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Dynamo Dresden : Zum Aufstieg verdammt

Von Sehnsucht getrieben: Dynamo-Fans beim Heimspiel gegen Hansa Rostock vergangenen Oktober Bild: picture alliance / dpa

Dynamo winken bessere Zeiten - wieder einmal. Dynamo steht vor dem wirtschaftlichen Ruin - wieder einmal. Die Sachsen müssen gegen Osnabrück in die zweite Liga aufsteigen, denn die Finanzlage ist finster.

          3 Min.

          Am Mittwoch konnte man innerhalb weniger Stunden die Faszination und die Depression erleben, die Dynamo Dresden seit seinem Niedergang vor über fünfzehn Jahren umgibt. Um zehn Uhr morgens öffneten die Kassen der Vorverkaufsstellen in der Stadt, im Stadion und im Internet für das erste Relegationsspiel an diesem Freitag gegen den VfL Osnabrück. Getrieben von der Sehnsucht nach alter Größe, setzte ein Ansturm ein, wie ihn Dynamo Dresden lange nicht erlebt hat. Innerhalb von wenigen Minuten gingen die letzten 8000 Eintrittskarten des achtmaligen DDR-Meisters und ehemaligen Bundesligaklubs weg. Das Stadion wird gegen Osnabrück mit knapp 30.000 Zuschauern ausverkauft sein, die Nachfrage war so groß, dass Dresden sein Stadion zweimal hätte füllen können. Wenige Stunden später trat jedoch Geschäftsführer Volker Oppitz vor die Presse und erklärte, dass Dynamo Dresden um die Lizenz für die dritte Liga bangt. Bis zum 1. Juni um 15.30 Uhr muss der Klub beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Bürgschaft von 2,045 Millionen Euro hinterlegen. Falls das nicht gelingt, könnte es mit dem Profifußball in Dresden vorbei sein, wieder einmal. „Wir stehen vor einer Herkulesaufgabe, denn wir haben nur noch zwei Wochen Zeit“, sagt der Geschäftsführer.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          In den beiden Relegationsspielen gegen Osnabrück winkt Dresden angesichts der wieder mal finsteren finanziellen Lage ein besonderer Lohn. Mit dem Aufstieg würde sich auch die wirtschaftliche Lage schlagartig verbessern. Nicht zuletzt wegen der erheblich höheren Fernseheinnahmen in der zweiten Liga sinkt die vom DFB geforderte Bürgschaft auf 830.000 Euro. Von Sponsoren und Partnern hat Dresden bisher Zusagen über rund 600.000 Euro, auf einem Treuhandkonto sind außerdem 57.000 Euro an Bürgschaften von Fans eingegangen. Es ist das Ergebnis der Aktion „500 für Dynamo“, bei der Anhänger des Traditionsvereins Bürgschaften bereitstellen. Unterstützer findet Dynamo Dresden, der trotz des Niedergangs noch immer klangvollste Name im Ost-Fußball, von Flensburg bis München. Selbst ein nach Australien ausgewanderter Fan stellt tausend Euro als Sicherheitsleistung zur Verfügung.

          Ohne die Hilfe der Stadt wäre es aussichtslos

          Aber all das hilft nichts, wenn Dresden in den Spielen an diesem Freitag im „Glücksgas-Stadion“, das im vergangenen Jahr noch nach dem Dresdner Leichtathleten Rudolf Harbig benannt war, und am kommenden Dienstag in Osnabrück die Versetzung in die zweite Klasse nicht schafft. Um die Lizenz doch noch zu erhalten, müsste mal wieder die Stadt einspringen. Das Bürgschaftsloch beträgt nach Angaben des Geschäftsführers rund eine Million Euro. Die städtischen Betriebe sind daran gewöhnt, für den Traditionsklub einzuspringen, sie stellen seit Jahren Bürgschaften. Im Jahr 2008 konnte Dynamo Dresden die Insolvenz nur durch ein städtisches Darlehen über 1,25 Millionen Euro abwenden. „Wir sind auf die Hilfe der Landeshauptstadt angewiesen“, sagt Oppitz, „sonst wäre es aussichtslos.“

          Kein Zurück: Ralf Loose muss mit Dynamo aufsteigen

          Außer bei den finanziellen Sorgen kann von Konstanz bei Dynamo Dresden nicht die Rede sein. Im vergangenen Sommer warf der Aufsichtsrat erst den Geschäftsführer raus und trat dann selbst zurück. Reiner Calmund, der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen, erklärte sich daraufhin bereit, den Verein ehrenamtlich zu unterstützen. Er wollte Hans-Jürgen Dörner, der hundert Auswahlspiele für die DDR bestritt und fünf Meisterschaften mit Dresden gewann, in eine führende Position bringen. Aber die Widerstände im Klub waren zu groß, Sportdirektor wurde nach etlichen Wirrungen im März Steffen Menze, der bis dahin nur als Trainer gearbeitet hatte, nie als Sportdirektor. Calmund zog sich nach zehn Monaten zurück, er beklagt Lagerbildung im Verein. Im April wurde Trainer Matthias Mauksch nach drei Niederlagen entlassen. Mauksch hatte im Oktober 2009 angefangen und aus dem Abstiegskandidaten einen Aufstiegsanwärter gemacht.

          Keine Niederlage unter Loose

          Sein Nachfolger Ralf Loose verlor kein Spiel mehr, im letzten Spiel schaffte er das Kunststück, die Mannschaft noch auf den Relegationsplatz zu führen. „Seit Jahren ist es im Verein sehr unruhig. Mal stimmt die sportliche Leistung nicht, dann geht es in der Führungsetage drunter und drüber“, sagt Dörner. „Ich hoffe, dass wir jetzt den Aufstieg schaffen und wieder ein bisschen Kontinuität hineinbekommen, um den Verein in ruhiges Fahrwasser zu bekommen.“

          Sportlich hat Dresden in dieser Saison auch wieder einen Vorzeigespieler. Alexander Esswein erzielte in 31 Spielen 17 Tore. Seine starken Auftritte bescherten dem 21 Jahre alten Stürmer in dieser Woche schon den ersten Aufstieg: Trainer Adrion berief ihn am Mittwoch erstmals in die U-21-Nationalmannschaft. Der weitere Aufstieg des Dresdners ist nicht zu verhindern, ganz gleich wie die Duelle gegen Osnabrück ausgehen. In der kommenden Saison spielt Esswein in der Bundesliga beim 1. FC Nürnberg.

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