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Eichlers Eurogoals : Benzin im Blut, Diesel im Hirn

Wayne Rooney: Mit Anfang zwanzig schon Autos im Wert von zwei Millionen Euro in der Garage Bild: AFP

Der Charakter einer Fußball-Mannschaft zeigt sich auf dem Spieler-Parkplatz. Faustregel: Je mehr Blech ein Spieler von sich gibt, desto glänzender das Chrom.

          4 Min.

          Fußballer tragen zur Verkehrssicherheit bei. Sie entdecken Gefahren, die es vorher noch gar nicht gab. Wie einst Charles Akonnor vom VfL Wolfsburg, der sich an seiner Auto-Antenne verletzte. Sie fuhr überraschend automatisch aus. Und erwischte ihn in der Nase.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Gerade Profi-Kicker taugen als eine Art Mental-Tüv. Als zweibeiniges Versuchs-Karnickel für die Abgründe menschlicher Verkehrstauglichkeit. Vielleicht deshalb, weil Erfolg im Fußball leider nur PS-Zahlen steigert, nicht IQ-Werte.

          Zum Beispiel Wayne Rooney. Zu Beginn der Karriere fuhr er noch Ford Ka. Mit Anfang zwanzig hatte er dann schon Autos im Wert von zwei Millionen Euro in der Garage. Einen davon, einen Range Rover Sport 8 mit 299 PS, tankte er voll und fuhr weiter – aber nicht sehr viel weiter. Rooney hatte Benzin getankt. Sein Motor hätte Diesel bevorzugt.

          Beim FC Chelsea, der Rooney seit Jahren umwirbt, bewegt man angeblich noch dickere Autos durch den Londoner Stau als in Manchester. 2008 rechnete ein Magazin aus, dass das durchschnittliche Auto eines Chelsea-Profis 132.500 Euro kostete und 307 Kilometer pro Stunde schnell war.

          Roberto Carlos: Bugatti Veyron als Motivationshilfe
          Roberto Carlos: Bugatti Veyron als Motivationshilfe : Bild: AP

          Dabei ist der Motivationseffekt von PS eher begrenzt. So versprach der Milliardär Suleyman Kerimow jedem einzelnen Profi von Anschi Machatschkala einen Bugatti Veyron, wie er ihn schon dem Altstar Roberto Carlos geschenkt hatte – falls das Team bis 2015 russischer Meister würde. Doch dazu wird es kaum kommen. Nach dem dritten Platz für Anschi in der vergangenen Saison verlor der Oligarch die Lust an seinem teuren Spielzeug. Die Stars verloren die Lust auch. Nun steht der Klub so trostlos am Tabellenende wie ein alter Lada in der russischen Steppe.

          „Wenn du den Charakter einer Mannschaft kennenlernen willst, schau auf den Parkplatz“, empfahl Corny Littmann, der frühere Präsident des FC St. Pauli. Er fand dort oft die Bestätigung für seine These: „Vielen Profifußballern in Deutschland fehlen Bodenhaftung und ein gesundes Verhältnis zum Geld“. Andererseits: Warum sollte die Bundesliga aus dem Auto-Wahn der Kicker nicht sogar Kapital schlagen? Es könnte zum Trumpf werden im Transfer-Kampf um die Superstars, zum Versprechen, mit dem man sie nach Deutschland lockt: Nur hier könnt ihr eure Kisten auch ausfahren.

          Vom Fahrraddieb zum Porscheparker

          Zlatan Ibrahimovic zum Beispiel wäre so ein Kandidat. Der Schwede hat ja zu Beginn seiner Zeit bei Paris St.Germain gleich mal Klarheit am Klub-Parkplatz geschaffen. Der frühere Fahrraddieb stellte das Auto seiner Tageslaune (wahlweise Porsche Cayenne Turbo, Porsche Carrera GT, Ferrari Enzo,  Ferrari 360 Spider, Audi S8 Quattro oder Maserati GranTurismo) einfach quer über die Trainerparkplätze – weil ihm der Spielerparkplatz zu weit weg von der Kabine war. Er machte auch gleich klar: „Wenn ich in der Kabine parken will, dann parke ich in der Kabine.“

          Zlatan Ibrahimovic: Früher Fahrraddieb, heute Porsche-Querparker
          Zlatan Ibrahimovic: Früher Fahrraddieb, heute Porsche-Querparker : Bild: AFP

          Ibrahimovic jedenfalls klingt nicht abgeneigt, seine Autos mal auf deutschen Autobahnen auszufahren. So fragte er Jürgen Klopp nach der Fifa-Gala vor zwei Wochen: „Wann holst du mich endlich nach Dortmund?“ Der verblüffte Opel-Fahrer Klopp reagierte schlagfertig: „Dafür müsste ich vorher meine ganze Mannschaft verkaufen“.

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