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Eichlers Eurogoals : Das Orakel von Fröttmaning

Immer kategorisch, selten treffsicher: Bayern Münchens selbsternannter Außenminister Paul Breitner (hier in einem Braunschweiger Exilbild von 1977) Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Weltfußballer? „Wer soll das bitteschön werden außer Franck Ribéry?“, fragt Paul Breitner. Ja, wer? Selten war die Auswahl an Fabelfußballern so groß. Wir stellen sie vor.

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          Der FC Bayern kann es ja doch noch: verlieren. Als Wahlhelfer für die Olympiabewerbung vermochte der Triple-Sieger trotz aller Auftritte von Hoeneß und Beckenbauer, Lahm und Schweinsteiger und trotz einer letzten Twitter-Botschaft an seine Fans am Wahltag die krachende Niederlage von „München 2022“ im bayrischen Bürgerentscheid nicht zu verhindern. Nicht mal Paul Breitner konnte das, der selbst ernannte „Außenminister“ des FC Bayern.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der alte Maoist unter den Fußball-Millionären hatte beim Wahlkampf in seinem Heimatort Freilassing vor 70 Zuhörern die Olympischen Spiele als „drei bis vier Wochen bestes Hollywood“ angepriesen. Die Wähler wollten aber lieber Heimat als Hollywood.

          Noch am Samstag, in der Pause des Spiels der Bayern gegen Freiburg, hatte Breitner für Olympia getrommelt, mit allerdings recht gelangweilter Reaktion der 71.000 im Stadion. Womöglich gaben die Fans auf Breitners Wahlprognosen auch nicht mehr als auf seine legendär kategorischen Halbzeit-Expertisen – deren Halbwertzeit nicht selten genau 45 Minuten beträgt.

          Zu jedem Halbzeitstand aus den anderen Stadien gab er ins Arena-Mikrofon Fernanalyen ab, die keinen Widerspruch duldeten. Schalke lag 0:1 gegen Bremen zurück? Breitner: „Bei Schalke geht im Augenblick gar nix mehr“. Endstand 3:1. Wolfsburg 0:1 gegen Dortmund hinten? Breitner: „Die Dortmunder sind einfach zu stark für Wolfsburg“. Endstand 2:1.

          Bayerns französischer Weltfußballer-Kandidat: Franck Ribéry

          Da können Bayern-Fans nur hoffen, dass Breitner wenigstens mit der Prognose einer ganz anderen Wahl richtig liegt: der des Weltfußballers des Jahres. Er posaunte: „Wer soll das denn bitteschön werden außer Franck Ribéry?“

          Ja, wer? Zum Beispiel ein gewisser Lionel Messi? Oder auch zwei spektakuläre Tormaschinen namens Cristiano Ronaldo und Zlatan Ibrahimovic? Diese beiden, die am Freitag im Kampf um einen WM-Platz in den Play-offs mit Portugal und Schweden aufeinandertreffen, machten am Samstag kräftig Wahlkampf, und das ohne Worte.

          Turbo-Kicker und Taekwondo-Artist

          Beide schossen je drei Tore, da kam Ribéry mit seinem famosen Freistoßtor gegen Augsburg nicht ganz mit. Zwar soll bei der Wahl im Januar die Leistung eines ganzen Jahres berücksichtigt werden. Doch erfahrungsgemäß können ein paar Traumtore im November oder Dezember noch einmal gehörigen Eindruck auf die Wähler aus mehr als 200 Ländern in aller Welt machen (jeweils der Nationaltrainer, der Kapitän des Nationalteams und ein Journalist). Denn in den entlegeneren Winkeln der Fußballwelt nimmt man oft nur die spektakulärsten Aktionen aus dem fernen Europa wahr. Und da erreichen der Turbo-Kicker Ronaldo und der Taekwondo-Artist Ibrahimovic schon gewissen Erkennungswert.

          Reals portugiesischer Turbo-Kicker: Cristiano Ronaldo

          Ronaldo erhöhte mit seinen drei Toren beim 5:1 gegen Real Sociedad San Sebastian seine Saisonbilanz auf unglaubliche 28 Tore in 19 Spielen für Real Madrid und Portugal. Mit 16 Treffern in „La Liga“ ist er aktueller Top-Torjäger in Europas Ligen, mit acht Toren in der Champions League auch – er hat damit schon nach vier von sechs Partien den Vorrunden-Rekord der Königsklasse eingestellt. „Cristiano spielt auf einem Niveau, das nicht mehr von dieser Welt ist“, schwärmte sein Trainer Carlo Ancelotti, „dazu fehlen mir die Worte“. Dem Publikum fehlten sie nicht, es forderte mit Sprechchören Ronaldos Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2013.

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