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Skandal im Fußball-Weltverband : Blatter und Co. verlieren die Kontrolle

Blatter am Wochenende bei der Auslosung der WM-Qualifikation in St. Petersburg mit Wladimir Putin (rechts)

Dazu gehört der Chef der Fifa-Rechtsabteilung, Marco Villiger. Die beiden anderen noch wichtigeren Ansprechpartner sind der Vorsitzende der Fifa-Ethikkommission, Cornel Borbély, ein ehemaliger Staatsanwalt aus dem Kanton Zürich für internationale Finanzdelikte, und der Chef der Fifa-Compliance, Domenico Scala, ein Wirtschaftsmanager aus der Schweiz. Nur diesen drei Personen wird von der amerikanischen Justiz Vertrauen entgegengebracht. Der gesamte Fifa-Vorstand ist derweil außen vor.

Bei der Sondersitzung des höchsten Fifa-Gremiums vergangene Woche hatte Jenny Durkan mit ihren Kollegen von Quinn Emanuel in drastischen Worten dargelegt, welche Konsequenzen Nichtkooperation und weiteres Fehlverhalten haben könnten. „Einige hatten danach blasse Gesichter“, sagte ein Vorstandsmitglied, das nicht genannt werden wollte. Alle Gremiumsmitglieder sind persönlich haftend. Kommt am Ende heraus, dass dem Weltverband aufgrund von Betrug, Bestechung oder auch nur fahrlässiger Unterlassung im Verhalten seiner Funktionäre Schaden entstanden ist, riskieren Vorstände straf- und zivilrechtliche Klagen.

Fifa könnte für Verschleppungstaktik teuer bezahlen

Der Druck auf die Fifa steigt. Quinn Emanuel durchleuchtet nach Informationen der F.A.Z. derzeit den gesamten Verbandsvorstand und vollzieht damit wiederum in Absprache mit der Justiz eine Integritätsprüfung. Parallel ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft seit vergangenem Winter rund um die umstrittenen WM-Vergaben an Russland und Qatar. Die Fifa-Zentrale steht so noch enger unter staatsanwaltlicher Kontrolle.

Druck übt jetzt offenbar auch die amerikanische Börsenaufsicht aus. Nachdem vergangene Woche der Vorstandschef des Fifa-Sponsors Visa, Charlie Scharf, die Reformbekenntnisse von Blatter und Co. als unzureichend bezeichnet hatte, sieht es danach aus, dass die in den Vereinigten Staaten beheimateten und mit der Fifa verbundenen Unternehmen (wie auch Coca-Cola und McDonald’s) durch die Behörden unter Zugzwang geraten. Hier gibt es einen höchst effektiven Hebel, den Sponsoren nämlich per Strafandrohung eine weitere Zusammenarbeit zu verbieten. Zugleich prüft angeblich die Finanzaufsicht von New York, ob Großbanken bei der Kontrolle der Geldflüsse zwischen den Konten von Verdächtigen in der Korruptionsaffäre ihre internen Regeln beachtet haben.

Domenico Scala

Bei dieser Drohkulisse ist es schon verwunderlich, dass der Fifa-Vorstand auch eine Woche nach seiner Sondersitzung noch keine Besetzung für seine vorgesehene Reformen-Task-Force vorgenommen hat. Dies wäre eigentlich dringend notwendig. Dafür waren viele der Topfunktionäre am Wochenende bei einer Fifa-Veranstaltung im nächsten WM-Land Russland und erwiesen Präsident Putin die Ehre. Das wird die Amerikaner sicher besonders gefreut haben. Compliance-Chef Scala, der den Funktionären eine lange Reformagenda vorgelegt hat, war nicht mitgereist und will offenbar auch nicht Vorsitzender der Task Force werden, weil er wohl wie andere der Reformbereitschaft der Funktionäre misstraut. So sind die Äußerungen von Scalas Sprecher zu deuten.

Es gibt deshalb nicht wenige Fachleute, die meinen, dass die Fifa für ihre Unfähigkeit zu grundlegenden Veränderungen und die Verschleppungstaktik noch teuer bezahlen wird. Die amerikanische Justiz soll schon zur Kenntnis genommen haben, dass die Fifa finanzielle Reserven von mehr als 1,5 Milliarden Dollar angehäuft hat.

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