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Eichlers Eurogoals : Was für eine Tabelle!

Kopf an Kopf ganz oben? Meistens sorgen die Bayern für undramatische Tabellenspitzen Bild: dpa

Die Guardiola-Bayern neigen dazu, die Bundesliga undramatisch zu machen. Jedenfalls von oben betrachtet. Da geht es in Spanien schon ganz anders zu. Und erst recht in der dritten Liga.

          4 Min.

          Im gesamten Fußballgeschäft gibt es nur eine einzige Institution von völlig untadeligem Ruf. Während der gemeine Fußballfreund einem Spielerberater oder Fifa-Präsidenten so schnell wohl keine Kilometerangabe beim Kauf eines Gebrauchtwagens abnähme, erfüllt ihn tiefes Vertrauen in ein anderes, wöchentlich erneuertes Zahlenwerk.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Es ist die letzte Instanz der Wahrheit und Glaubwürdigkeit im Fußball: die Tabelle. Die Tabelle lügt nicht, so lautet das erste Gebot. Meistens gilt auch: Die Tabelle langweilt nicht. Zumindest nicht in Liga drei.

          1. Arminia Bielefeld 27 Punkte/31:21 Tore
          2. SV Wehen Wiesbaden 26/26:19
          3. Dynamo Dresden 26/22:17
          4. Chemnitzer FC 25/15:8
          5. Stuttgarter Kickers 25/26:20
          6. MSV Duisburg 25/21:15
          7. Preußen Münster 25/24:20
          8. Rot-Weiß Erfurt 25/22:19
          9. Energie Cottbus 24/17:13
          10. VfL Osnabrück 24/23:23








          Zehn Klubs, die Hälfte der Liga, ist nach 15 Spieltagen um maximal drei Punkte voneinander getrennt. So könnten sie innerhalb eines einzigen Spieltages alle Plätze von eins bis zehn durchtauschen. Und das tun sie auch fast jede Woche. Es wirkt, als hätte sich das deutsche Unter-Unterhaus verabredet, den Aufstieg erst am letzten Spieltag auszuwürfeln. Jenem mythischen letzten Spieltag, an dem sich ja einst, lang ist’s her, auch an der Spitze der beiden höheren Ligen noch echte Dramen abspielten.

          Etwa am 9. Juni 1985, als die Tabellenspitze der zweiten Liga um 15 Uhr so aussah:

          1. KSV Hessen Kassel 49:25 Pkt./72:46 Tore
          2. 1. FC Nürnberg 48:26/69:45
          3. Hannover 96 48:26/77:58
          4. 1. FC Saarbrücken 47:27/68:40.


          Kurz vor 17 Uhr sah sie so aus:

          1. Nürnberg 50:26/71:45
          2. Hannover 50:26/79:58
          3. Saarbrücken 49:27/70:41
          4. Kassel 49:27/72:48


          Nürnberg, Hannover und Saarbrücken stiegen auf. Hessen Kassel, das seit dem 18. Spieltag Tabellenführer gewesen war, dann aber am letzten den Nürnbergern 0:2 unterlag, rutschte auf Platz vier ab, den man auch im Vorjahr belegt hatte. So wurde Kassel, wurde Nordhessen nie erstklassig. Es begann der lange Absturz in zwei Konkurse und in die Regionalliga.

          Tabellendramen, die Schicksalsprüfungen des Fußballs. Die Drehbücher dieser Dramen brauchen nur ein paar Zahlenkolonnen. Aus ihnen liest der Kenner mit etwas Phantasie alle Abgründe von Triumph und Tragik heraus.

          Diese Dramen sind auch die Klammer, mit der man spielend leicht den sonst nicht gerade naheliegenden Bogen von Hessen Kassel zu Real Madrid schlägt. Denn selbst die „Königlichen“ sind vom wahren Regenten des königlichen Spiels abhängig, dem Buchhalter des Balles: der Tabelle.

          In den vergangenen fünf Jahren haben sie vier Mal die bizarre Bilanz ziehen müssen, dass 102, 102, 103 und 104 Tore zu wenig sind, um unter dem Strich oben zu sein. Spanischer Meister wurde Real in diesem Jahrzehnt nur 2012. Damals schossen sie 121 Tore. Nun bauen sie rechtzeitig vor. Mit dem 3:1-Sieg über den FC Barcelona, der ihnen drei Mal seit 2010 den Titel wegschnappte, sind sie bereits bei 33 Treffern angekommen. Das entspräche hochgerechnet einer Saison-Ausbeute von 138 Toren. 68 davon durch Cristiano Ronaldo.

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