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Eichlers Eurogoals : Es war einmal eine Jugendmannschaft

Ryan Giggs: einmal Manchester, immer Manchester Bild: AFP

1992 gewann Manchester United den „Youth Cup“, Spieler wie Neville, Beckham, Scholes und Giggs profitierten danach von Sir Fergusons Elixier für ewige Fußballjugend. Wer kennt dagegen noch die deutschen Junioren-Weltmeister Schmidkunz, Trieb oder Aulbach?

          2 Min.

          Es war einmal … eine Jugendmannschaft. Sie gewann den höchsten Titel ihrer Altersklasse. Normalerweise sagen dann Experten, diese Namen müsse man sich merken, hier seien die kommenden Stars - und dann kommt es meist völlig anders. Etwa die einzige deutsche Mannschaft, die je Junioren-Weltmeister wurde, 1981 in Australien. Kein einziger der 18 hoffnungsvollen Kicker wurde danach eine feste Größe im „richtigen“ Nationalteam oder gar Weltmeister 1990. Namen wie Schmidkunz oder Nushoehr, Trieb oder Herbst, Aulbach oder Anthes, Brunner oder Brummer sind selbst bei Fußballverrückten vergessen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Ein Team aber gab es, das anders war, es gewann den englischen „Youth Cup“ 1992. Auch in dieser legendären Juniorenmannschaft von Manchester United gab es natürlich Ausreißer, wie den Außenverteidiger George Switzer, der sich heute als Kurierfahrer durchschlägt. Aber der Rest der jungen Elf erhielt einen Profivertrag von Alex Ferguson, der damals noch nicht die geadelte Institution des englischen Fußballs war, sondern ein umstrittener Trainer: schon sechs Jahre Boss bei United, immer noch ohne Meistertitel. Das sollte sich ändern, denn Ferguson hatte das richtige Näschen. Ganz nebenbei scheint er damals auch noch ein Elixier für ewige Fußballjugend entwickelt zu haben.

          Koproduktion zweier Alt-Jugendlicher

          Es tat gute Wirkung bei Gary Neville, der heute, 17 Jahre später, immer noch Kapitän bei United ist; bei Nicky Butt, heute in Newcastle; bei David Beckham, den derzeit der AC Mailand aus Hollywood loseisen will; und vor allem bei Paul Scholes und Ryan Giggs. Sie alle wurden zum Kern jener Mannschaft, die seit 1993 zehn englische Meisterschaften, vier Pokalsiege und zwei Champions-League-Titel holte. Einige sind es bis heute geblieben.

          Schrecken der Spielerberater: Paul Scholes (r.)
          Schrecken der Spielerberater: Paul Scholes (r.) : Bild: AP

          Sonntag abend in West Ham, eine Stunde vorbei, noch keine Tore. Ecke für United, der Ball wird abgewehrt, kommt zu Scholes. Er öffnet den linken Flügel mit präzisem Pass auf Giggs. Der fintiert, lässt einen Abwehrspieler ins Leere rutschen, den zweiten auch. Dann jagt er den Ball flach ins Tor. Und weil derzeit niemand ein Tor gegen Manchester schießt - zum zwölften Mal in Folge spielte Fergusons Team zu Null -, reichte diese Koproduktion zweier Alt-Jugendlicher mit inzwischen zusammen 69 Lebensjahren und über 1400 Spielen zum Sieg. Und damit zur Rückkehr an die Tabellenspitze, die Liverpool nach einem dramatischen 3:2-Sieg durch ein spätes Torres-Tor in Portsmouth für einen Tag übernommen hatte.

          Giggs und Scholes: Schrecken aller Spielerberater

          Die ersten Februartage hatten in Fußball-England im Zeichen hektischer Transfers gestanden, in den letzten Stunden des Winter-Fensters. Mancher späte Deal sah aus wie eine Kurzschlusshandlung. Mangels Torgefahr verpflichtete Chelsea einen Mann, der in der italienischen Serie A die „goldene Mülltonne“ des schlechtesten Kickers erhalten hatte, und auch mit Ricardo Quaresma reichte es gegen Hull nur zu einem 0:0.

          Tottenham streute im Abstiegskampf fast fünfzig Millionen Pfund für neue Spieler aus - es reichte trotz der Wintereinkäufe und trotz 53-minütiger Überzahl nach Gelb-Rot für Eboué nur zu einem 0:0 im Derby gegen Arsenal (das Neuzugang Arschawin noch schonte). Bei all dem Kaufrausch vergisst man leicht jene Spieler, die nie in ihrem Leben auf einer Transferliste standen. Giggs und Scholes haben in ihrer Karriere keinen Penny an Ablöse gekostet. Solche Spieler sind der Schrecken aller Spielerberater.

          Giggs hat am Sonntag seine einmalige Serie fortgesetzt: Er ist der einzige Spieler, der in jeder Saison seit Gründung der Premier League 1992 getroffen hat. Nun, mit 35, denkt er ans Aufhören. Doch Ferguson will das Tor-Abo verlängern. Er bietet Giggs einen neuen Vertrag. Vielleicht will er auch nur sehen, wie lange sein Elixier wirkt.

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