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Eichlers Eurogoals : Elf Freunde müsst ihr sein - oder zehn oder neun

Doppelt getroffen, Siegesserie gerissen: Barcelona und Stürmer Eto'o Bild: AFP

In Fußball-Europa gab es am vergangenen Wochenende einige kuriose Spielverläufe. Das hielt die Jungsenioren Raul, Maldini und James nicht davon ab, Rekorde aufzustellen. Und Trainer Mourinho flirtet mit dem ehemals flüssigsten Klub der Welt.

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          Vor ein paar Jahren kündigte ein englischer Erfinder an, eine neuartige Reiseagentur zu gründen. Ihr Angebot: Zeitreisen zu früheren Sportereignissen. Zwar verträgt sich der Reiz von Abstechern in die Vergangenheit wohl nicht ganz mit dem Reiz des Fußballs, der ja laut Herberger darin besteht, „dass die Leute nicht wissen, wie es ausgeht“.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Aber obwohl wir natürlich wissen, wie es damals ausging gegen Ungarn und wann genau Rahn aus dem Hintergrund schießen müsste, wäre das doch eine hübsche Idee, selber dabei zu sein beim „Wunder von Bern“, und dann zurück in die Zukunft, nicht wahr? Natürlich wird nichts daraus. Die englische Zeitmaschine scheint noch nicht ganz ausgereift, und wegen einer Betriebsstörung im Jahr 1954 hängenbleiben möchte man dann ja auch nicht. Da gab es ja noch nicht mal die Bundesliga.

          Elf Freunde müsst ihr sein - oder nur zehn, oder neun

          Aber wenn das Angebot wenigstens schon mal für ganz kurze Retour-Trips funktionierte, also zum Beispiel für das letzte Fußball-Wochenende, dann wüssten wir, wohin heute die Reise ginge. Zuerst nach Genua. Dort schaffte der CFC 1893 das hübsche Kunststück, eine Stunde lang in Unterzahl zu spielen und dennoch 3:0 in Führung zu gehen - dann glich der AC Florenz durch einen Hattrick von Mutu in der letzten halben Stunde noch aus, das 3:3 fiel in der 94. Minute.

          Doppelt getroffen, Klub-Rekord ausgebaut: Madrid und Raul
          Doppelt getroffen, Klub-Rekord ausgebaut: Madrid und Raul : Bild: AFP

          Und dann weiter nach Almería. Dort zeigte das Heimteam gegen Real Valladolid eine Partie, die das alte Wunder-von-Bern-Motto „Elf Freunde müsst ihr sein“ als überholt erscheinen ließ - vielleicht reichen ja auch zehn. Oder neun. Zu elft hatte das Team von Hugo Sanchez nach 0:2-Pausenrückstand den Anschlusstreffer zum 1:2 geschafft. Das 2:2 schafften sie mit nur noch zehn Mann. Und das 3:2 zu neunt. Valladolid versuchte, mit demselben Trick noch zum Ausgleich zu kommen, kurz vor Schluss flog auch einer von ihnen vom Platz, doch die Idee kam zu spät.

          Raul, Maldini, James und ein paar Jungseniorenrekorde

          Mit diesem Unterhaltungswert kamen die Top-Teams nicht ganz mit. Der FC Barcelona hätte nach 10 Siegen in Folge und nach 20 Siegen in den letzten 21 Spielen dem Rest Spaniens ruhig mal den Gefallen einer Niederlage tun können, Trainer Guardiola ließ denn auch Messi erstmal auf der Bank, brachte ihn dann aber doch für Hleb, und so machte Eto'o mit seinen Saisontoren 22 und 23 aus dem 0:2-Rückstand bei Betis Sevilla noch ein 2:2.

          Dahinter hat sich Real Madrid unter Juande Ramos, zuvor in Tottenham auf einem Abstiegsplatz entlassen, zum Seriensieger gemausert. Mit dem 4:0 in Gijon, dem achten Sieg in Folge, verkürzte Real den Rückstand auf zehn Punkte. Raul schoss seine Tore Nummer 308 und 309 für Real und übertraf den Klub-Rekord von Alfredo di Stéfano.

          Und noch ein paar Jungseniorenrekorde: Paulo Maldini spielte beim 1:2 mit Milan bei Inter sein 55. Mailänder Derby. Torwart David James stellte mit seinem 536. Einsatz in der Premier League eine neue Bestmarke auf. Zur Feier des Tages blieb er beim 2:0 mit Portsmouth gegen Manchester City, den derzeit flüssigsten Klub der Welt, ohne Gegentor.

          „Chelsea und ich waren so glücklich miteinander“

          Unterdessen drängeln sich beim ehemals flüssigsten Klub der Welt die Trainer. Vor einer Woche hieß er noch Scolari, am Samstag, beim 3:1 im Pokal beim Zweitliga-Kellerkind Watford, hieß er Wilkins, und von diesem Montag an wird er zumindest für drei Monate Hiddink heißen - der neue Chelsea-Aushilfstrainer saß schon mal auf der Tribüne. Und vielleicht wird er ja bald wieder Mourinho heißen.

          Der Mann, der Chelsea zweimal zum englischen Meister machte, ehe er entlassen wurde und nun mit Inter Tabellenführer in Italien ist, erklärte: „Ich denke, eines Tages werde ich zu Chelsea zurückkehren, denn wir waren so glücklich miteinander.“ Schon erstaunlich, dass der alte Psycho-Spieler aus Portugal nun plötzlich wie ein schmachtender Romeo klingt, der einer alten Liebschaft nachtrauert - und ihr am liebsten wieder einen Antrag machen will. Aber Achtung: Zeitreisen zurück zu alten Beziehungen enden selten erquicklich. Denn man kennt ja schon das Ergebnis.

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