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Eichlers Eurogoals : Der große Verlierer unter den deutschen Emigranten

Verliert 0:3 mit Manchester United: Nationalmannschafts-Kapitän Schweinsteiger Bild: AP

Trapp hält einen Elfmeter, Westermann wird zu „Westerbauer“ und Özil glänzt. Dazu trifft Gomez wieder doppelt und Klopp gilt als Trainer der Zukunft. Europas Fußball ist fest in deutscher Hand. Nur einer grämt sich.

          Zwei deutsche Verteidiger haben am Sonntag Unglaubliches hingekriegt: Sie wurden zu Wiedergeburten des großen Beckenbauer erklärt. Jerome Boateng schlug zwei so präzise 60-Meter-Pässe zu Toren von Thomas Müller und Robert Lewandowski beim 5:1 der Bayern gegen Dortmund, dass Müller ihn „Kaiser“ taufte.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Weit entfernt in Spanien passierte etwas von ähnlicher Länge, aber noch größerer Unglaublichkeit: ein 60-Meter-Spurt von Heiko Westermann! In Hamburg, wo der frühere Nationalspieler bis Juni spielte, wird man das für eine der üblichen Übertreibungen mediterraner Geschichtenerzähler halten. Doch bewegte Bilder belegen: Westermann nahm den Ball in der eigenen Hälfte auf, spielte ihn auf den rechten Flügel, rannte übers halbe Feld, bekam ihn zurück und traf. Das brachte Betis Sevilla auf den Weg zum 2:0-Sieg bei Rayo Vallecano, womit der Aufsteiger auf Platz acht kletterte. Die Sportzeitung „Marca“ fand in dieser Szene den Geist Beckenbauers wiederbelebt. Sie machte aus Westermann „Westerbauer".

          Nur zwei Möglichkeiten zu glänzen

          Sein letztes Liga-Tor hatte Kaiser Heiko übrigens vor anderthalb Jahren im Frühjahr 2014 für den HSV erzielt. Genauso wie Jerome „Franz“ Boateng seinen letzten Liga-Assist. Es scheint, als habe man derzeit als deutscher Kicker praktisch nur zwei Möglichkeiten zu glänzen. Entweder man spielt für den FC Bayern. Oder man emigriert.

          So wie Kevin Trapp. Der Torwart, im Sommer aus Frankfurt nach Frankreich gewechselt, rettete Meister Paris St-Germain mit einem gehaltenen Elfmeter den 2:1-Sieg gegen Olympique Marseille. PSG ist mit Trapp in elf Spielen in Liga und Champions League, sieben davon ohne Gegentor, noch ungeschlagen.

          Oder wie Sami Khedira. Der Weltmeister, von Real Madrid gekommen, zeigte in seinem ersten Ligaspiel in Italien, dass Juventus Turin an ihm noch Freude haben dürfte. Der Meister, schon drei Mal geschlagen, so oft wie in der ganzen Vorsaison, besiegte den Tabellenletzten FC Bologna 3:1. Khedira, nach überstandenem Muskelfaserriss, köpfte ein Tor und gab eine Torvorlage. Der "Corriere dello Sport" schrieb: „Khediras Rückkehr hat wieder Ausgewogenheit ins Mittelfeld gebracht“ – in dem Juve die Stützen Pirlo und Vidal verloren hat. „Was für ein Spieler, ein schönes Comeback", fand die „Gazzetta dello Sport".

          Auch Mario Gomez findet, im türkischen Herbst, den inneren Frühling. Nach mageren Jahren bei AC Florenz (das ohne ihn derzeit zum ersten Mal seit 1999 Tabellenführer der Serie A ist) zeigt er sich in Istanbul als der Torjäger, der er seit seinen Bayern-Tagen nur selten war. Mit zwei Toren beim 2:1-Sieg bei Eskisehirspor hat er Besiktas an die Spitze der SüperLig zurück geschossen. Es war Gomez‘ dritter Doppelpack in den letzten vier Spielen, womit er die Torschützenliste der Türkei anführt. Auch Andreas Beck, im Sommer aus Hoffenheim nach Istanbul gewechselt, spielt für den aktuellen Tabellenführer.

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