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Eichlers Eurogoals : Der Methusalix des Fußballs

Miroslav Blazevic wird 80 – und hat noch lange nicht genug vom Trainerjob Bild: Imago

Ferguson, Rehhagel, Trapattoni – viele Erfolgstrainer waren muntere Siebziger. Keiner aber kommt an „Ciro“ Blazevic heran. Er fabrizierte als Coach viele schöne Sprüche und hätte nach einem Abstieg fast auch selbst ein „tragisches Ende“ gefunden.

          Letzte Woche ist Udo Lattek mit 80 Jahren gestorben. Einer der großen Trainer des deutschen Fußballs – und keiner, der an dem Job klebte, innerlich von ihm abhängig war. Er wusste, wann es genug war. Schon mit 52 Jahren hatte er acht deutsche Meistertitel in seinem Lebenslauf, Rekord bis heute. Mit 57 hörte er auf, woran auch das späte Intermezzo bei der Dortmunder Borussia, die er aus alter Verbundenheit 2000 vor dem Abstieg bewahrte, nichts änderte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Andere Erfolgstrainer harren länger aus auf der harten Bank. Jupp Heynckes gewann das Triple mit dem FC Bayern kurz nach seinem 68. Geburtstag. Bei der Reise nach Lemberg, wo sie nächste Woche am Dienstag (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) auf Schachtjor Donezk treffen, werden die Bayern ebenfalls einem Trainerveteranen begegnen: dem Rumänen Mircea Lucescu, 69.

          Dann die munteren Siebziger. Alex Ferguson holte mit Manchester United seinen 13. und letzten englischen Meistertitel mit 71. In demselben Alter gewann Raymond Goethals die Champions League, 1993 mit Olympique Marseille, worauf er in seiner belgischen Heimat noch drei Jahre beim RSC Anderlecht arbeitete. Auch Otto Baric, der alte Austro-Kroate, beendete die Karriere nach 43 Trainerjahren erst mit 74. Die letzte von 23 Stationen: Nationaltrainer in Albanien.

          Otto Rehhagel war fast 74, als er Hertha BSC übernahm. Das Scheitern des alten Herrn ließ sich so wenig aufhalten wie der Abstieg der alten Dame. Giovanni Trapattoni trainierte Irlands Nationalteam noch mit 74, dann wollte man ihn nicht mehr. Immerhin bleibt ihm noch der Job als Trainer der Auswahl des Vatikan. Das klingt für einen Trapattoni – neben Lattek der einzige Trainer, der alle drei Europapokale gewann – zwar nicht nach einer herausfordernden Aufgabe. Sie besteht darin, für ein paar Freundschaftsspiele eine Elf aus Schweizergardisten, päpstlichen Räten und Museumswärtern aufzustellen. Aber es kann ja nicht schlecht sein, sich für die Zeit nach dem Trainerleben mit höheren Mächten gut zu stellen.

          Wohin führt die nächste Reise? Blazevic im Oktober in Zagreb am Flughafen mit einer nicht näher benannten Frau

          Keiner aber kommt aber an den Mann heran, den sie in seiner kroatischen Heimat nur „Ciro“ nennen: Miroslav Blazevic. Er hat gerade seinen 28. Posten in 52 Trainerjahren hinter sich gebracht. Nach der Winterpause kehrte Blazevic nicht zum kroatischen Tabellenletzten NK Zadar zurück, was aber nicht mit seinem Alter von 79 zu tun hat, sondern damit, dass der Klub-Boss Rene Sinovcic im Dezember, ebenso wie zwei frühere Finanzdirektoren des Vereins, wegen Betrugsverdachts festgenommen wurde.

          Blazevic hat gerade erklärt, dass seine Karriere damit noch lange nicht vorbei sei. In China, wo er 2010 bei Shanghai Shenhua angeheuert hatte, nenne man ihn „den Weisen“, sagte er in einem Interview. Wenn er tatsächlich irgendwann die Weisheit gefunden habe, dann werde er aufhören.

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