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DFB-Frauen : „Da wird kein Bus hinten geparkt“

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„Jetzt ist mehr Kampf und Defensivarbeit angesagt. Das tut mir ganz gut“ – Fußballprofi Dzsenifer Marozsan Bild: Imago

Die Spielgestalterin Dzsenifer Marozsan hat in Amerika noch einmal eine andere Seite des Fußballs kennengelernt – zum Wohl des deutschen Nationalteams.

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          Dzsenifer Marozsan muss seit einer Weile im Job ständig den Hals recken. Weil die Bälle oft über sie im zentralen Mittelfeld hinwegfliegen. Amerikanischer Profi-Frauenfußball halt: schneller, rigoroser, atemloser, athletischer, körperbetonter als auf dem Alten Kontinent. Aber „nicht schöner“, erzählt die 29-Jährige. Keine deutsche Nationalspielerin steht so sehr für das schöne, elegante Spiel wie Dzsenifer Marozsan, welche diesen Anspruch auch pflegt. Und so war es eine erhebliche Umstellung für die Technikerin nach Jahren in der deutschen Bundesliga und nunmehr fünf Jahren Anstellung beim französischen Topklub Olympique Lyon.

          In den Klubs und auch in der deutschen Nationalmannschaft ist es ein vertrautes Rezept, dass es oft heißt „Ball zu Dzseni“ oder „Dzseni suchen“. Auf dass die Ausnahmekönnerin in der Spielfeldmitte schon etwas Besonderes, aber zumindest Zielführendes mit dem Ball anstelle. „In Europa wurde nach meiner Spielart gespielt. Jetzt ist mehr Kampf und Defensivarbeit angesagt. Das tut mir ganz gut“, sagt Dzsenifer Marozsan. In diesem Jahr spielt sie für OL Reign in der amerikanischen Profiliga NWSL, an der Seite der Starspielerin Megan Rapinoe. Das Franchise aus Tacoma im Bundesstaat Washington ist der Lyoner Partnerklub, beide haben denselben Eigentümer. „Die ersten Spiele waren schwer für mich. Aber ich wollte auch deshalb dahin, um an mir zu arbeiten“, sagt sie.

          Fast ein dreiviertel Jahr hat Dzsenifer Marozsan nun in der DFB-Auswahl gefehlt – erst lag es an einem Corona-Ausbruch im Lyoner Team, dann an den Reisebeschränkungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. Bei den beiden Heimspielen zum Auftakt der Qualifikationsrunde für die Weltmeisterschaften 2023 war sie nun wieder an Bord. Beim 7:0-Erfolg gegen Bulgarien am Samstag war sie 90 Minuten, beim 5:1-Sieg gegen Serbien am Dienstag 75 Minuten im Nationaltrikot im Einsatz. Mit vielen Ballkontakten zwar, aber ohne den großen Glanz zu versprühen.

          Kein Mädchenfußball mehr

          Es war auch abermals eine große Umstellung. „In Amerika gibt es keine tief stehenden Mannschaften“, sagt die deutsche Nummer Zehn. „Da wird kein Bus hinten geparkt.“ Durch das große Leistungsgefälle zwischen den Topnationen und den schwächeren europäischen Nationalmannschaften ist aber genau das für die Deutschen oft gefragt: den Bus umdribbeln, den die unterlegenen Gegnerinnen im übertragenen Sinne vor das eigene Tor stellen. Gegen die Bulgarinnen ging dies leichter, gegen die Serbinnen nach einer schwachen ersten Halbzeit (0:1) erst mit Verzögerung und der vehementen Kabinen-Forderung von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, „keinen Mädchenfußball mehr zu spielen“, wie Lea Schüller berichtete.

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          Die Angreiferin des FC Bayern München zeigte sich mit allein vier Treffern (49., 54., 71., 77. Minute) besonders folgsam. Den Treffer zum 5:1-Endstand erzielte Melanie Leupolz. Die tristen Kulissen – in Chemnitz und Cottbus kamen jeweils nur rund 1600 Zuschauer – trübten das Bild etwas ein. Die Bundestrainerin machte aus ihrer Enttäuschung darüber kein Hehl. „Wir sind eine Nation, ein Fußball. Es geht auch um eine Symbolik nach draußen“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. So vermochten die ersten Pflichtspiele 2021/22 der Unternehmung keinen rechten Rückenwind zu geben. Zum Auftakt eines Spieljahres, das nach zuletzt zwei Turnieren (EM 2017, WM 2019) mit schwachem Abschneiden und der verpassten Olympia-Qualifikation in die für den deutschen Frauenfußball bedeutsame Europameisterschaft in England mündet.

          Dort wird es zweifellos auch auf Dzsenifer Marozsan ankommen, die sich als eine Topspielerin in der Lyoner Weltauswahl zur Crème de la Crème ihres Sports zugehörig fühlen darf. Das amerikanische Auslandssemester habe „mein Spiel verändert“, sagt sie. Wenn sie ihren gut gefüllten fußballerischen Besteckkasten anreichern konnte um mehr Widerstandskraft und Flexibilität, wenn sie gelehrt wird, aus weniger Ballkontakten mehr zu machen, ist dies auch eine gute Nachricht für die Bundestrainerin. Martina Voss-Tecklenburg jedenfalls hat den Schritt ihrer Spielgestalterin ausdrücklich begrüßt. Auch die körperliche Belastung sei in der NWSL deutlich höher. Durch die weiten Reisen und das Spielen in verschiedenen Zeit- und Klimazonen müssten die Akteurinnen „bei jedem Spiel ans Limit gehen“, so Dzsenifer Marozsan. Auch wenn sie vielen Flugbällen nur hinterherschaut.

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