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Borussia Dortmund : Aubameyangs Limit ist noch lange nicht erreicht

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Allen Grund zum Strahlen: In jedem der ersten sieben Spiele ist Dortmunds Aubameyang mindestens ein Treffer gelungen. Bild: AFP

Aubameyang wird bei Dortmund von Saison zu Saison besser. Dabei ist seine Leistungsgrenze noch lange nicht in Sicht.

          Als Pierre-Emerick Aubameyang zu Borussia Dortmund kam, annoncierte Sportdirektor Michael Zorc die Zusammenarbeit als „langfristiges Projekt“, angelegt auf zunächst vier Jahre. Angesichts der ersten Berufsjahre des Stürmers erschien dieser zeitliche Horizont durchaus ambitioniert. Bis dahin hatte Aubameyang in fünf Jahren bei vier verschiedenen französischen Klubs gearbeitet. Der Anfang seiner Karriere deutete also nicht unbedingt darauf hin, dass hier ein Profi heranreift, der schnell Wurzeln schlägt. Aber schon zwei Jahre vor Ablauf des ursprünglichen Vertrags verkündete Zorc voller Freude, das „Projekt“ bis 2020 verlängert zu haben.

          Nach einer gewissen Anlaufzeit hatte Aubameyang sein Talent, sein Tempo, seinen Torhunger dazu genutzt, sich unentbehrlich zu machen. Er wusste sich von Saison zu Saison zu steigern und verbesserte seine Effizienz zuletzt auf Rekordniveau. Mit neun Treffern aus sieben Meisterschaftsspielen liegt er in der Schützenliste zwar knapp hinter Robert Lewandowski vom FC Bayern, aber Aubameyang hat vor dem Aufeinandertreffen beider im Bundesliga-Topspiel am Sonntag (17.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Liveticker auf FAZ.NET) eine Marke gesetzt, die in zweiundfünfzig Jahren Bundesliga niemand erreichte: In jedem der ersten sieben Spiele ist ihm mindestens ein Treffer gelungen.

          Wie sein Münchner Pendant hat Aubameyang einen Lauf. Die Trefferserie hängt sicher mit seiner Klasse, seiner Schnelligkeit und seinem Ehrgeiz zusammen, hat aber noch andere Ursachen. Zum einen profitiert Aubameyang von Pass- und Ideengebern wie Ilkay Gündogan, Shinji Kagawa oder Henrich Mchitarjan, die in der vergangenen Saison nicht viel zu leisten vermochten, weil sie entweder verletzt fehlten oder nicht in Form waren. Mittlerweile steckt im Offensivspiel des BVB wieder mehr Kraft, mehr Kunst, mehr taktisches Vermögen; das kommt besonders dem Mann zugute, der im Dortmunder Angriff am Ende der Verwertungskette steht.

          Zwei Spaßvögel: Aubameyang (links) und Marco Reus verstehen sich auf und neben dem Platz.

          Daneben dienen weiche Faktoren als Treibstoff für den Vorwärtsdrang des Turbo-Stürmers. Anders als die Kurzgeschichten zu Beginn seiner Laufbahn besitzt das Dortmunder Kapitel für Aubameyang offenbar auch emotional eine gewisse Tiefe. „Der BVB ist für mich zur zweiten Heimat geworden“, sagt der Sechsundzwanzigjährige. „Ich bin mit ganzem Herzen hier und wollte nie weg.“

          Statt sich von englischen Klubs in Wechselstimmung versetzen zu lassen, tat Aubameyang es seinem Kumpel Marco Reus gleich, der sich zuvor auch langfristig an den BVB gebunden hatte. Reus ist ihm nicht nur am Ball ein kongenialer Partner, sondern auch beim Jubeln, etwa wenn beide auf dem Rasen als „Batman und Robin“ einen Treffer feiern wie beim Revierderby gegen Schalke. Solche Maskeraden gehören für den extrovertierten Stürmer zum Spiel, zur Show; ebenso wie sein aufwendiger Style oder die Salti, die als Zugabe zu sehen sind, wenn er sich nach einem Torerfolg vor Freude überschlägt. „So bin ich eben“, sagt Aubameyang nonchalant.

          Geht ein sonniges Gemüt wie er das ach so ernste Fußballgeschäft gewissenhaft genug an? Noch dazu als Spieler, der schnelle Sportwagen, schrille Outfits und extravagante Frisuren liebt? Mancher mag die Seriosität dieses Paradiesvogels angezweifelt haben, doch Aubameyang hat die Vorurteile widerlegt - nicht erst mit seiner torreichen Eröffnungsbilanz in dieser Saison. Sogar im vermaledeiten vorigen Spieljahr hat er es als einer der wenigen Borussen geschafft, die Dortmunder Depression an sich abprallen zu lassen. Unter schwierigen Umständen brachte es der geschmeidige Angreifer auf sechzehn Tore und sieben Vorlagen.

          Der Salto hat nach Aubameyangs Toren inzwischen Tradition.

          Aubameyang zeigte sich geradezu immun gegen die vielfältigen Erreger der BVB-Krise, die sogar zu deren Symptomen vorübergehend der Aufenthalt in der Abstiegszone gehörte. Mehr noch: Er wurde zu einem Krisengewinner. Klassische Mittelstürmer wie Ciro Immobile und Adrian Ramos, extra für diese Position verpflichtet, hatten erfolglos versucht, die Leere mit sportlichem Inhalt zu füllen, die sich nach Lewandowskis Weggang aufgetan hatte. Da zog der Außenstürmer Aubameyang buchstäblich nach innen und erfüllte scheinbar leicht den Anspruch, den er allen Äußerlichkeiten zum Trotz an sich selbst stellt. „Für mich ist und bleibt es das Wichtigste, als Fußballspieler in Erscheinung zu treten.“

          Inzwischen gehört Aubameyang, nicht nur äußerlich, zu den auffälligsten Erscheinungen der Liga. Und das Maß seiner Möglichkeiten scheint nicht ausgeschöpft. Fachleute wie Michael Zorc, die ihm täglich bei der Arbeit zuschauen, sehen noch Spielraum. Wo genau Aubameyangs Leistungsgrenze liegt, könne niemand wissen, sagt der Sportdirektor. Vermutlich weiß es nicht einmal der Stürmer selbst. Aber das langfristig angelegte Projekt bietet ja noch genug Zeit, herauszufinden, wo Aubameyangs Spiel ohne Grenzen am Ende hinführt.

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