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Eichlers Eurogoals : Das torlose Tor zur Welt

Der falsche Mann beim falschen Verein

Vielleicht hat er sich einfach nur den falschen Klub ausgesucht in der Weltmetropole des Fußballs, wo es ja durchaus dankbarere Aufgaben gibt als die beim kleinen Traditionsklub. Etwa beim Süd-Londoner Nachbarn Chelsea, der am Mittwoch (20.45 Uhr / im FAZ.NET-Liveticker) an der Stamford Bridge dem früheren Magath-Klub Schalke auflauern wird – und das mit den beiden bisher besten Einkäufen unter den vielen Stars, die die Premier League in diesem Sommer für über eine Milliarde Euro geholt hat. Mit ihrer Hilfe hat das Team von Trainer José Mourinho nach nur vier Spielen als Tabellenführer bereits fünf Punkte Vorsprung vor Meister Manchester City (2:2 bei Arsenal), sechs vor Arsenal und Liverpool (0:1 gegen Aston Villa), sieben vor Manchester United, das beim Debüt des 75-Millionen-Euro-Einkaufs Angel di Maria seinen ersten Saisonsieg, ein 4:0 gegen die Queens Park Rangers, schaffte.

Party an dem Stamford Bridge: Diego Costa trifft für Chelsea London
Party an dem Stamford Bridge: Diego Costa trifft für Chelsea London : Bild: dpa

Für den Preis eines di María hat Chelsea die doppelte Dosis bekommen, das aktuell beste Duo der Premier League. Cesc Fabregas, für 33 Millionen Euro aus Barcelona zu Chelsea gekommen, weil sein früherer Trainer Arsène Wenger ihn nicht wieder bei Arsenal haben wollte und eine Rücknahmeoption ausschlug, hat sich auf Anhieb als raffinierter Regisseur im zuvor arg muskulös geprägten Chelsea-Team erwiesen. Er führt die Liste der meisten Torvorlagen der Premier League mit sechs an.

Hauptprofiteur seiner Zuspiele ist Diego Costa, für 38 Millionen Euro vom spanischen Meister Atlético Madrid geholt. Der Torjäger erzielte beim 4:2-Sieg gegen Swansea am Samstag binnen 22 Minuten einen Hattrick und kommt nach seinen ersten vier Ligaspielen in England damit auf sieben Tore. Fast noch unglaublicher als die Zahl seiner Tore ist seine Effizienz. Für die sieben Treffer hat er nur vierzehn Schüsse benötigt, zehn davon kamen aufs Tor.

Umso erstaunlicher, dass Atlético den Verlust des Torjägers bisher gut verkraftet hat und nach dem Gewinn des Supercups gegen Real Madrid den Lokalrivalen nun auch in der Liga 2:1 besiegte. Aber das musste wohl so kommen, denn Real war von der Europäischen Klub-Vereinigung als „Europas Fußballklub des Jahres 2014“ ausgezeichnet worden. Ein schlechtes Omen, wie die weiteren Preisträger belegen: als Verein mit der „größten Entwicklung in europäischen Wettbewerben“ wurde der österreichische Meister Red Bull Salzburg ausgezeichnet (der danach wie jedes Jahr in den Play-offs der Champions League scheiterte und gegen Malmö FF verlor); und, für „Marketing“, der schottische Meister Celtic Glasgow (der in der Qualifikation zur Champions League nach 1:4- und 0:2-Niederlagen gegen Legia Warschau wegen eines Formfehlers der Polen weiterkam, dann aber gegen NK Maribor ausschied).

Da konnte die Sache für Real ja nur noch schiefgehen. Zwei Niederlagen in drei Spielen, sechs Punkte Rückstand auf Barcelona. Kein Wunder, dass Toni Kroos schon Sehnsucht nach Pep Guardiola geäußert hat. Also nach guten alten Bayern-Zeiten in der Bundesliga, wo man als Rekordmeister eben meist nicht so sperrige Gegner wie San Sebastian oder Atlético bekommt. Am Samstag fährt der FC Bayern nach Hamburg, dem torlosen Tor zur Welt.

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