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Eichlers Eurogoals : „Das schönste Eigentor aller Zeiten“

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Nun aber hat sich der Fußballer Festus mit einer einzigen Aktion einen bleibenden Eintrag im optischen Gedächtnis der virtuellen Fußballwelt gesichert. In der 80. Minute des Spiels gegen Citizen AA flog eine Flanke in den Strafraum von Sun Hei, dem Team von Baise.

Der Ball kam halbhoch hinter dem Rücken des Verteidigers herunter, war also kaum für ihn zu erreichen, außer mit einem artistischen Geistesblitz. Und den hatte der Nigerianer. Er hob ab, als wolle er per Bauchplatscher in einen Badeteich springen, hob hinterrücks die Ferse und erwischte mit ihr den Ball.

Im Englischen nennt man das „Scorpion Kick“, seit der latent wahnsinnige Torwart René Higuita in einem Länderspiel mit Kolumbien im Londoner Wembley-Stadion einmal einen Schuss, der auf ihn zuflog, nicht mit den Händen pflückte, sondern auf diese Weise, nach vorn springend, hinter dem Rücken mit den Hacken wegschlug.

Baise hat das jetzt noch gesteigert: ein traumschönes Eigentor mit dem Schuss des Skorpions. Im hohen Bogen flog die Kugel, von seiner Ferse getroffen, von der rechten Strafraumecke unerreichbar ins linke obere Toreck. Es erinnerte an das Tor des Gladbachers Stadler von 1993, war aber noch deutlich spektakulärer.

Den Ruhm dieses Treffers wird der Fußballer Festus nie wieder loswerden. So ungerecht kann das Kicker-Leben eben sein. Man müht sich jahrelang tüchtig ab, tut seine Arbeit verlässlich, ohne groß aufzufallen, dann aber passiert irgendein winziges unwahrscheinliches Malheur, und am Ende erinnern sich 99 Prozent aller Leute nur an diesen einen Moment. Bist du nicht der, der damals dieses Eigentor geschossen hat?

Aber manchmal ist das Leben doch gerecht, wie bei einem anderen Afrikaner, Djimi Traoré. 2005 versuchte der Verteidiger aus Mali im Pokalspiel mit dem FC Liverpool in Burnley einen Ball vom eigenen Tor wegzubefördern – aber nicht nach guter alter Innenverteidiger-Art mit einem Schlag auf die Tribüne, sondern mit einer Ballstreichel-Pirouette nach Art von Zinédine Zidane (Sohle links, Sohle rechts, dabei 360 Grad gedreht).

Leider tat er das im eigenen Fünfmeterraum, und leider schaffte er nur 270 Grad. Es war das 1:0 für den Außenseiter, zugleich der Endstand. Zu allem Spott erhielt der arme Verteidiger auch noch eine SMS vom großen Zidane: „Schöner Versuch, falsche Richtung.“

Aber, wie gesagt, in diesem Fall glich das launische Fußballschicksal das Glückskonto des Djimi Traoré wieder aus. Nur vier Monate später hielt er wieder den Fuß hin – und rettete auf der Torlinie gegen Milan-Star Andrej Schewtschenko dem FC Liverpool den sensationellsten Finalsieg der Champions-League-Geschichte.

Für alle, die einen ähnlichen Kandidaten in ihrem Team, ihrer Familie, dem Freundes- oder auch Kollegenkreis kennen, bei dem sich aber nach Fehlleistungen partout nicht die fällige Gegenentwicklung einstellen will, hätten wir hier noch den passenden Vorschlag für ein spätes Weihnachtsgeschenk. Es ist eine Idee der Fußballer einer finnischen Mannschaft, deren Mitspieler Pentti Kekkola 1986 in nur einer Saison gleich fünf Eigentore schoss. Sie schenkten ihm einen Kompass.

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