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Eichlers Eurogoals : Luca Toni, Genießer des Wochenendes

Luca Toni brachte den AS Rom mit einem Kopfballtor bis auf einen Punkt an die Spitze heran Bild: REUTERS

Nicht nur Deutschland schaut gebannt auf den Titelkampf: Das Meisterrennen in allen europäischen Top-Ligen ist so spannend wie lange nicht mehr. Ein Grund dafür sind die italienischen Gaumenfreuden, wie Christian Eichler bei seiner Tour d'Europe feststellt.

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          Kaum ein Land bringt solch wunderbare Lebensmittel hervor wie Italien. Aus diesem kulinarischen Reichtum schöpfen auch die Fußballfans des Landes gern; vor allem, wenn ihnen die Leistung ihres Teams nicht geschmeckt hat. Nach der Niederlage des Jahrhunderts, dem 0:1 gegen Nordkorea bei der WM 1966, wurde das allzu früh heimgekehrte Nationalteam auf dem Flughafen Fiumicino von einem solchen Tomatenhagel begrüßt, dass Roms Lokale einige Tage lang Nachschubprobleme für Spaghetti Bolognese und Pizza Margherita beklagt haben sollen. Diese gute alte Werfer-Tradition setzen nun die Anhänger von Juventus Turin fort.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Glaubte der deutsche Rekordmeister noch, Anfang Dezember in Turin den großen Wurf gegen ein europäisches Spitzenteam gelandet zu haben, so steht inzwischen fest, dass man nicht der FC Bayern sein muss, um Juventus 4:1 zu schlagen. Es reicht dazu auch der FC Fulham. Eingerahmt wurde diese letzte europäische Blamage der Turiner, die das Aus in der Europa League bedeutete, von zwei ebenso peinlichen Niederlagen in der Serie A. Das reichte den bösen Fans schon vor der Partie gegen den Abstiegskandidaten Atlanta Bergamo am Sonntag zu einem Gang in die Vorratskammer.

          Der Mannschaftsbus wurde mit Eiern und Bierflaschen beworfen. Die größten Fangruppen traten bei Anpfiff in einen Anfeuerungsstreik. Während der zunächst als Superstar gefeierte und inzwischen als Fehlkauf geschmähte Diego längst wieder auf der Bank saß, wendete ein anderer Brasilianer, Felipe Melo, acht Minuten vor Ende einen Volksaufstand vorerst ab, als er das 2:1 köpfte. Juventus, von Nationaltrainer Marcello Lippi vor der Saison zum Titelfavoriten erklärt, steht nur auf Platz sechs und muss sogar um einen Platz in der Europa League bangen. Weitere Lebensmittellieferungen sind zu erwarten.

          Kein Glück und dann auch noch Pfosten-Pech: Inter Mailands Milito ist bedrückt

          Die Bundesliga hat die Spannung nicht mehr exklusiv

          Dabei ist es natürlich viel zu schade, die leckeren Sachen wegzuwerfen. Keiner weiß das so gut wie der Exil-Bayer Luca Toni, ein bekannter Freund der italienischen Küche. Er war der Genießer des Wochenendes. Im Spitzenspiel seines Leih-Arbeitgebers AS Rom gegen den Meister und Tabellenführer Inter Mailand schaffte der von Louis van Gaal ausgemusterte Torjäger den 2:1-Siegtreffer und brachte die Römer bis auf einen Punkt an die Spitze heran. Das Glück war ihnen dabei hold, Inter traf zweimal die Latte und in der 94. Minute durch Milito den Pfosten.

          Es wirkt wie der Eingriff einer höheren Regie, die dafür sorgt, dass niemand mehr so schnell enteilt und eine Liga langweilig macht. Das Resultat: Seit vielen Jahren war das Meisterrennen in den fünf europäischen Top-Ligen nicht mehr so knapp und spannend wie in diesem Frühling. Schielte man in der Schlussphase der letzten Spielzeiten oft neidisch aus dem gelangweilten Ausland hinüber nach Deutschland, wo der Titel oft bis zum Ende umkämpft ist, hat die Bundesliga das nicht mehr exklusiv.

          Eier für das Fußball-Osterfest

          In Frankreich, wo sieben Jahre lang Olympique Lyon den Titel im Abonnement hatte und Bordeaux in der letzten Saison Meister wurde, liest sich das Titelrennen derzeit wie die Etappenfolge der Tour de France: Bordeaux, Montpellier, Auxerre, Lille, Lyon, Marseille (das am Wochenende erstmals nach 17 Jahren für den Ligapokal wieder seine Vitrine öffnen musste) - die sechs Top-Teams der Tabelle, nur um drei Punkte voneinander getrennt.

          In Spanien ist zumindest der Kampf um Platz eins und zwei so knapp, knapper geht's nicht. Dort haben Real Madrid (3:2 gegen Atlético) und Barcelona (1:0 auf Mallorca) schon nach 29 Spieltagen eine Ausbeute, mit der man normalerweise deutscher Meister wird, jeweils 74 Punkte, dazu Tordifferenzen von 55 und 53. Beide haben damit, herzlichen Glückwunsch, bei einem Vorsprung von 29 Punkten auf Platz fünf bereits neun Spieltage vor Saisonende die Champions-League-Qualifikation geschafft. Das interessiert dort aber keinen, nur das große Duell Real gegen Barca um den Titel am übernächsten Samstag.

          Und auch in Italien und England liegen jeweils der Erste und Zweite diesmal noch enger beieinander als in der Bundesliga. So wie Inter und Roma, trennt auch Manchester United (das Wayne Rooney für die Bayern schonte und trotzdem 4:0 in Bolton gewann) und Chelsea (7:1 gegen Aston Villa, vier Tore von Frank Lampard) nur ein Punkt. Beide treffen am Ostersamstag aufeinander, ebenso wie Schalke und Bayern. Wohl noch nie an einem Fußball-Osterfest hatten Oliver Kahns berühmteste Worte eine solche Richtigkeit wie an diesem: „Eier! Wir brauchen Eier!“ In Turin könnten es auch ein paar faule sein.

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