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Eichlers Eurogoals : Die fünfte Weihnachtsfeier

Klub-WM in Marokko: Keine Gefahr für die Angestellten von Bayern München Bild: dpa

Als der Wettbewerb noch Weltpokal hieß, artete er in interkontinentale Gemetzel aus, bis die Europäer keine Lust mehr hatten. Bei der gezähmten Klub-WM müssen die Bayern nicht um Leib und Leben fürchten.

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          Carlo Ancelotti, der Trainer von Real Madrid, demnächst Gegner von Schalke, hat in den letzten Wochen ein neues System erfunden, auf das sogar Pep Guardiola noch nicht kam: ein 4-3-2. Außer möglicherweise bei Manchester City, wo man im Kampf um den Gruppensieg bei Guardiolas Bayern die europäische Auswärtstorregel nicht so genau kannte und als gerechte Strafe nun den FC Barcelona als Achtelfinalgegner in der Champions League bekommt, wird der Fußballkenner bei der Addition der Feldspieler im Ancelotti-System überrascht feststellen: 4+3+2 = 9. Da fehlt doch einer!

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Genau, und der heißt Sergio Ramos. Der Spanier mit dem sanften Auge und dem rauhen Bein zwingt häufiger als jeder andere seine Trainer zu System-Innovationen. Ende November beim 4:1 bei Galatasaray Istanbul und nun beim 2:2 in Osasuna verabschiedete sich der Innenverteidiger schon in der ersten halben Stunde ins Warme. Ramos ist erst 27, und es waren in seiner Karriere bei Real schon die Platzverweise Nummer 17 und 18.

          „Sieben Gelbe Karten“ in neunzig Minuten

          Und da sind die drei Gelb-Roten Karten noch gar nicht drin, die er nach Ansicht von Jürgen Klopp allein im Halbfinalrückspiel der vergangenen Champions League verdient hatte. Dort sah der Dortmunder Trainer den Ellbogen von Ramos so oft im Gesicht von Robert Lewandowski, dass er die dafür fälligen Strafen auf „sieben Gelbe Karten“ in neunzig Minuten addierte.

          Er lässt im 4-3-2-System spielen: Real-Trainer Carlo Ancelotti Bilderstrecke
          Er lässt im 4-3-2-System spielen: Real-Trainer Carlo Ancelotti :

          Beim dem anderen bösen Buben des europäischen Fußballs hat sich die Sozialprognose zuletzt verbessert. Nachdem Luis Suarez seine nagetierhaften Schneidezähne im April in den Oberarm des Chelsea-Verteidigers Branislav Ivanovic gerammt hatte (so wie zuvor schon im Trikot von Ajax Amsterdam in die Schulter eines Eindhovener Spielers), meldete sich sogar Premierminister David Cameron und forderte eine besonders harte Strafe, die der kickende Kannibale denn auch bekam: zehn Spiele Sperre.

          Seit Ende September darf Suarez wieder spielen. Er tut das, als habe er in der Zwischenzeit gar nichts mehr zu beißen bekommen: der torhungrigste Spieler der Welt. In elf Spielen in der Premier League schoss er siebzehn Tore für Liverpool. So viele hat in Europa nur Cristiano Ronaldo, der dafür aber 15 Spiele mit Real benötigte.

          Beim famosen 5:0-Sieg in Tottenham, der Liverpool auf Platz zwei gebracht hat (nur noch zwei Punkte hinter Arsenal, das 3:6 bei Manchester City verlor), schoss Suarez zwei Tore und bereitete die anderen drei vor. Damit kommt er in 11 Spielen auf 25 Scorer-Punkte (17 Tore, 8 Vorlagen) – eine unfassbare Quote.

          Vielleicht ganz gut, dass diese beiden Wilden des europäischen Fußballs nicht bei der Klub-WM in Marokko dabei sind. Sonst könnte ein Rückfall in die schlechten alten Zeiten des Vorgänger-Wettbewerbes, des Weltpokals, drohen. Kein Fußball-Duell war jemals so von Hass und Gewalt erfüllt, wie es der Vergleich zwischen der jeweils besten Vereinsmannschaft Europas und Südamerikas in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern war.

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