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Eichlers Eurogoals : Fünf Spiele, zwei Entlassungen

Welcher Klub darf es denn sein? Den spanischen FC Girona gibt es schon für einen Euro Bild: dpa

Trainer, die nicht arbeiten, sind am teuersten. Dennoch wird nicht nur in Berlin munter entlassen. Ein Brasilianer bringt es auf schon auf 34 Klubs - und kann sich im Gegensatz zu vielen Kollegen glücklich schätzen.

          Was kriegt man heute schon noch für einen Euro? Einen Fußballklub. Josep Delgado, der Besitzer des FC Girona, will seinen Zweitligaverein verkaufen. Für einen Euro. Er öffnet damit einen Markt, der bisher der Kaste der Ölmilliardäre vorbehalten schien, für eine breite Öffentlichkeit: den Fußballklub für jedermann.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Auch gern als kleines Mitbringsel der Gattin für den Fan in ihrem Bett: Schau mal, Schatz, was ich dir mitgebracht habe, ist der nicht süß? Das kann aber auch praktisch sein, wenn man irgendwo eingeladen ist, als originelle Geschenkidee für den Gastgeber. Hat noch keiner, kostet nicht die Welt, bringt als Gesprächsstoff jede Party ins Laufen.

          Und dazu lässt es sich zur Not sogar bis zur Adventszeit beiseite legen, wenn man eine Idee wie diese gut gebrauchen kann fürs „Wichteln“, für den Austausch überflüssiger und unbedingt unverfänglicher Geschenke an zufällig ausgeloste Kollegen.

          Das dafür limitierte Budget reicht zur Not aus, um gleich noch ein Flugticket zum Fußballklub in den Präsentkorb zu legen. Denn Girona ist praktischerweise als Billigfliegerziel von einem halben Dutzend deutscher Flughäfen aus zu erreichen.

          Manchmal muss es gar nicht das große Geld sein, um in der großen Fußballwelt Halt zu finden

          Man sollte dieses Geschenk aber nur Menschen machen, die viel Zeit haben, etwas selbstquälerisch veranlagt sind und sich deshalb selber zum Führen einer Fußballmannschaft berufen fühlen. Ist man das nämlich nicht und braucht demzufolge qualifiziertes Personal, fangen die Probleme an.

          „Michael Brezeln“ und „Jan Klas Runderlass“

          Und die Folgekosten. Denn heutzutage sind es gar nicht mal mehr so sehr die Spieler, an denen man noch lange zu knabbern hat. Einen Spieler, den man nicht mehr will, kann man ja meistens noch verkaufen. Nein, es sind die Trainer.

          „Michael Brezeln“ und Hertha BSC müssen 900.000 Euro für Kurzzeit-Trainer Michael Skibbe zahlen

          Das merkt jetzt zum Beispiel in Berlin Michael Preetz, dem die ARD-Videotexttafel 150 in ihrem noch etwas entwicklungsfähigen Angebot „Untertitel für Gehörlose“ vor kurzem den deutlich knackigeren Namen „Michael Brezeln“ verpasste (die konkurrenzlosen Fußballtrüffelsucher von „11freunde“ fanden auch heraus, dass die ARD-Spracherkennung den Torjäger von Schalke 04 als „Jan Klas Runderlass“ führte).

          Der Streit zwischen dem Manager Preetz und dem Trainer Babbel kostete die Berliner kurz vor Weihnachten 500.000 Euro Ablöse. Jetzt wird gleich noch einmal dasselbe fällig für den ebenfalls schon entlassenen Nachfolger – einen Mann, der im ARD-Text vermutlich „Skippy“ hieße (nach dem legendären Buschkänguru, das von 1969 bis 1975 durchs erste Programm hoppelte).

          Das sind 150.000 Euro pro Woche - dafür bekäme man fast schon einen José Mourinho

          In Berlin hatte das Känguru nach fünf Hüpfern null Punkte im Beutel. Zu wenig. So summieren sich nun die Kosten für den 43-Tage-Trainer Skibbe nach Berechnungen der „Bild“-Zeitung auf 250.000 Euro Ablöse an den türkischen Weltklub Eskisehirspor, 150.000 Euro bereits gezahltes Gehalt und 500.000 Euro vertraglich festgelegte Abfindung. Macht 900.000 Euro.

          Fünf Hüpfer, null Punkte im Beutel

          Anders gerechnet: rund 150.000 Euro pro Woche. Dafür bekäme man fast schon einen Mourinho – wie sich überhaupt der Fußballklub der deutschen Hauptstadt wenn schon nicht bei der sportlichen Ausbeute, so doch bei der Kostenstelle Trainer den Dimensionen konkurrierender europäischer Metropolen annähert.

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