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Eichlers Eurogoals : Ins Herz der Finsternis

Geweint haben soll er auch Bild: AP

Jeder ist käuflich. Erst recht im Fußball. Trotzdem wurde der Protest der Fans beim vermeintlich letzten Auftritt von Kaka im Trikot des AC Milan vor seinem Wechsel zu Manchester City zu einer scheinheiligen moralischen Gierdebatte.

          2 Min.

          In Italien kennen sie sich aus mit Angeboten, die man nicht ausschlagen kann. „Es ist sehr schwierig, jemanden zu halten, wenn er solche Summen sieht“, sagt Silvio Berlusconi, der Pate des AC Mailand. Die Summe, um die es geht: angeblich 500.000 Pfund. Pro Woche. Also viermal so viel, wie bisher die größten Stars der Premier League bekommen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Die Summe, die Berlusconi vielleicht in Wirklichkeit meint, ist eine andere: 100 Millionen Euro. So viel wird sein Klub dabei voraussichtlich einstreichen. Kaká zu Manchester City? Der Wahnsinn hat Methode, und manchmal sind orientalische Märchen gar nicht mehr so weit weg von der Realität. Wie gemeldet wurde, machte sich am Montag eine Delegation aus Manchester Richtung Mailand auf den Weg, um dort zu verhandeln.

          Eigentlich lief alles prima für Milan

          Die Botschaft in ihrem Gepäck: Jeder ist käuflich. Erst recht im Fußball. Den Transparenten der Milan-Fans, die am Sonntag im San Siro anklagten („Milan - du verkaufst deine Würde“) oder flehten („Kaká, werde alt mit uns“), war leise Resignation anzumerken. Manche wandten sich schon vorwurfsvoll an den Spieler, etwa: „Ich gehöre dem Geld“, eine Anspielung auf den Satz, den Kaká auf seinem Unterhemd trägt („Ich gehöre Jesus“). Dabei ist es immer scheinheilig, wenn die Anhänger von Klubs, die bisher am oberen Ende des Fußball-Fress-Schemas standen und gewohnheitsmäßig den Kleineren das Beste wegschnappen konnten, nun die große moralische Gierdebatte anstimmen.

          Wunschträume der Milan-Fans: es sieht so aus, als sei auch Kaka käuflich
          Wunschträume der Milan-Fans: es sieht so aus, als sei auch Kaka käuflich : Bild: AFP

          Eigentlich lief alles prima für Milan, man gewann 1:0 gegen Florenz durch ein Tor des brillanten Brasilianers Pato, der mit seinen 19 Jahren der Sohn der meisten Mannschaftskollegen sein könnte (und vielleicht der nächste Kaká), auch Beckham störte nicht groß; und weil Tabellenführer Inter 1:3 in Bergamo verlor und Juventus nur 1:1 bei Lazio spielte, ist man plötzlich wieder im Titelrennen.

          Doch die Kaká-Oper bestimmte alles. Kaká bot allerlei Anzeichen sentimentalen Trennungsschmerzes, er umarmte alle Kollegen, behielt sein Trikot, und geweint haben soll er auch. So stellt man sich einen vor, der sich auf eine lange düstere Zeit einstellt, als Entwicklungshelfer im nassen englischen Norden. Fast scheint es, als verpflichte man einen Pavarotti exklusiv an ein nordwestenglisches Operettentheater. Aber vielleicht überlegt er es sich noch.

          Dreimal McDonald - keine Hamburger, sondern ein Topspiel

          Was sonst geschah in Fußball-Europa? Aberdeen besiegte Celtic 4:2, auf der einen Seite traf Gary McDonald, auf der anderen traf Scott McDonald, der Schiedsrichter hieß Dougie McDonald, und all das ist keine Hamburger-Werbung, sondern das Top-Spiel der schottischen Liga. Ansonsten war es das Wochenende der Serientäter.

          Der FC Barcelona schaffte den 15. Sieg in den letzten 16 Spielen, das macht zur Saisonhalbzeit 50 Punkte, Rekord, und 59 Tore, davon 41 durch die Stürmer Eto'o, Henry und Messi, die auch beim 5:0 gegen La Coruna alle Treffer erzielten. Manchester United blieb beim 1:0 in Bolton zum zehnten Mal in Folge ohne Gegentor, Rekord. Aston Villa ist zehnmal in Folge ungeschlagen (2:1 in Sunderland), Arsenal achtmal (3:1 in Hull).

          Gareth Bale - 21 Spiele, kein Sieg

          Und wie die anderen englischen Topklubs kriegte auch Chelsea, von dürftigen Ergebnissen und von Gerüchten über Verkaufspläne von Roman Abramowitsch geschüttelt, erst in den letzten Minuten die Kurve zum Sieg, und das besonders dramatisch gegen den Aufsteiger Stoke - in der 88. Minute der Ausgleich durch Belletti, in der 94. das 2:1-Siegtor durch Lampard. Michael Ballack konnte dem Gewaltschuss gerade noch so weit ausweichen konnte, dass er den Ball nicht blockte, sondern nur leicht abfälschte.

          Noch eine Serie: Gareth Bale, 19 Jahre, Außenverteidiger aus Wales, über zehn Millionen Euro teuer, bisher in anderthalb Spielzeiten 21 Einsätze für die Tottenham Hotspurs - 21 Spiele ohne Sieg. Auch das Rekord. Die Spurs stehen mittendrin im Pack der fünf Tabellenletzten, die alle 21 Punkte haben, und hintendran an der größten Abstiegszone Europas. Sie umfasst zwölf Klubs, die nur sieben Punkte auseinander liegen. Darunter ist übrigens der, bei dem demnächst vielleicht jemand für 500.000 Pfund die Woche kicken wird.

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