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Kommentar zum DFB-Pokal : Borussia Dortmund weckt Hoffnungen

Dortmunder Muskelspiele: Jürgen Klopp hat es den Bayern noch einmal gezeigt Bild: dpa

Für Jürgen Klopp ist der Sprung ins DFB-Pokalfinale der wunderbare Abschluss seiner Zeit bei Borussia Dortmund. Das Spiel hat aber auch Signalwirkung. Der Sieg in München trägt dazu bei, dass die Rivalität weiterlebt.

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          Die Blumen, die ihm der FC Bayern überreichen wollte, hatte sich Jürgen  Klopp vorab geschenkt. Das größte Geschenk machten sich die Dortmunder und  ihrem Trainer lieber selbst. Sie nutzten nach 75 Minuten ihre erste Chance in München und drehten damit ein Pokal-Halbfinale, dass sie ganz glanz- und  kampflos zu verlieren drohten. Die Bayern waren lange viel besser, sie schienen als hochverdiente Sieger vom Platz zu gehen. Aber dann kehrte mit dem Treffer Aubameyangs die alte Rivalität, Faszination und Spannung dieses Duells wieder  zurück.

          Die zweite Halbzeit der Verlängerung überstanden sie in Unterzahl und siegten dann nach zwei Ausrutschern von Lahm und Alonso sowie  Fehlschüssen Götzes und Neuers triumphal im Elfmeterschießen. Das war der Einzug ins Pokalfinale - und ganz nach Klopps Geschmack. Eines hätte man an diesem Abend, der zunächst alle Dortmunder Erwartungen zu enttäuschen schien, aber dann doch die alten, packenden Zeiten wieder aufleben ließ, ohnehin nicht vergessen dürfen: Ohne Klopp hätte es den deutschen Clásico, zu dem das Duell zwischen Bayern und Dortmund in den vergangenen Jahren geadelt wurde, ohnehin nicht gegeben.

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          Und auch wenn der  Borussen-Trainer in seinem letzten Duell nochmals die alten Gefühle reaktivierte, wird diese Auseinandersetzung mit dem ganz besonderen Flair die  deutschen Fans auch in der Zeit nach Klopp in ihren Bann ziehen. Auch das ist eine Langzeitwirkung seines siebenjährigen Wirkens beim BVB: Ein Duell, dass die Emotionen, die Leidenschaft und die Phantasie auch künftig weit mehr beflügeln wird, als es Spiele des FC Bayern gegen Wolfsburg oder Leverkusen vermögen.

          Klopp trieb die Bayern voran

          Die verschmähten Blumen wären ohnehin das einzige Geschenk gewesen, das die Bayern dem Dortmunder Trainer je gemacht hätten. Umgekehrt darf man behaupten, dass der FC Bayern nicht so gut geworden wären ohne ihn. Klopp war über die  Jahre eben nicht nur der große Antreiber der Borussia, sondern des gesamten deutschen Fußballs. Dass Lewandowski, der am Ende schwer angeschlagen über den  Platz taumelte, den Treffer zum 1:0 für die Bayern erzielte, ist nur der letzte  Beleg dieses einseitigen Leistungstransfers zwischen dem BVB und dem FCB.

          In München war im Halbfinale aber auch lange deutlich zu erkennen, wie ein  Dortmunder Team, das von Beginn an auf Krawall gebürstet sein wollte, um seine  spektakulär missratene Saison mit einem Prestigeerfolg eine späte Wende zu geben, zunächst klein bei geben musste - und das gegen eine personell arg dezimierte, aber dennoch bis zum Ausgleich ständig dominierende Münchner Ausnahmemannschaft. Aus dem Spielverlauf ließ sich jedenfalls kaum erklären, wie ein BVB-Team, dem die Kraft und Klasse abhanden gekommen war, die  vermeintlich beste Mannschaft der Welt dann doch an den Rand einer Niederlage in der regulären Spielzeit führte. Bis zum 1:1 war der BVB vollkommen unterlegen - nach dem Ausgleich war dann die Borussia dem Sieg gegen  erschrockene und erlahmende Bayern ganz nahe.

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          Es war für Fußballfans außerhalb Münchens jedenfalls tröstlich, dass die bayerischen Scheinriesen dieses Abends,  die mit ihren  Gedanken schon beim Halbfinale gegen den FC Barcelona schienen, sich auch gegen deutschen Gegner im eigenen Stadion noch fürchten müssen. Das  könnte für die Bundesliga ein Hoffnungsschimmer sein.

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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