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Eichlers Eurogoals : Ibrahimovic und der Kampftritt in die Körpermitte

Erst Torschütze, dann Rüpel: Ibrahimovic (links) steht im Mittelpunkt Bild: AFP

José Mourinho hat seine Stärken zu Hause und hält einen Rekord für die Ewigkeit. Dennoch wird er als „Schweinehund“ bezeichnet. Zlatan Ibrahimovic ist hingegen - neben einigen jungen Damen - der aktuelle Liebling von Silvio Berlusconi.

          In der Regel ist es nicht förderlich für eine Karriere, wenn Kollegen oder Kunden sagen: Der hat seine Stärken zu Hause. Zum Glück gibt es Berufe, in denen das anders ist. Fußballer zum Beispiel. Wer am Ball ein erfolgreicher Heimwerker ist, macht sich schon mal bei den wichtigsten Kunden beliebt, nämlich den eigenen Fans. Dabei ist der erfolgreichste Heimwerker der Welt gar kein Spieler, sondern ein Chef, ja der Drei-Sterne-Chef der Branche.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          José Mourinho hält einen Rekord für die Fußball-Ewigkeit, der sich alle zwei Wochen verlässlich verbessert. Seit dem 23. Februar 2002, als er mit dem FC Porto 2:3 einem gewissen SC Beira-Mar unterlag, hat Mourinho mit seinen Teams kein einziges Liga-Heimspiel mehr verloren: 38 mit Porto, 60 mit Chelsea, 38 mit Inter Mailand, dazu bisher fünf mit Real Madrid. Macht zusammen 141, Tendenz steigend.

          Auch eine andere Serie setzt Mourinho wie zuvor in Portugal, England und Italien nun in Spanien mühelos fort. Er macht sich fortgesetzt unbeliebt: bei gegnerischen Trainern und Fans, bei Journalisten und Unparteiischen. Und nie kann man genau sagen, ob das nun kühles Kalkül ist oder ob er kurzzeitig den Kopf verliert wie der Dortmunder Kollege Jürgen Klopp beim Tete-à-tete mit dem vierten Offiziellen beim 2:0 gegen Hamburg.

          Mit einem Elfmetertor entschied er das Derby gegen Inter

          Mourinho ein „schlechter Kollege“ und ein „Schweinehund“?

          Wer aber weiß, was für ein Kontrollfanatiker Mourinho ist, der jede Minute jeder Trainingseinheit penibel durchplant und mit jedem Mitarbeiter bis hin zum Putzpersonal über dessen Aufgaben spricht, dem fällt es wohl schwer, sich vorzustellen, dass mit Mourinho einfach mal nur die Gäule durchgehen. Einer wie er sitzt immer fest im Sattel.

          Allerdings ist der Sattel augenblicklich nicht die Trainerbank, sondern die Tribüne. Weil er den Schiedsrichter im Pokalspiel gegen Real Murcia beleidigte, ist der Portugiese vom spanischen Verband für zwei Spiele gesperrt worden. So blieb er beim Spiel am Sonntag in Gijon glücklicherweise auf Sicherheitsabstand zum Kollegen Manuel Preciado, der derzeit nicht gut auf Mourinho zu sprechen ist. Weil es in der Liga für Real nur einen Gegner gibt, den FC Barcelona, hat Mourinho schon jetzt die Psycho-Spielchen auf den katalanischen Rivalen gerichtet, vorerst noch indirekt.

          So behauptete er, dass die kleinen Klubs in Spanien Barca „die Siege schenken“ - nachdem Gijon gegen den Meister eine B-Elf aufgestellt und Trainer Preciado behauptet hatte, man müsse „die Punkte woanders holen“. Nach der Attacke durch den Real-Trainer bezeichnete Preciado nun Mourinho als „schlechten Kollegen“ und „Schweinehund“.

          Barca macht den besseren Eindruck im Vergleich mit Real

          Beinahe hätte die Aufstachelung des Gegners Mourinho zwei Punkte gekostet. Die hoch motivierten Asturier hielten bis kurz vor Schluss ein 0:0, ehe Gonzalo Higuain noch der Siegtreffer für Real gelang. Das reichte, um die Tabellenführung knapp zu behaupten. Doch zwei Wochen vor dem großen Duell gegen Real macht Barca derzeit den besseren Eindruck. Das gilt auch für den Vergleich der großen Stars.

          Cristiano Ronaldo hatte im Oktober mit zehn Toren in vier Ligaspielen einen neuen Vereinsrekord für Real aufgestellt. Doch seitdem wirbelt vor allem Lionel Messi. Mit zwei Toren schoss der kleine Argentinier Barcelona zum 3:1-Sieg gegen den Tabellendritten Villarreal. Es waren Messis Saisontore neun und zehn, wofür er nur neun Spiele und keinen Elfmeter benötigte. Ronaldo brauchte für seine bisher elf Treffer elf Partien - und drei Elfmeter.

          „Lieber fünf Siege und eine Niederlage als sechs Unentschieden

          Wie es Mourinho schafft, sich unbeliebt zu machen, und wie er dabei taktische Vorteile sucht, das kann man noch nachvollziehen. Aber woher kommt diese unglaubliche Heimstärke? Mourinho behauptet, es selber nicht zu wissen. Er tue nichts, um die Serie zu retten, und werde beim Stand von 0:0 kurz vor Schluss in einem Heimspiel immer Risiken eingehen, um zu gewinnen, statt das Remis zu sichern. Eine einfache Rechnung: „Lieber fünf Siege und eine Niederlage als sechs Unentschieden.“

          Dass sie offenbar nur bei ihm aufgeht, zeigen die Resultate seiner letzten Klubs vom Wochenende: Chelsea, der Meister und Tabellenführer in England, kam zu Hause an der Stamford Bridge gegen Sunderland 0:3 unter die Räder. Und Inter, der italienische Meister und Champions-League-Sieger, verlor zu Hause gegen AC Mailand 0:1.

          Ibrahimovic ist - neben einigen jungen Damen - Berlusconis Liebling

          Dabei wurde das Mailänder Derby zu einer Art Privatduell zwischen Marco Materazzi, weltbekannt durch seine wohldosierte Opferrolle im WM-Finale 2006 gegen Zinédine Zidane, und Zlatan Ibrahimovic, bei dem man nie genau weiß, ob sein Talent eher das eines Torjägers oder eines Taekwondo-Kämpfers ist. Der Schwede, der angeblich den schwarzen Gürtel der asiatischen Kampfkunst besitzt und gern auch mal Kollegen im Training einen gekonnten Tritt vor die Brust gibt, wurde zunächst vom früheren Klubkollegen Materazzi gefoult, was er per Elfmeter zum frühen Siegtor nutzte.

          Später erwiderte er die Nettigkeiten, indem er Materazzi mit einem Kampftritt in die Körpermitte, Knie durchgestreckt, Sohle voran, ins Krankenhaus beförderte. Rätselhafterweise kam er dafür mit einer Gelben Karte davon - vielleicht weil er (neben einigen jungen Damen) der aktuelle Liebling des Ministerpräsidenten und Milan-Besitzers Berlusconi ist? Das verschafft schon mal einen gewissen Bonus bei Dritten. Möglicherweise hatte der Schiedsrichter aber einfach nur einen schlechten Tag im Job. Beziehungsweise: seine Stärken eher zu Hause.

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