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Doppelpack gegen Argentinien : Das Phänomen Miroslav Klose

Er fliegt wieder: Beim 4:0 gegen Argentinien traf der Stürmer gleich doppelt Bild: AP

Miroslav Klose zieht in der WM-Torschützenliste mit Gerd Müller gleich - und bleibt bescheiden. Der Münchner riskiert nach dem 4:0 gegen Argentinien seit langer Zeit wieder seinen Salto. Unspektakulär fällt sein Schlusswort aus.

          Ganz der Zurückhaltende – so kennt man Miroslav Klose. Auch nach seiner Tor-Show vom Samstag gegen Argentinien stellte sich der Stürmer ganz in den Dienst der Mannschaft. Zumindest wollte der Angreifer seine beiden Treffer und die damit möglichen Ehren bei dieser Weltmeisterschaft nicht überbewerten. „Wichtig ist das Team. Das steht immer an Nummer eins“, sagte Klose. „Wenn ich es mit aussuchen könnte, dann würde ich lieber Weltmeister werden, als da vorne jemanden zu überholen.“

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit „da vorne“ meinte der deutsche Nationalstürmer die ewige Rangliste bei Fußball-Weltmeisterschaften, auf der er nun mit seinen insgesamt 14 Toren mit Gerd Müller gleichgezogen ist. Die Legende Pele (zwölf Treffer) und den Franzose Just Fontaine (13) hat er schon hinter sich gelassen. Nur der Brasilianer Ronaldo steht noch mit einem Treffer mehr vor dem in Polen geborenen Pfälzer mit derzeitiger Wahlheimat München. Mit jeweils fünf Toren war Miroslav Klose schon bei den Weltmeisterschafts-Turnieren 2002 und 2006 die beste deutsche Offensivkraft.

          Und nicht nur das: In seinem 100. Länderspiel für Deutschland gelang ihm am Samstag gegen Argentinien der 52. Treffer. Klose – das Phänomen. Niemand – und nicht mal er selbst – hätte sich diesen persönlichen Erfolg vor dem WM-Turnier vorstellen können. „Wenn ich ehrlich bin, an so etwas habe ich nicht geglaubt“, gab er am Samstag zu.

          Doppelpack: Klose war abermals zur Stelle

          Klose als Münchner Bankdrücker

          Geglaubt hat er aber an ein leistungsgerechtes Comeback in der Mannschaft, nachdem er zusammen mit dem Bundestrainer einen WM-Plan aufgestellt hatte. Der sollte ihn zurückbringen auf das alte Niveau, unabhängig von den vielen Kritikern, die den 32 Jahre alten Angreifer schon abgeschrieben hatten als Torjäger. Bei seinem Arbeitgeber in der Bundesliga, dem FC Bayern München, war die Saison nämlich für ihn unzufriedenstellend gelaufen.

          Trainer van Gaal gab anderen Spielern den Vorzug und setzte Klose meist auf die Ersatzbank. Mit Joachim Löw als ersten Förderer im Rücken entwickelte der Stürmer sein altes Gefühl für Spitzenleistungen vor dem Tor. Es zeigte sich wieder seine Stärke, seinen Körper punktgenau auf ein hohes sportliches Ziel einstellen zu können. Schon das wuchtige Kopfballtor im ersten WM-Spiel gegen Australien zeigte, dass mit Klose wieder zu rechnen ist. „Ich habe immer gewusst, dass der Miro bei solchen Turnieren immer präsent ist und der Mannschaft entscheidend helfen kann“, sagte Bundestrainer Löw.

          Der zweite große Auftritt kurz vor dem Abpfiff

          Im Spiel gegen die Argentinier erhielt der beste deutsche Stürmer erst die Hilfe von Podolski, der den Ball in der 68. Minute von der linken Seite vors Tor spielte, wo Klose nur noch als Abstauber vor dem leeren argentinischen Tor vollenden musste. Kurz vor dem Abpfiff kam dann noch der zweite große Auftritt. Klose traf nach einer Flanke von Özil und riskierte danach erstmals seit langer Zeit wieder seinen berühmten Salto. Gewohnt unspektakulär hingegen fiel sein Schlusswort aus: „Gerd Müller hat seine Tore bei zwei Turnieren erzielt, ich mache hier schon meine dritte WM. Aber ich hätte nichts dagegen, hier noch den einen oder anderen Treffer zu erzielen.“

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