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Eichlers Eurogoals : Beim Kopfball den Kopf vergessen

„Volleyballer des Jahres”: Cristiano Ronaldo springt am höchsten Bild: AP

Neben den Torjägerkanonen und Fußballer-des-Jahres-Trophäen, die ihm schon sicher sind, hat sich Cristiano Ronaldo am Sonntag auch eine verdient, die unbedingt noch erfunden werden muss: für den dämlichsten Platzverweis des Jahres.

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          Auch der größte Star ist manchmal im falschen Film. Eckball für Manchester United, Cristiano Ronaldo springt - er reißt die Arme hoch und klatscht den Ball beidhändig nach vorn. Beinahe wie 2001 Oliver Kahn im falschen Strafraum, dem von Rostock. Was hat der schöne Cristiano sich da nur gedacht?

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          War es einen Tag, bevor man ihn als „Europas Fußballer des Jahres“ auszeichnen sollte, auch eine späte Bewerbung als „Volleyballer des Jahres“? War es, mit unschuldigem Augenaufschlag und himmelschreiender Verzweiflung über das schlimme Schicksal, das ihm der Schiedsrichter blutrot vor Augen hielt, schon ein Vorspielen für die „Bambi“-Juroren? Oder einfach nur: Vergesslichkeit?

          Warum er ihn nicht einfach köpfte?

          Die Erklärungen blieben nebulös. Trainer Alex Ferguson sagte nach dem 1:0-Sieg von Meister United im Manchester-Derby, Ronaldo habe „sein Gesicht vor dem Ball schützen“ wollen. City-Kollege Mark Hughes fragte, „warum er ihn dann nicht einfach köpfte“. Neben den Torjägerkanonen und Fußballer-des-Jahres-Trophäen, die ihm schon sicher sind, hat sich Ronaldo am Sonntag auch eine verdient, die unbedingt noch erfunden werden muss: für den dämlichsten Platzverweis des Jahres.

          Wollte er sein Gesicht schützen? Warum hat er dann nicht einfach geköpft?
          Wollte er sein Gesicht schützen? Warum hat er dann nicht einfach geköpft? : Bild: AP

          Vielleicht muss er sich bald freuen, wenn er überhaupt noch Auszeichnungen kriegt. Spätestens ab 2009 dürfte bei jenen Titeln, über die nicht Tore und Punkte, sondern Stimmen entscheiden, kein Weg mehr an Lionel Messi vorbeiführen. Der Argentinier, der etwas maliziös sagt, er „gönne Ronaldo jede Auszeichnung“, wirbelte Sevilla durcheinander und schoss zwei Tore beim 3:0-Sieg, mit dem Barcelona die Distanz zu Real Madrid verdoppelte.

          Casillas wie ein vermummter Demonstrant

          Der Meister erlitt im eiskalten Getafe eine peinliche 1:3-Niederlage, die Torwart Casillas, den Schal über den Mund gezogen, wie ein vermummter Demonstrant verfolgte. Die katalanische Sportpresse hielt den Madrilenen in Riesenlettern den neuen Abstand vor: „Barca+6“. Plus sechs ist überhaupt das Motto der Stunde - es ist der Vorsprung, den nun in Italien Inter hat, weil Milan in Palermo verlor; und der, den Hoffenheim am Freitag, 22.30 Uhr Münchner Ortszeit, haben könnte.

          Während Real-Trainer Bernd Schuster, einst als „blonder Engel“ der deutsche Parade-Export in Spaniens Liga, die Blamage wie schockgefroren auf der Bank erlebte, wirbelte ein neuer blonder Deutscher über das Feld - der von Gladbach zu Getafe gewechselte Eugen Polanski, der schon beim 1:1 in Barcelona eine Woche zuvor gefeiert worden war. Er ist derzeit der einzige Auslandsdeutsche mit nennenswerten Erfolgserlebnissen. Dietmar Hamann wurde bei Manchester City zur Pause ausgewechselt. Und Michael Ballack erlitt mit Chelsea eine rätselhafte Niederlage gegen das Problemteam der letzten Wochen, den FC Arsenal.

          Beim Einkaufsbummel die Stürmer vergessen?

          Fast eine Stunde lang dominierte Chelsea, dann schoss Robin van Persie zweimal aufs Tor, und es stand wie aus dem Nichts 1:2 (weil er beim Ausgleich abseits stand, verlangte Chelsea-Trainer Scolari später eine Entschuldigung des Schiedsrichters). Das war so ungewohnt - die ersten Gegentore der Saison, die Chelsea in der zweiten Halbzeit kassierte -, dass der Tabellenführer danach völlig planlos spielte. Allen voran Deco, den die Höchststrafe für einen Ballkünstler ereilte: Er wurde bei Rückstand gegen einen gewissen Miroslav Stoch ausgewechselt. Und der war nicht mal Stürmer, die fehlen Chelsea nämlich. Stoch für Deco, mehr hat Chelseas Kader als Ersatzlösung nicht zu bieten - seltsam für einen Klub, der pro Jahr an die hundert Millionen Pfund mehr ausgibt, als er einnimmt.

          Klar, man kann schon mal zerstreut sein - aber beim Einkaufsbummel die Stürmer zu vergessen? Das ist genauso überraschend wie beim Kopfball das Köpfen zu vergessen. Für den Gabentisch englischer Top-Klubs empfehlen wir Gedächtnistrainer.

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