußball braucht man nicht nur auf dem Platz eine gute Verteidigung. Bei vielen hilft aber selbst der beste Rechtsbeistand nicht mehr. Auch jene Blödheit, die sich für Schlauheit hält, schützt vor Strafe nicht.

          Wer Recht studiert und Verteidiger wird, wird noch lange nicht Rechtsverteidiger. Allerdings braucht man heute im Fußball beides: eine gute Abwehr und eine gute Verteidigung. Ohne erstklassigen Rechtsbeistand, ob an Außenbahn oder Anklagebank, kommt keiner mehr aus. Außer vielleicht Diego Maradona. Aber das ist ein sehr, sehr dünnes „vielleicht“.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der größte aller Linksfüßer hat sich öfters im rechtsfreien Raum verdribbelt. Nun will er endlich wieder nach Neapel reisen können, wo er seine beste Zeit als Spieler erlebte und noch viele Freunde hat – nur nicht beim Finanzamt, dem er noch 38 Millionen Euro schuldet. „Ich möchte meinen Frieden mit dem Finanzamt und den Italienern“, sagte Maradona einem Sender in Dubai, wo er derzeit Trainer des Erstligavereins Al Wasl ist.

          Er appellierte an die Gnade der Justiz, die ihm die Heimkehr an den Ort seiner größten Verehrung verwehrt. Das habe ihn schon zwanzig Jahre gekostet, „so viele Jahre der Liebe“. Als sein eigener Rechtsexperte plädiert Maradona darauf, „kein Steuerhinterzieher“ zu sein. Seine Argumentation: „Ich habe immer alle Steuern bezahlt, von denen ich wusste.“ So wie er ja auch immer alle Handspiele zugab, von denen er wusste. Leider gilt aber hier: Blödheit schützt vor Steuer nicht.

          „Ich war ein Trottel“

          Auch jene Blödheit nicht, die sich für Schlauheit hält. Das sieht man bei Hannes Kartnig, dem früheren Präsidenten von Sturm Graz, der den steirischen Provinzklub dreimal in die Champions League führte – sich dabei aber wenig um die Gesetze des Staates Österreich scherte. „Ich bitte um ein mildes Urteil“, flehte der frühere „Sonnenkönig“ des Alpenfußballs - mit lila Rolls-Royce, Villa mit Haifischbecken und fett gelierten Hinterkopflocken der schrillste und vielleicht letzte einer aussterbenden Fußball-Spezies – zuletzt den Richter an: „Wir haben als Fußballverein dem Volk viel Freunde bereitet, Millionen haben sich mit uns gefreut über die internationalen Erfolge, wir wurden umjubelt. Das darf man nicht vergessen.“

          „Sonnenkönig“ Hannes Kartnig: „Ich bitte um ein mildes Urteil“

          Das Gericht in Graz fand: doch. Es sprach Kartnig des schweren Betrugs und der Abgabenhinterziehung für schuldig (die dabei eingesparten 8,4 Millionen Euro hatte er in neue Spieler gesteckt). Das Urteil: fünf Jahre Haft und 6,6 Millionen Euro Geldstrafe. „Ich war ein Trottel“, klagte der frühere Klubpräsident, der bis zur Entscheidung über die Berufung nun erst einmal ins Kloster gegangen ist. „Ich hätte wissen müssen, dass nur das Waffengeschäft gefährlicher ist als das Fußballgeschäft.“

          Zwei Punkte für 11 Siege

          Für den Mandanten war der Prozess ein Desaster, für seinen Anwalt aber gute Werbung. Dieser erklärte der Zeitung „Der Standard“: „Ich bekomme jetzt viele Anfragen von Vereinsfunktionären, die Angst haben.“ Etliche seien bereits von ihren Ämtern zurückgetreten. Andere, wie die ehemalige Führung des zweiten Grazer Fußballklubs, des GAK, erwartet demnächst schon der Prozess.

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