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Eichlers Eurogoals : „Ich lege mir nur ein bisschen Mascara auf“

Barcas Samuel Eto'o spielt zwar weltklasse, seine defensiveren Mitstreiter allerdings derzeit nicht Bild: AFP

Giuseppe Mascara verzückt alle Fußballverrückten mit seinem Tor. Barcelonas Sturm ist ein Traum, die Abwehr ein Albtraum. Milans Abwehr liegt wie ein umgefallener Marienkäfer am Wegesrand. Und in Saudi-Arabien gibt es Wirbel um ein T-Shirt.

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          Kleiner Dialogvorschlag zur Belebung der Partnerschaft. Sie: „Schatz, guckst du schon wieder Fußball?“ Er: „Nein, ich lege mir nur ein bisschen Mascara auf“. Keine Angst, er pinselt sich hier keine Wimperntusche ins Gesicht. Er meint etwas, das nicht Frauen, aber männliche Fußballfreunde große Augen machen lässt: das Tor, das Giuseppe Mascara am Sonntag im sizilianischen Derby geschossen hat.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Tore von der Mittellinie gibt es immer wieder mal zu bestaunen, wenngleich man in der Bundesliga dafür ein gutes Langzeitgedächtnis braucht. Es muss in die Zeiten reichen, als Augenthaler oder Schuster noch aktiv waren oder zumindest, als Hanke vom Anstoßpunkt den jubelnden Torwart Butt überlobbte. In Spanien sieht man so etwas öfter, in England auch dann und wann. Aber so ein 50-Meter-Tor wie von Mascara erlebt der gemeine Fußballverrückte unter den vielleicht zwanzig- bis dreißigtausend Toren, die seine Lebensspanne erfüllen, vermutlich nur einmal: ein 50-Meter-Tor, volley geschossen.

          Wie ein umgefallener rot-schwarzer Marienkäfer

          Es war auch sonst ein munteres Spiel, Catania gewann 4:0 bei Palermo, wie überhaupt die Serie A sich in dieser Saison unterhaltsam gibt. Der öde Eindruck, den Italiens Top-Klubs unter der Woche in der Champions League machten (ein 0:0, zwei 0:1, siehe auch: Champions League: Drei Unentschieden und ein Elfmetertor und Champions League: Chelsea auf Kurs - Liverpool siegt bei Real Madrid), widerlegten mehrere Ligaspiele am Wochenende. Tabellenführer Inter Mailand und AS Rom trennten sich, nach 2:0- und 3:1-Führung der Römer, 3:3.

          Nicht zu halten: Kun Agüero traf den FC Barcelona entscheidend in der 89. Minute

          Den Ausgleich schoss der Uralt-Joker Hernan Crespo eine Minute nach seiner Einwechslung. Und der AC Mailand stand, wie schon gegen Werder Bremen im Uefa-Cup, beim 1:2 bei Sampdoria Genua freundlich Spalier für feine Tore, besonders das von Pazzini, der Bonera austanzte, dass der Innenverteidiger wie ein umgefallener rot-schwarzer Marienkäfer am Wegesrand lag.

          Messi-Eto'o-Henry ein Traum, sonst eher Mittelmaß

          Die richtigen Gegner muss man halt haben, im Moment zählt, Überraschung, auch der FC Barcelona dazu. 20 Siege in 21 Spielen hatten Europa schwärmen lassen, nun ist der Wurm drin: nur ein Punkt aus den letzten drei Spielen. Und plötzlich hat es jeder schon immer gewusst, dass der Angriff Messi-Eto'o-Henry ein Traum ist, die Abwehr und der Torwart aber nur besseres Mittelmaß.

          Henry traf zweimal, Messi einmal, Barca führte 2:0 und 3:2 - und verlor trotzdem durch Agüeros Tor in der 89. Minute 3:4 bei Atlético Madrid. Real ist durch den zehnten Sieg in Folge (was zuletzt vor 46 Jahren gelang) bis auf vier Punkte herangekommen.

          Ein Versprechen ewiger Verbundenheit - bis zum Transfer

          England langweilt dagegen, wenigstens war es ein gutes Wochenende für Inseldeutsche. Robert Huth half mit all seiner Sperrigkeit, beim 2:0-Sieg von Middlesbrough die Titelhoffnung des FC Liverpool zu beenden. Michael Ballack half mit einem Kopfballduell in der Nachspielzeit, Lampard das 2:1 gegen Wigan aufzulegen und Chelseas letzte Titelhoffnung zu retten.

          Und Juniorennationalspieler Savio Nsereko bereitete mit schönem Flankenlauf den 1:0-Siegtreffer von West Ham gegen Manchester City vor. Ausländer in England lernen schnell, was Fans nach Toren sehen wollen: dass man stolz das Trikot vorzeigt, am besten auch das Vereinswappen küsst, als Versprechen ewiger Verbundenheit (bis zur nächsten Transferperiode).

          Olaroiu hatte 24 Stunden, das Land zu verlassen

          Noch wichtiger ist die korrekte Textilpflege im arabischen Raum, wie nun der Rumäne Cosmin Olaroiu lernen durfte. Der Trainer des saudischen Spitzenklubs Al-Hilal hatte sich nach Gewinn des Kronprinzenpokals aus Wut, dass ihn Sicherheitsleute nicht mit dem Team auf dem Podium feiern ließen, sein Sieger-T-Shirt vom Leib gerissen und zu Boden geschleudert.

          Leider war auf dem Shirt das königliche Antlitz von Kronprinz Sultan bin Abdul Aziz abgebildet. Man gab ihm 24 Stunden, das Land zu verlassen.

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