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Doppel-Interview : Der klare Plan vom Spiel

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Mittlerweile das Gesicht von Mainz 05: Trainer Jürgen Klopp
          6 Min.

          Jürgen Klopp, 38 Jahre alt, hat den FSV Mainz 05 als Trainer in die Fußball-Bundesliga geführt. Klopp, seit 2001 im Amt, gilt als Vater des Mainzer Aufschwungs. Als Großvater gewissermaßen, als erster Wegweiser in eine aufregende Zukunft, darf einer seiner Vorgänger gelten: Wolfgang Frank, 55 Jahre alt, war gleich zweimal Trainer in Mainz: von 1995 bis 1997 und von 1998 bis 2000. Klopp war Franks Spieler, und als er 2001 mitten im Abstiegskampf der zweiten Liga die Verantwortung als Trainer übernahm, hat er sich an den Taktik- und Motivationsstrategien seines Vorgängers orientiert, um die es unter anderem im ersten Teil dieses Interviews geht. Während Klopp zu einem Trainerstar reifte, hatte Frank in den vergangenen Jahren neben privaten auch berufliche Schwierigkeiten, erst in diesem Jahr hat er als Trainer wieder eindrucksvoll Fuß gefaßt: Wie damals bei seinem ersten Auftritt in Mainz, rettete er jetzt mit einer spektakulären Aufholjagd die Offenbacher Kickers vor dem Abstieg aus der zweiten Liga.

          Herr Klopp, können Sie sich noch an die erste Begegnung mit Wolfgang Frank erinnern?

          Klopp: Klar, das war im Hinterzimmer vom "Haasekessel", unserer Vereinskneipe. Ich sehe noch den Pulli, den er anhatte. Ich hatte damals keine Ahnung, wer er ist. Aber ich hatte von Anfang an einen richtig guten Eindruck von ihm, seine erste Ansprache war sehr beeindruckend.

          Vorgänger und Vorbild von Klopp: Fußball-Trainer Wolfgang Frank
          Vorgänger und Vorbild von Klopp: Fußball-Trainer Wolfgang Frank : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Frank: Aber wir haben erst einmal verloren. 1:6 gegen Jena.

          Klopp: Da haben wir noch mit Libero gespielt und zwei Manndeckern. Dann kam irgendwann das Spiel gegen Saarbrücken, mit Viererkette, und da stand es zur Halbzeit 6:0 - für uns. Seit diesem Tag waren wir Viererketten-Jünger.

          Frank: Die Saarbrücker wußten damals wirklich nicht, wo sie hinlaufen sollten. Und ich war sehr überrascht, daß alles so gut funktioniert hat.

          Klopp: Wir waren mit dem Bus angereist, und da hatte der Trainer unterwegs angedeutet: Heute spielen wir mit Viererkette. Nach dem Sieg gegen Saarbrücken haben wir dann, glaube ich, 47 Spiele lang in der gleichen Aufstellung gespielt.

          Frank: Ja, gute Dinge ändert man nicht. Und wir haben dann ja auch nicht mehr oft verloren.

          Klopp: Ja, es war unglaublich: Es gab Spiele, da hatte Kuhnert bei uns im Tor vielleicht zweimal den Ball in der Hand. Bei uns waren in der Viererkette drei von vier Mann fußballerisch limitiert, aber die Zweikämpfe, die haben wir gewonnen. Frank hat uns die Laufwege eingehämmert. Für mich war das eine Offenbarung. Es war über Nacht ein völlig anderer Ansatz da: Wir wußten jetzt, daß wir Spiele gewinnen konnten, unabhängig von der Qualität des Gegners. Wir konnten mit unserem System Spiele gewinnen gegen Mannschaften, die besser waren als wir. Franks große Stärke war der klare Plan vom Spiel.

          Herr Frank, wie haben Sie Jürgen Klopp als Spieler beurteilt?

          Klopp: Jetzt bin ich gespannt.

          Frank: Er war großgewachsen . . .

          Klopp: War das schon alles?

          Frank: Es hat damals einfach gepaßt.

          Was wäre passiert, wenn damals die Viererkette gegen Saarbrücken nicht funktioniert hätte? Wäre das ihr Ende gewesen?

          Klopp: Nein, mit der Sturheit, mit der Wolfgang das durchgezogen hat, wäre es weitergegangen.

          Frank: Weiß ich nicht, ich habe ähnliche Dinge gemacht in Duisburg, da hat es nicht funktioniert. Das war mit drei Monaten das kürzeste Engagement meiner Laufbahn.

          Klopp: Bei uns hat sich damals vieles entwickelt, auch mentale Dinge, es ging alles nach und nach. Wenn du woanders auf diesem Niveau einsteigen willst, dann kannst du die Leute überfordern.

          Wie war es, als Frank 1998 zum zweiten Mal Trainer in Mainz wurde?

          Frank: Jürgen sagte zu mir, das war herrlich: Meine Tasche ist gepackt, wir fahren mit dir ins Trainingslager, solange du willst.

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