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Eichlers Eurogoals : Der Tag der großen alten Männer

Fast unverzichtbar: Frank Lampard glänzt nochmal bei Manchester City Bild: dpa

Pirlo entscheidet das dramatische Turiner Derby. Lampard glänzt bei Manchester City. Und Di Natale ist der größte aller Ü-30-Torjäger. Am ersten Advent glänzen die Oldies, während zwei jüngere Stars überraschend leer ausgehen.

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          Wochenende vorbei, da wollen Fans bei Laune gehalten werden. Zum Beispiel, indem man sie über die schönsten Tore ihres Teams abstimmen lässt. Etwas riskant ist es allerdings, das zu tun, wenn man nicht Real Madrid heißt oder Bayern München. Sondern Aston Villa.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Ausnahmsweise können die Fans des Premier-League-Klubs nach dem 1:1 beim Tabellenletzten Burnley bei der vereinsinternen Wahl zum „Tor des Monats“ November in dieser Woche zwischen drei Treffern wählen. Es ist eine Art Vorweihnachtsbescherung. Anders als im Oktober. Da fiel die Wahl leider aus. Weil Villa im Oktober null Tore geschossen hatte.

          Im September wiederum gab es eine Wahl, doch hatte sie gewisse Ähnlichkeiten mit der vom vergangenen März in Nordkorea (99,97 Prozent für die „Demokratische Front für die Vereinigung des Vaterlandes“). Wie bei der Parlamentswahl in Pjöngjang stand auch bei der Wahl zum „Tor des Monats“ September in Birmingham nur ein Kandidat zur Wahl.

          Es war Gabriel Agbonlahor mit seinem Treffer zum bisher letzten Sieg des Teams von Trainer Paul Lambert, einst Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund. Beim 1:0 in Liverpool am 13. September fiel Agbonlahor der Ball im Getümmel nach einem Eckball vor den Fuß. Im Fallen stocherte er ihn aus vier Metern ins Netz. Das unspektakulärste Tor des Monats des Jahrhunderts.

          Mit den Citizens nimmt er die Verfolgung seiner alten Liebe Chelsea auf

          Aus Italien erreichen uns dagegen Bilder eines Treffers, das man schon jetzt zu den Toren des Jahres 2014 zählen muss. Und das die Frage aufwirft, warum bei der WM in Brasilien eigentlich nur Brasilianer mitspielten, die nur flennen, aber nicht rennen konnten. So wie Bruno Peres am Sonntag ist jedenfalls keiner seiner Landsleute in der Seleção abgegangen.

          Der Außenverteidiger des FC Turin, im Sommer nach Italien gewechselt, gewann den Ball am eigenen Strafraum, rannte los, war „schon im Mittelfeld kaputt“, wie er später sagte, „weil es so stark regnete und der Boden so tief war“, rannte aber einfach weiter, und zwar so flott, dass er alle Starspieler des Meisters Juventus abschüttelte, selbst den zeckenhaften Chilenen Arturo Vidal, bis er den anderen Strafraum erreichte. Dort fiel ihm dann nichts Besseres ein, als den Ball diagonal am regungslosen Torwart Marco Storari vorbei hoch an den Innenpfosten zu knallen. Von dort flog er zum Ausgleich ins Netz.

          Bruno Peres vom FC Turin rannte und rannte und traf dann auch noch

          Was für ein Lauf! Doch der Lohn der guten Tat blieb aus. Vier Sekunden vor Ende der Nachspielzeit des dramatischen Turiner Derbys setzte ein anderer die Schlusspointe. Andrea Pirlo, der alterslose Ästhet, ließ aus 25 Metern einen Flachschuss los, der auf dem nassen Boden zum 2:1-Siegtreffer für Juventus ins Toreck titschte. Und genauso hatte er sich wohl gedacht, der große Denker am Ball, der seine Autobiographie so nannte: „Ich denke, also spiele ich“.

          So war der erste Advent auch der Tag der großen alten Männer des Denk-Spiels Fußball. Denn auch Frank Lampard traf. Mit seinem 174. Treffer in der Premier League, dem 256. seiner Karriere (in 854 Spielen), vermutlich ewiger Rekord für einen Mittelfeldspieler, entschied er kurz vor Schluss das Spitzenspiel in England, in dem Manchester City mit einem 3:0-Auswärtssieg den bisherigen Überraschungszweiten Southampton überholte. Der Meister kam damit bis auf sechs Punkte an Tabellenführer Chelsea heran, der auch im zwanzigsten Saisonspiel (in Liga, Ligapokal und Champions League) ungeschlagen, aber erstmals ohne Treffer blieb.

          Andrea Pirlo aber entschied das Derby doch noch für Juventus

          Lampard gewann in dreizehn Jahren alles mit Chelsea, wurde mit 211 Toren Rekordtorschütze in der Geschichte des Klubs, verließ ihn aber im Sommer nach Auslaufen seinen Vertrages, um auf seine alten Tage noch ein wenig in der gemütlicheren amerikanischen Liga zu spielen. Claudio Reyna, Sportdirektor von New York City FC, stellte ihn als „einen der größten Spieler der Weltgeschichte“ vor. Bevor der neugegründete Klub im März in seine erste Saison startet, ließ sich Lampard, um fit zu bleiben, bis Jahresende an ManCity ausleihen.

          Doch dort möchte man ihn nun behalten. Er zeigte eine Klasseleistung beim 3:2-Sieg über Bayern München, als er die spielentscheidende Szene, das Foul von Medhi Benatia an Sergio Agüero mit folgendem Platzverweis und Elfmeter, mit einem direkt gespielten, perfekt gezirkelten Vierzig-Meter-Pass einleitete. Lampard soll nun bis März in England bleiben, und Trainer Manuel Pellegrini möchte ihn am liebsten ganz von dem Wechsel in die Vereinigten Staaten abbringen.

          Wenige Sekunden vor Schluss titschte sein Ball doch noch ins Tor

          Pirlo hat mit 35 nach der WM seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt, sich es kurz danach aber schon wieder anders überlegt: Er werde zur Verfügung stehen, wenn man ihn brauche. Man brauchte ihn, er spielt wieder für Italien. Auch Lampard ist nun mit 36 gefragt wie eh und je. Xabi Alonso erfährt, gerade 33 geworden, bei den Bayern seit Monaten Huldigungen für sein zeitloses Können.

          Und da, wo es noch schwieriger ist als im laufintensiven Mittelfeld, sich gegen das eigene Alter und die Jugend der Gegner zu wehren, im Angriff nämlich, hält Antonio di Natale auch mit 37 die Stellung. Der ewige Torjäger von Udinese hat vor einer Woche sein 200. Tor in 400 Serie-A-Spielen erzielt. Und das, obwohl er erst mit 25 in der ersten Liga ankam und in 19 Profijahren nie für eines der großen Teams, sondern nur für Empoli und Udine spielte.

          Wer ist der größte Ü-30-Stürmer? Antonio Di Natale

          Erst als er in der Saison 2009/10 mit 29 Treffern Torschützenkönig der Serie A wurde, nahm man seinen Namen im Rest von Europa wahr – und glaubte an eine späte Laune des Fußball-Schicksals: einer, der auf seine alten Stürmer-Tage, mit 32, noch einmal groß herauskommt, bevor er wieder in der Versenkung verschwindet. Doch das war nur der Anfang. Seit jener Saison, in den fünfeinhalb Jahren seit Sommer 2009, hat kein Stürmer in England, keiner in Frankreich, kein anderer in Italien und erst recht keiner in Deutschland es geschafft, mehr Liga-Tore zu erzielen: mehr als die 127, die der gute alte „Toto“ zwischen seinem 32. und 38. Lebensjahr angesammelt hat.

          Nur zwei Spielern in Spanien, beide noch deutlich jünger, haben den größten aller Ü-30-Torjäger überboten. Ein gewisser Messi (199 Tore). Und ein angeblicher nicht untalentierter Bursche namens Ronaldo (197). Beide haben an diesem Wochenende übrigens nicht getroffen. Ist auch mal eine Nachricht.

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