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Eichlers Eurogoals : Ist Mourinho noch ganz sauber?

Eine Schande: José Mourniho Bild: AFP

Alle vier Champions-League-Halbfinalteams verlieren im nationalen Wettbewerb: José Mourinho gibt ausnahmsweise sich selbst die Schuld. Dafür diskreditiert er die Erfolge seines Kollegen Guardiola als „unsauber“ - und vergisst dabei die Genese seiner Titel.

          Mal was Neues von José Mourinho: Er beschuldigt dieses Mal … sich selber. Nach dem 0:2 gegen den FC Barcelona in der Champions League am Mittwoch hatte der Portugiese ja noch das ganz große Verschwörungsrad gedreht (siehe: Reals Opferlegende) und dafür sogar von dem Grandseigneur Ottmar HItzfeld in einer Kicker-Kolumne einen schweren Rüffel bekommen („Schande für Real Madrid“). Nun, nach dem 2:3 von Real Madrid gegen den Abstiegskandidaten Saragossa, erklärte er sich selber für schuldig, weil er die Mannschaft nicht genug habe motivieren können. Außenstehenden fiele noch eine andere, bessere Erklärung ein: die, dass er einige Stars auf der Tribüne ließ, wie Mesut Özil oder vor allem Cristiano Ronaldo. Die Botschaft war deutlich: Die Meisterschaft ist sowieso verloren, bei acht Punkten Rückstand auf Barcelona. Die letzte winzige Chance, die Saison zu retten, wäre eine wundersame Wende im Camp Nou von Barcelona am Dienstag (20.45 Uhr/ FAZ.NET-Champions-League-Liveticker).

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Diese Zurückhaltung hatte Mourinho nicht exklusiv. Alle vier verbliebenen Titelkandidaten der Champions League holten sich zwischen Hin- und Rückspiel des Halbfinals an diesem Wochenende in den heimischen Ligen Niederlagen ab. Stets war das begleitet von Auszeiten für einige der besten Kräfte oder zumindest mit Auszeiten für die kämpferische Einstellung. Barcelona, für das aus der Stammelf nur Pique, Xavi und Messi aufgeboten waren, verlor 1:2 in San Sebastian, wobei sich vor allem der Ersatztorwart Pinto als Fehlgriff erwies. Er ließ sieben Minuten vor Schluss einen Elfmeter von Xabi Brieto passieren, den jede Riesenschildkröte pariert hätte. So zugleich ungenau wie langsam war der Ball geschossen - der vielleicht schlechteste Elfmeter, der je gegen die beste Mannschaft der Welt verwandelt wurde.

          Schalke hatte zwar einen besseren Torwart aufgeboten, verlor aber trotzdem 1:4 in München (wo man die letzten vier Jahre ungeschlagen geblieben war). Und auch Gegner Manchester United (20.45 Uhr/ live in Sat 1 und FAZ.NET-Champions-League-Liveticker), der einzige der vier Halbfinalisten, für den es in der Meisterschaft noch um jeden Punkt geht, bezog eine eher unerwartete Niederlage: 0:1 beim FC Arsenal, der zuletzt arg geschwächelt und in den letzten Duellen mit dem alten Rivalen United stets den Kürzeren gezogen hatte. Das Siegtor erzielte gerechterweise Aaron Ramsey, der hochbegabte 20-jährige Waliser, der sich ein Jahr nach seinem doppelten Schien- und Wadenbeinbruch durch ein brutales Foul des Stoke-Spielers Ryan Shawcross glücklich genesen zurückmeldete.

          Verzockt: Ferguson jammert bei der Niederlage bei Arsenal

          Arsenal hat zuletzt zu viele Punkte verschlampt, um noch eingreifen zu können in den Titelkampf, bei sechs Punkten Rückstand auf Manchester vor den letzten drei Spielen. Aber für den FC Chelsea, nur drei Punkte zurück, ist die Tür nun wieder offen. Vier Tage nach Schalke gastieren am Sonntag auch die Londoner in Manchester und könnten dort mit einem Sieg zum Tabellenführer aufschließen. Kein Wunder, dass United-Trainer Alex Ferguson haderte, vor allem mit einem verwehrten Elfmeter nach Foul an Michael Owen kurz vor Schluss - er tat das aber nur halbherzig, weil zuvor sein Abwehrspieler Nemanja Vidic einen Ball am Fünfmeterraum, als wolle er eine der tollen Paraden von Neuer aus dem Hinspiel in Schalke kopieren, im Flug artistisch mit der Hand abgewehrt hatte.

          Sehschwäche zweier Linienrichter

          All das geschah, ohne dass der Schiedsrichter irgendetwas davon sah, wie man überhaupt feststellen muss, dass gegen Ende der Saison zumindest in der Premier League vor allem die Unparteiischen vom Tempo des Spiels immer überforderter scheinen. Chelsea profitierte beim 2:1-Sieg in Tottenham, der die Chance auf die Titelverteidigung rettete, von der Sehschwäche zweier Linienrichter. Der eine erkannte die Abseitsposition von Kalou beim Siegtor kurz vor Schluss nicht. Der andere hatte beim Ausgleich von Chelsea einen Schuss, den Torwart Heurelho Gomes durchkullern ließ, dann aber deutlich noch auf der Torlinie wieder zu fassen bekam, ein Tor gesehen - und das aus miserabler Ausguck-Position jenseits der Strafraumgrenze.

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