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Eichlers Eurogoals : Chelsea und die Angst vor dem dänischen Waterloo

Im falschen Film: Fernando Torres und der FC Chelsea stecken in der Krise Bild: dpa

Im Winter fiel Chelsea in alte Verhaltensmuster zurück und gab enorm viel Geld aus. Nun rempelte Everton den Klub auch noch aus dem Pokal. Abramowitsch könnte bald „die Axt zu schwingen“ - und eine alte Idee wieder aufleben lassen.

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          Im Januar war Leighton Baines fast schon Münchner. Jedenfalls stand es so in den Zeitungen, die über mögliche Verstärkungen des FC Bayern spekulierten. Mit dem Engländer vom FC Everton sollte endlich ein würdiger Nachfolger für Bixente Lizarazu auf der linken Abwehrposition gefunden werden. Doch dann wurde nichts aus dem Transfer. Ob das nun schlecht für den FC Bayern war? Schlecht war es vor allem für den FC Chelsea.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Beim englischen Double-Sieger sieht die Saison inzwischen deutlich finsterer aus als beim deutschen Double-Sieger. Während die Münchner am Samstag in Mainz das Licht weiter aufdrehten, verfinsterte sich das Bild der Londoner. Das geschah just in einem Moment, in dem die Anzeigetafel an der Stamford Bridge eigentlich Ermutigendes wiedergab: Dass es 1:0 stand im Pokal gegen Everton, dass fast 119 Minuten gespielt waren.

          Doch dann kam der große Auftritt des kleinen Beinahe-Bayern Baines. Als er sich den Ball zum Freistoß hinlegte, muss es ganz dunkel um ihn gewesen sein. Die breite Mauer der massigen, großgewachsenen Leiber des FC Chelsea verstellte von dort unten jede Sicht auf das Tor. Dann lief Baines an, holte gekonnt aus und schraubte den Ball in perfekter Sichelkurve ins obere rechte Eck.

          Chelsea am Boden - alleine in der Champions League winkt noch ein Erfolg
          Chelsea am Boden - alleine in der Champions League winkt noch ein Erfolg : Bild: AFP

          Ist das Modell Chelsea am Ende?

          Es stand 1:1, das hieß Elfmeterschießen, und die Geschichte wurde noch verrückter. Ausgerechnet Baines als erster Schütze von Everton verschoss. Zum Ausgleich scheiterte, wie schon im Elfmeterschießen des Champions-League-Finals 2008 gegen Manchester United, Nicolas Anelka. So wurde es Zeit für Psychospiele. Johnny Heitinga, der giftige Verteidiger, der völlig zu Unrecht als einziger Holländer im WM-Finale gegen Spanien vom Platz geflogen war, verwandelte seinen Elfmeter - und zeigte, dass man auch danach, wenn man schon zum Mittelkreis und zu den wartenden Kollegen zurücktrottet, noch aktiv am Geschehen teilnehmen kann.

          Auf halber Strecke kam ihm Chelsea-Verteidiger Ashley Cole entgegen, bereits in Gedanken über seinen bevorstehenden Elfmeter versunken. Heitinga machte sich breit und rempelte ihn mit der Schulter. Wie ein aufgeschreckter Schlafwandler zuckte Cole hoch, schaute verwirrt um sich. Kurz danach, nun wieder ungestört, aber wohl noch in innerer Unordnung, jagte er seinen Elfmeter über das Tor. Chelsea war draußen - die erste Pokalniederlage seit fast drei Jahren.

          Das war gewiss nicht die feine Art von Everton. Aber Chelsea steht nicht in Gefahr, nun zu viel Mitleid in der Fußballwelt zu erhalten. Eher Schadenfreude: ausgeschieden im Pokal, nur Platz fünf in der Meisterschaft, und in der Champions League an diesem Dienstag (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) das Duell bei einem tückischen Außenseiter, dem FC Kopenhagen. Erste Boulevardzeitungen schreiben Trainer Carlo Ancelotti ab. Schon stellt sich eine noch weiter gehende Frage: Ist das Modell Chelsea am Ende?

          Wie ein Rückfall in alte Verhaltensmuster

          Klubbesitzer Roman Abramowitsch, der nach den Ereignissen von 2008, nach der globalen Finanzkrise und der lokalen Elfmeterkrise, sein rubelreiches Füllhorn deutlich sparsamer einsetzte als in den fünf Jahren zuvor, hat in diesem Winter dann doch noch einmal heftig investiert, mit rund achtzig Millionen Pfund für Stürmer Fernando Torres und Verteidiger David Luiz. Es wirkte wie Torschlusspanik. Oder wie ein Rückfall in alte Verhaltensmuster.

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