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5:4 n.E. gegen Leipzig : Dresden erlebt einen sächsischen Festtag

Hin zum Siegtorschützen: Halb Dresden stürmt Aias Aosman entgegen Bild: Reuters

Ein Pokal-Fight vom Feinsten: Eine Woche vor Liga-Start scheitert RB Leipzig in der ersten Pokal-Runde im Elfmeterschießen an Dynamo Dresden. Dabei hatte es lange Zeit anders ausgesehen.

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          „Mehr geht nicht in Sachsen.“ Das waren die Worte von Reinhard Grindel, dem DFB-Präsidenten, nachdem Caroline Siems ein ganz besonderes Händchen bewiesen hatte. Mancher im Freistaat und auch anderswo war allerdings genau der entgegengesetzten Meinung: Dass es ausgerechnet diese Partie, die die U-17-Nationalspielerin von Turbine Potsdam aus dem Lostopf gefischt hatte, besser nicht hätte geben sollen.

          Christian Kamp
          (camp.), Sport

          Hier Dynamo Dresden, der, wie es in eigener Diktion heißt, „demokratische Traditionsverein“ mit der großen DDR-Historie, dort RasenBallsport Leipzig, die Schöpfung aus dem Hause eines globalen Getränkeimperiums. Dazwischen gerade einmal 110 Kilometer, gefühlt aber Welten.

          Schwankende Kräfteverhältnisse

          Am Samstag nun mussten sich die beiden sächsischen Fußballpole zwangsläufig nahekommen in der ersten Runde des DFB-Pokals – und es wurde eine Begegnung, in deren Verlauf die Kräfteverhältnisse heftig schwankten zwischen dem Bundesliga-Aufsteiger und dem Zweitliga-Rückkehrer, bis es am Ende ein Pokalfight vom Feinsten war, der nach einem 2:2 nach 90 und 120 Minuten erst im Elfmeterschießen entschieden wurde. Da scheiterte Dominik Kaiser mit dem vierten Leipziger Elfmeter an Torwart Marvin Schwäbe – und weil alle fünf Dresdner Schützen trafen, zuletzt Aias Aosman, wurde es ein Festtag in Gelb-Schwarz.

          Marcel Sabitzer (15. Minute) und Dominik Kaiser per Handelfmeter (45. +1) sorgten am Samstag zunächst für die vollauf verdiente Leipziger 2:0-Führung. Nach einer Viertelstunde, die sich das Team von Ralph Hasenhüttl zur Eingewöhnung genommen hatte, sah es selbstbewusst, variabel und bisweilen auch spielerisch wertvoll aus, was seine Spieler auf den Rasen brachten – genau die erwünschte Einstimmung auf den Bundesliga-Auftakt am kommenden Sonntag in Hoffenheim, und das ohne Lukas Klostermann und Davie Selke, die noch in olympischer Mission unterwegs waren.

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          Nach dem Anschlusstreffer durch Stefan Kutschke unmittelbar nach der Pause (47., Foulelfmeter) war es jedoch jäh vorbei mit der Leipziger Herrlichkeit, und Dynamo drängte mit Wucht und Leidenschaft auf den Ausgleich. Als wiederum Kutschke dann in der 78. Minute tatsächlich zum 2:2 für die Mannschaft von Uwe Neuhaus traf, herrschte zum ersten Mal an diesem Nachmittag emotionaler Ausnahmezustand beim Dresdner Publikum.

          Was die Atmosphäre insgesamt betraf, ging es wie erwartet nicht gutnachbarschaftlich zu zwischen den Anhängern beider Klubs. Die verbalen Anfeindungen waren unschön, blieben aber, wenn man nicht zu feinfühlig war, alles in allem im Rahmen. Leipziger Eckbälle vor dem Dresdner Block waren jedoch eine Angelegenheit, die von den Ordnern aus guten Gründen beschirmt wurden. Der Umgang der Verantwortlichen war besonnen gewesen. Spüren konnte man aber schon, dass hier der eine nicht wirklich mit dem anderen kann. So lehnte es Ralf Minge, der Dresdner Sportdirektor, ab, von einem „Derby“ zu sprechen – dazu, so die Dynamo-Legende, gehöre mehr als räumliche Nähe.

          Ralf Rangnick wiederum setzte eine kleine Spitze, indem er darauf verwies, dass diese Partie ja wohl nicht seiner Leipziger wegen als Hochsicherheitsspiel geführt werde – vor dem Stadion war die Polizei mit schwerem Gerät präsent. Rangnick mokierte sich auch ein wenig über die Fan-Charta der Dresdner, die Testspiele gegen RB genauso zu einem Tabu erklärt wie den Konsum der Leipziger Brause-Hausmarke.

          Das aus Dresdner Fan-Sicht geradezu verbotene Spiel entwickelte dann einen Spannungsbogen, wie man ihn sich nicht schöner hätte wünschen können. Das volle Programm sozusagen – mehr, da hatte Grindel Recht, geht wirklich nicht.

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