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Eichlers Eurogoals : Das große Fressen nach der WM

Acht Ronaldo-Tore in acht Tagen - der Portugiese bei Real stillt seinen Torhunger Bild: dpa

Bei der WM in Brasilien wurden Stars wie Ronaldo, Rooney oder Messi nicht satt. Nun stillen sie in den europäischen Ligen ihren großen Torhunger. Nur „Beißer“ Suarez muss noch auf seine Vampir-Stunde warten.

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          Deutschlands Spitzenfußball klagt leise über die Folgen der WM. Über die Müdigkeit der maladen Erfolgsknochen. Über englische Wochen. Und eine gewisse Sattheit am Ball. Da müsste es, im Umkehrschluss, all denen, denen es in Brasilien schlechter erging, nun doch viel besser gehen?

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Und tatsächlich, wo man hinschaut im Rest von Europa, man spürt ihn, den mächtigen Hunger der vielen, die bei der WM nicht satt wurden. Diego Costa etwa, im alten Heimatland Brasilien beschimpft, mit Spanien, dem neuen, tor- und erfolglos, hat für Chelsea beim 3:0 gegen Aston Villa sein achtes Tor in sechs Ligaspielen erzielt. Er steht gleich doppelt vorn, in Tabelle und Torjägerliste.

          Ebenso wie in Italien Carlos Tevez, der für die WM nicht berücksichtigt worden war, weil Lionel Messi ihn nicht wollte, und sich so das Finale der Argentinier gegen Deutschland aus der Ferne anschauen musste. Inzwischen schaut er sich nach fünf Siegen und vier Toren mit Juventus Turin die Tabelle und Torjägerliste der Serie A von oben an.

          Die Alterswertung der WM-Frustrierten führt Veteran Frank Lampard an. In Brasilien hatte er noch untätig zuschauen müssen, wie die englischen Kollegen ohne ihn mit den Niederlagen gegen Italien und Uruguay alles vermasselten, ehe er erst beim bedeutungslosen 0:0 gegen Costa Rica auf den Platz durfte. Nach 15 Jahren im Nationalteam (106 Spiele, 29 Tore) und 13 Jahren bei Chelsea (626 Spiele, 208 Tore) macht der torgefährlichste Mittelfeldspieler des Jahrhunderts nun einen knackigen Neuanfang.

          Und die Kollegen freuen sich beim Schützenfest mit ihm

          Die Zeit bis zum Saisonbeginn mit New York City FC im Frühjahr überbrückt er beim englischen Meister Manchester City, meist als Joker, aber mit Altersteilzeit hat das nicht viel zu tun. Beim 1:1 gegen Chelsea schoss er den Ausgleich, traf zweimal beim Sieg über Sheffield Wednesday im Ligapokal und steuerte ein Tor zum 4:2-Sieg in Hull bei.

          Vier Tore binnen sechs Tagen, je ein Treffer pro dreißig Einsatzminuten – Trainer Manuel Pellegrini will Lampard nun noch länger als bisher geplant am liebsten bis März behalten, ehe er nach Amerika geht. So wie einst, Anfang 2000, die Bayern den 39 Jahre alten Lothar Matthäus.

          Erst erschien alles so leicht für Wayne Rooney ...

          Auch Landsmann Wayne Rooney trifft wieder. Allerdings mit gewisser Streuung. Beim 2:1-Sieg von Manchester United über West Ham traf er mit voller Wucht erst das Tor, später dann den Gegenspieler. Das eine brachte die Führung, das andere eine Rote Karte. Die Frage an Trainer Louis van Gaal, ob er inzwischen an der Weisheit von Rooneys Beförderung zum Kapitän zweifle, brachte einem englischen Reporter den bösen Blick ein: „Das ist keine gute Frage“, blaffte van Gaal.

          Ob er sie nicht beantworten wolle? „Das ist mein Recht.“ Dazu der Blick eines pikierten Monarchen. Der gute alte King Louis - irgendwie fehlt er uns, gerade wenn er schlechte Laune hat. Also immer, wenn er nicht Nummer eins ist. In England ist er derzeit nicht mal die holländische Nummer eins. Ronald Koeman liegt mit dem FC Southampton deutlich vor ihm auf Platz zwei.

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