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Eichlers Eurogoals : Die Statistik lügt nicht

Doppelt hält besser: Der mediterrane griechische Fußball zwischen Panthrakikos und Aris wurde wetterbedingt zweigeteilt Bild: AP

Fußball ist eine Welt rätselhafter Zahlen. Arsenal spielt über 200 Pässe mehr als Chelsea und verliert 0:2. Bei Racing Mechelen leitet als Mitarbeiter des Monats der sechste Trainer der laufenden Saison das Training. In Griechenland steigert sich der Tabellenletzte wie sonst nur einheimische Haushaltsexperten.

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          Fußball ist eine Welt rätselhafter Zahlen. Das geht schon im Training los, wie der unsterbliche Lehrsatz des Übungsleiters Fritz Langner belegt: „Ihr 5 spielt jetzt 4 gegen 3.“ Wie man 6 Tore schießt und trotzdem 3:5 verliert, diese Rätselaufgabe hat kurz vor Weihnachten Hannover 96 in Mönchengladbach beantwortet. Die Lösung: natürlich, dass man dreimal ins eigene Netz treffen muss. Das hat nun auch der FC Portsmouth in England verstanden: Er traf bei Manchester United dreimal - und verlor 0:5.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Kultivierte Zahlenrätsel liefert ebenfalls traditionell der FC Arsenal. Am Sonntag beim FC Chelsea spielte er über 500 Pässe, 200 mehr als der Gegner. Und verlor trotzdem 0:2. Warum? Vielleicht, weil Trainer Arsène Wenger der einzige ist, der versucht, allein mit feinem Kombinationsfußball, aber ohne einen echten Mittelstürmer auskommen zu können.

          Bestimmt aber deshalb, weil Chelsea einen hat. Didier Drogba strotzte wieder mal nur so vor Kraft und Wucht und besiegte Arsenal fast ganz allein, eine alte Gewohnheit von ihm. 10-mal hat er gegen den Londoner Rivalen in der Startelf von Chelsea gestanden - und 12-mal getroffen. Beinahe wäre es gar ein Hattrick geworden und damit Nummer 13 gegen den Lieblingsgegner, als kurz vor Schluss sein Freistoß an die Latte krachte.

          Kraft und Wucht: Didier Drogba besiegte Arsenal fast im Alleingang

          Noch eine schöne Statistik-Abteilung: Trainerentlassungen. Um eine Führungsrolle bewirbt sich aktuell ein gern unterschätztes Fußball-Nachbarland, mit dem das deutsche Nationalteam es in der nächsten EM-Qualifikation zu tun bekommt: Belgien. Beim Drittligisten Racing Mechelen ist in dieser Saison bereits der sechste Trainer am Start. Vermutlich gibt es, damit die Spieler ihn erkennen, ein farbiges Trainerleibchen, das dann an den Nachfolger weitergegeben wird. Und in der Kabine hängt wie bei McDonald's sein Bild im Wechselrahmen mit der Aufschrift „Mitarbeiter des Monats“.

          Statistisch wirds eng für Mancini

          Sechs Trainer in sieben Monaten, da kommt nicht mal die rumänische Liga mit und schon gar nicht die Bundesliga, die ja mit 18 Klubs zusammen erst auf klägliche sechs Trainerwechsel kommt. Auch nicht die Premier League, obwohl es dort für Roberto Mancini beim Scheich-Klub Manchester City nun statistisch eng werden könnte: das 1:2 in Hull war schon seine 3. Niederlage in 10 Spielen - Vorgänger Mark Hughes hatten 2 Niederlagen in 21 Spielen gereicht, um entlassen zu werden.

          Unterdessen erreicht uns aus Italien eine originelle und kostensparende Variante des Trainerwechsels: der Wechsel von einem Trainer zu demselben Trainer. Vor zwei Wochen vermeldeten wir an dieser Stelle das Dienstende von Serse Cosmi, dem Mann mit der Vorliebe für Baseballkappen zu Maßanzügen und für erotische Motivationsfilme. Doch kurz danach konnte er sich und seinen Chef davon überzeugen, dass er selber sein bester Nachfolger sei, übernahm den Laden in Livorno wieder und führte den abstiegsgefährdeten Klub zu zwei Unentschieden gegen die Top-Teams von Milan und Juventus.

          Rooney, Drogba, Messi: Drei jagen Suarez

          Dass es im Februar, wenn zwei Drittel der Saison gespielt sind, immer ein ungeschlagenes Team in einer großen Liga gibt, gehört ebenso in die Abteilung ungewöhnliche Zahlen. Derzeit sind es sogar noch drei in Westeuropa: Bayer Leverkusen, der FC Barcelona (der trotz Platzverweisen für die Verteidiger Pique und Marquez 2:1 gegen Getafe gewann) und der PSV Eindhoven. Bis Sonntag hatte es sogar vier ungeschlagene Teams gegeben und allein zwei in Holland. Doch dann verlor Twente 0:3 bei Ajax Amsterdam, das mit dem Uruguayer Luis Suarez (22 Tore in 22 Spielen) den aktuellen Top-Torjäger in Europa stellt.

          Die anderen, die namhaften, holen aber rasch auf: Wayne Rooney erzielte gegen Portsmouth sein 21. im 25. Spiel, Drogba kommt auf 17 in 20, Lionel Messi (ein Tor gegen Getafe) auf 16 in 18, und auch Antonio di Natale vom Serie-A-Klub Udinese trifft wieder: Mit seinem Hattrick gegen Neapel steigerte er sich auf 16 in 19. Seine beiden Tore in der Nachspielzeit zum 2:1 und 3:1 beendeten die neapolitanische Serie von 15 Spielen ohne Niederlage.

          Biblische Verhältnisse in ganz Europa

          Die aktuell rätselhaftesten Zahlen kommen aber aus einer anderen, einer biblischen Rubrik: Die Letzten werden die Ersten sein. Oder wenigstens die Vorletzten. In England gewinnt der Vorletzte Hull gegen den Milliardärsklub Manchester City 2:1. In Italien schlägt der Vorletzte Bergamo den Europa-Aspiranten Bari 2:0. In Frankreich besiegt der Tabellenletzte Grenoble das Spitzenteam aus Auxerre, zuvor mit einer Betonabwehr gesegnet (15 Gegentore in 22 Spielen), mit 5:0. In der Schweiz gewinnt der Letzte, FC Aarau, der vorher in 18 Spielen auf genau einen Sieg und insgesamt 11 Tore kam, 6:3 gegen Bellinzona.

          Das größte aller Mirakel wird dabei aus Griechenland gemeldet. Dort entwickelte sich die Partie zwischen dem Vierten Aris Saloniki und dem abgeschlagenen Tabellenletzten Panthrakikos schon von der Dauer her ungewöhnlich. Der erste Teil wurde am Samstag angepfiffen. Dann gab es einen Wolkenbruch, in dem der Aris-Torwart beim 0:1 wie eine eingeölte Robbe am Ball vorbeiglitt. Der Schiedsrichter brach ab, die Wasserschlacht wurde am Sonntag fortgesetzt.

          Auch den zweiten Teil gewann Panthrakikos 1:0, insgesamt also 2:0 - eine Premiere nach bisher 16 Niederlagen und 3 Unentschieden. Kurz zusammengefasst, hat der Klub seine Jahresbilanz aus zuvor 19 Saisonpartien - drei Punkte - an einem einzigen Wochenende verdoppelt. Eine wundersame Steigerung um 100 Prozent - das schaffen sonst nur griechische Haushaltsexperten bei Vorlage ihrer Zahlenrätsel in Brüssel.

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