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Eichlers Eurogoals : Englische Fans im Formtief

Klarer Fall - die Fans haben versagt, nicht die Fußballspieler Bild: AFP

Was haben die Fans der englischen Top-Klubs am Wochenende falsch gemacht? Hatten sie das Falsche angezogen oder zu wenig Sex? Eichlers Eurogoals - die neue, wöchentliche FAZ.NET-Kolumne zum Fußball in Europa - sucht nach Antworten.

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          Montag ist der Tag der Buße. Millionen Menschen in ganz Europa fragen sich: Bin ich schuld? Was habe ich falsch gemacht? Denn ihr Team hat am Wochenende verloren. Und dafür kann man nicht immer nur Spieler beschimpfen oder Trainer entlassen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Eine Studie enthüllte letzte Woche, dass allein in England fast zwei Millionen Fußballfans glauben, ihr eigenes Verhalten habe Einfluss auf den Erfolg ihrer Lieblingsmannschaft: Was sie vor dem Spiel trinken (35 Prozent glauben das), anziehen (21) oder essen (10). Und immerhin drei Prozent der Fans sind davon überzeugt, dass ihr Team besser trifft, wenn sie vor Anpfiff Sex hatten.

          Die englischen „Top five“ bleiben ohne Torerfolg

          Am Samstag waren die englischen Fans leider außer Form. Keiner der Top-Klubs der Premier League schoss ein einziges Tor. Während vier der fünf Führenden (Chelsea, Liverpool, Manchester United und Aston Villa) wenigstens ein 0:0 hielten, setzte der FC Arsenal seine Formkrise fort und verlor bei Manchester City 0:3 (siehe auch: Fußball in England: Chelsea und Liverpool torlos - Arsenal geht unter). Der Zorn von Trainer Arsène Wenger entlud sich nicht auf dem Vorspiel-Verhalten der Fans, sondern das von William Gallas. Der Kapitän hatte seine Kollegen öffentlich als Angsthasen dargestellt. Er musste zu Hause bleiben und die Binde abgeben.

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          Eichlers Eurogoals : Englische Fans im Formtief

          Der ungewohnte englische Torgeiz steht im Kontrast zum europäischen Trend der Saison: der Auferstehung der Torjäger. Der Hoffenheimer Ibisevic, 16 Tore in 14 Spielen, hat in fast allen großen Ligen starke Artverwandte: In Italien den Genueser Diego Milito (11 in 12), in Spanien Barca-Star Samuel Eto'o (13 in 12), in England Nicolas Anelka vom FC Chelsea (12 in 14).

          Was ist schon ein Ibisevic gegen einen Janko?

          Das aktuelle Alpha-Tier unter Europas Strafraum-Raubtieren aber hat noch viel mehr: 27 in 18. Wer kennt ihn? Was tun seine Fans vor dem Spiel? Marc Janko, bei Österreichs EM-Nominierung übergangen, steigt laut Klagenfurt-Trainer Schinkels beim Kopfball „so hoch, dass er Schnee im Haar hat“. Deutsche Spitzenklubs sollen den 1,96-Meter-Mann schon jagen.

          Jankos Saisontore 26 und 27 waren am Samstag aber nicht genug für Red Bull Salzburg. Der milliardärsgepäppelte Tabellenführer verlor in der europaweit schönsten Blamage des Wochenendes 2:5 gegen den Kapfenberger SV Superfund. Kapfenberger SV Superfund ist tatsächlich ein Erstliga-Fußballklub und kein Dorf-Supermarkt mit Bankschalter.

          Es gibt ein Leben nach der Bundesliga

          Dasselbe gilt für Cashpoint SCR Altach. Dort erhält der Mann sein Gnadenbrot, der einst bei Werder Bremen den Zweiwortsatz in den deutschen Fußball einführte: Ailton („Toni Tor. Alles gut.“) (siehe auch: Ailton in Österreich: „Nicht vergesse, wie geht Tor schieße“). Der frühere Torschützenkönig der (deutschen) Bundesliga gewann mit dem Tabellenletzten der (österreichischen) Bundesliga 4:1 gegen Mattersburg - wo wiederum Carsten Jancker, der „Null-Tore-Jancker“ des deutschen WM-Teams von 2002, seine Karriere-Endstation bezogen hat. Darin steckt Trost: Es gibt ein Leben nach der Bundesliga - wenn auch manchmal nur in Österreich.

          Endstation? Noch nicht ganz für Bernd Schuster. Ihm reichte mit Real Madrid ein 1:0-Sieg gegen Huelva, den Letzten, um Gewinner des spanischen Spieltags zu sein: Barca spielte 1:1 gegen Getafe, und Villarreal, letztes Team ohne Saisonniederlage in einer der fünf großen Ligen, verlor 0:3 gegen Valladolid.

          Auch in Italien, natürlich, war ein dürres 1:0 ein dicker Erfolg. Dabei hätte es Sulley Muntari im 210. „Derby d'Italia“ zwischen Inter und Juventus um ein Haar geschafft, aus vier Metern nicht das leere Tor, sondern den daneben stehenden Torwart Manninger zu treffen. Es wurde dann doch der Siegtreffer. Irgendwas hatten die Inter-Fans im Vorspiel wohl richtig gemacht.

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