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Eichlers Eurogoals : Das Kreuz mit den Kreuzchen

Daumen hoch für Ardas Wahl? Diego Siemone Bild: dpa

Demokratie stört im Fußball nur: Das musste nun auch Robert Lewandowski feststellen. Doch wer meint, der Ärger der Bayern-Führung über die Ronaldo-Wahl sei ein Problem für den Polen, staunt umso mehr über die Stimmen des türkischen Kapitäns.

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          Machen wir uns nichts vor: Der Fußball ist nicht für die Demokratie geschaffen. Gewählt wurden allenfalls die Teams auf dem Schulhof, und da waren es immer dieselben, die als erste und letzte dran kamen. Wer aber eine richtige Fußballmannschaft sein will, braucht einen, der allein entscheidet, wer spielt: den Trainer.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zumindest so lange, bis ein anderer entscheidet, dass ab sofort ein anderer entscheidet. Also ein neuer Trainer. Und die Spieler schauen zu und treffen auf dem Platz wie immer ihre Entscheidungen. Demokratie? Nein danke, stört hier nur.

          Sobald man Fußballern zu viele Wahlmöglichkeiten lässt, fangen die Schwierigkeiten an. Robert Lewandowski zum Beispiel hat im Trainingslager des FC Bayern in Qatar – einem Land ohne Parteien und Parlament, dessen Emir das Volk klugerweise nicht mit überflüssigen Wahlen verwirrt - ein paar deutlich hochgezogene Augenbrauen im Bayern-Tross erlebt.

          Vorbildlicher FC Bayern: Stürmer folgt Anweisungen des Trainers

          Das war, als bekannt wurde, dass er nicht den Mannschaftskollegen Manuel Neuer, sondern den Real-Rivalen Cristiano Ronaldo bei der Wahl des Weltfußballers auf dem Zettel hatte.

          Neuer selber erteilte Lewandowski Absolution und zeigte Nachsicht dafür, dass Stürmer eben Stürmer besser fänden als Torhüter. Doch bei strengen Vorgesetzten wurde es, wie man hört, nicht gern gesehen, dass nicht alle Bayern alle Bayern für die Besten der Welt halten.

          Lewandowski, der als Kapitän der polnischen Nationalmannschaft stimmberechtigt war, reagierte genervt und sprach von einem „Fehler“ – wobei er offen ließ, ob sein Faible für Ronaldo der Fehler war oder die Freiheit, bei ihm auch noch sein Kreuzchen zu machen.

          Arda in Erklärungsnot

          Er hätte es ahnen können, der „Ballon d’Or“ ist nun einmal eine offene Wahl. Jedes einzelne Votum wird öffentlich. In einem Geschäft wie Fußball, das von den kollektiv gezähmten Egoismen einzelner lebt und von unsichtbaren Rangordnungen innerhalb komplexer Team-Gebilde, gerät man dann schnell in Versuchung, den zu wählen, mit dem man sich gut stellen muss. Weil man von ihm Zuckerpässe, Stammplätze oder Vertragsverlängerungen bekommt.

          Wer das nicht tut, also nicht den eigenen Kollegen oder, schlimmer, nicht mal den eigenen Chef als Besten der Welt ankreuzt, was der ja interessiert nachlesen wird, bringt sich in Erklärungsnöte.

          Einen Tag nach der Fifa-Gala in Zürich, bei der neben Weltfußballer Ronaldo auch Welttrainer Joachim Löw gekürt wurde, beteuerte zum Beispiel Arda Turan, der Kapitän der türkischen Nationalelf, seine Wahl sei verfälscht worden.

          Wahlfälschung? Arda Turan hat einen Verdacht

          Jeder Juror kann pro Kategorie drei Namen nennen, der erste bekommt fünf, der zweite drei Punkte, der dritte einen. Laut Fifa hatte Turan José Mourinho vor Löw und Diego Simeone genannt.

          Turans Problem: Simeone ist sein Klubtrainer bei Atlético Madrid. So erklärte er prompt, in Wirklichkeit Simeone an erster Stelle genannt zu haben – was plausibel klingt. Mourinho hat 2014 mit Chelsea nichts gewonnen, ist im Halbfinale der Champions League sogar an Atlético gescheitert. Simeones Team gewann dagegen sensationell die spanische Meisterschaft. Warum sollte Turan da einen Mourinho wählen? Hat vielmehr der Mitarbeiter des türkischen Verbandes, der Turans Votum entgegennahm, die Kreuzchen verwechselt? Oder jemand bei der Fifa?

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