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Dritte Liga : Verbrannte Fußball-Erde

  • -Aktualisiert am

Künftig werden die Offenbacher Fahnen bestenfalls in der Regionalliga geschwenkt Bild: dpa

In der dritten Liga kämpfen Klubs ums nackte Überleben. Viele wollten hoch hinaus, landeten aber in der Insolvenz. Der DFB hält die Sorgen für hausgemacht und preist sein „Premiumprodukt“.

          Thomas Kalt ist fein raus. So denken sie jetzt in Offenbach über ihn. Seiner Heimat, in der er über ein Jahrzehnt in leitenden Positionen für die Kickers tätig war - und in der er nun öffentlich hingerichtet werde, wie es Kalt, der mittlerweile Geschäftsführer von Rot-Weiß Erfurt ist, ausdrückt. Mit dem Traditionsverein aus Thüringen hat er die Drittliga-Lizenz für die kommende Fußballsaison bekommen. Es war ein harter Kampf, aber das Ergebnis zählt.

          Die Kickers aus Offenbach hingegen sind der Kostenfalle dritte Liga - so wird das eingleisige Unterhaus der zwei Bundesligen von vielen Vereinen eingeschätzt - nicht entkommen. Nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Anfang der Woche dem Pokalsieger von 1970 die Lizenz verweigert hatte, stellte die Profi-GmbH des OFC am Freitag einen Insolvenzantrag aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit. Als Friedhof des Profifußballs betrachtet mancher die dritte Liga. Mit dem OFC gibt es jetzt das nächste prominente Opfer. Seit Gründung der Liga im Jahr 2008 war der Klub dabei - wie Erfurt, Unterhaching, Wacker Burghausen und der VfB Stuttgart II.

          Geringe Fernsehgelder gefährden Existenz

          Im Juli 2012 hatte sich der Unternehmer Kalt als Geschäftsführer in Offenbach zurückgezogen. Lange war er der starke Mann. Deswegen machten ihn sein Nachfolger, David Fischer, und das neue Präsidium unter Führung von Frank Ruhl für den großen Schuldenberg verantwortlich, der auf 9,1 Millionen Euro beziffert wurde. Kalt hält diese Zahl für zu hoch. Außerdem ist er davon überzeugt, dass die Kickers die Lizenz hätten bekommen können. „Wir konnten die Unterlagen lesen“, sagt er und meint damit, dass der OFC an den Anforderungen bei der Lizenzierung gescheitert sei. Der Streit geht weiter.

          Verbrannte Fußball-Erde: In Deutschland gibt es einige Fußballvereine, denen es finanziell nicht besonders gut geht

          Als „Premiumprodukt“ wird die dritte Liga vom DFB gepriesen. Sie ging an den Start, damit die Klubs näher an die Geschäftsstandards der zweiten Liga herangeführt werden. Doch Aufwand und Ertrag stehen in die Existenz gefährdendem Verhältnis - das ist die Meinung vieler Vereine. Die Geschäftsführer und Manager beklagen, dass ein Jahr in der dritten Liga aufgrund der im Vergleich zur zweiten Liga geringen Fernsehgelder und der hohen Kosten für den Spielbetrieb ohne Verlust kaum zu stemmen sei.

          Dementsprechend gewachsen ist die Problemzone unterhalb von Liga zwei. Brennpunkt Osnabrück zum Beispiel: Der VfL erhielt nur nach großer Kraftanstrengung die Lizenz. Zwei Millionen Euro betrug das Minus offenbar nach der abgelaufenen Saison. Insgesamt wird der Schuldenstand sogar auf etwa zehn Millionen Euro geschätzt. Auch Hansa Rostock kämpft um das wirtschaftliche Überleben. Den drastischen Sparmaßnahmen an der Ostsee fällt nun die Marketingabteilung zum Opfer, sie wird aufgelöst. Die Aufgabe übernimmt stattdessen eine Agentur.

          „Patient auf der Intensivstation“

          Die tief gefallene Alemannia aus Aachen, die mit finanziellen Horrorzahlen die Öffentlichkeit alarmierte, versucht ihr Glück jetzt in der Regionalliga. Am 1. Juni ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Drittliga-Absteiger Babelsberg sorgt sich auch um seine Finanzen. Kickers Emden, TuS Koblenz und RW Ahlen - diese Klubs hatten schon in den vergangenen Jahren den Rückzug antreten müssen. Rot-Weiss Essen hatte sich zwar nicht für die dritte Liga qualifiziert, aber 2010 war der Traditionsverein ebenfalls gezwungen, Insolvenz anzumelden.

          Hat die Seiten gewechselt: Thomas Kalt, damals Vizepräsident von Kickers Offenbach

          Mit dem MSV Duisburg aus der zweiten Liga, dem die Lizenz bisher verweigert wird, sowie den Regionalligaklubs Wuppertal und Oberneuland, die beide zahlungsunfähig sind, schrillen auch in anderen Spielklassen die Alarmglocken. Wacker Burghausen hat sich ein massives Sparprogramm auferlegt und darf immerhin weiter in der dritten Liga spielen. Doch Wolfgang Gräf, der Geschäftsführer des Ligarivalen SV Wehen Wiesbaden, sagt: „Die Thematik wird sich weiter zuspitzen. Dafür braucht man kein Prophet zu sein.“

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