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Doping im Fußball : „Vermehrte Kontrollen können nur guttun“

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Enge Zusammenarbeit: Internist Tim Meyer und Bundestrainer Joachim Löw Bild: picture-alliance/ dpa

Tim Meyer gehört als Internist seit 2001 zur leistungsphysiologischen Abteilung des DFB für die Nationalmannschaft. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über Doping im Fußball, Misstrauen gegenüber Sportmedizinern und Wundermittel.

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          Tim Meyer trat im Februar eine Professur für Sportmedizin an der Universität in Paderborn an. Er gehört als Internist seit 2001 zur leistungsphysiologischen Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes für die Nationalmannschaft. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Meyer über Doping im Fußball, Misstrauen gegenüber Sportmedizinern und Wundermittel.

          Bis zuletzt hieß im deutschen Fußball der Grundsatz: „Doping im Fußball bringt nichts.“ Heute dagegen lautet die ehrliche Standardfrage endlich: „Was bringt Doping im Fußball?“

          Doping fördert einzelne Komponenten der Leistungsfähigkeit, die auch im Fußball wichtig sind. Es ist unsinnig, das abzustreiten. Auch im Fußball gibt es Ausdauer- und Krafttraining – warum sollten da Medikamente, die diese Komponenten stärken, nicht effektiv sein? Dass sie nicht ganz so effektiv sind wie bei einer Sportart, die allein davon bestimmt wird, liegt auf der Hand.

          Was wird denn im Fußball derzeit am meisten an Doping-Mitteln nachgefragt?

          Ich weiß nur aus der Zeitung von den Dingen, die in der Vergangenheit bekanntgeworden sind. Aktuell habe ich von Doping-Praktiken keine Kenntnis. Ich kenne nur einzelne Spieler und Mediziner und habe, für diese Personen gesprochen, keinen Verdacht. Dennoch kann ich durchaus verstehen, dass man skeptisch ist, weil die Anreize ja vorhanden sind. Es ist nicht auszuschließen, dass in Einzelfällen gedopt wird. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass es eine relevante Rolle spielt.

          Wie kommen Sie darauf?

          Ich habe für die Aussage keine gerichtsfesten Beweise, aber über die vergangenen fast zehn Jahre habe ich beispielsweise mehrere tausend Blutwerte von Fußballspielern gesehen. Die Blutwerte wurden nicht zu Testzwecken genommen, sondern als Gesundheitscheck. Diese Werte waren äußerst unauffällig – auch im Vergleich zu aus anderen Sportarten kolportierten Messungen.

          Spüren Sie nach dem Skandal um die Freiburger Ärzte, die aktiv am Doping im Radsport mitgewirkt haben, einen Generalverdacht gegen Sportmediziner in herausgehobener Position im deutschen Sport?

          Ich kann verstehen, dass Misstrauen aufkommt. Das rechtfertigt aber keinen Generalverdacht. Andreas Schmid kannte ich von Kongressen und gelegentlichen Begegnungen relativ gut. Er hat ja auch den SC Freiburg betreut. Ich habe zwar nicht ganz genau gewusst, wie stark er im Radsport involviert war, aber ich habe ihn als integren Arzt und angenehmen Menschen empfunden. Deshalb verstehe ich einen Teil der Skepsis, die der Sportmedizin derzeit entgegengebracht wird.

          Hätte es nicht vertrauensbildend gewirkt, wenn die deutschen Sportmediziner sich viel deutlicher und schärfer gegen die betroffenen Ärzte gestellt hätten? Trainer Peter Neururer wurde nach dessen Doping-Vorwürfen aus der Vergangenheit stärker kritisiert.

          Aus meiner Sicht hätte sich die deutsche Sportmedizin vor allen Dingen schneller zu Wort melden können. Mittlerweile hat es jedoch eine Aufarbeitung des Themas beispielsweise auf dem deutschen Sportärztekongress in Köln gegeben. Auch die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin hat sich der Problematik angenommen, und in Beratung des Deutschen Olympischen Sportbundes helfen Vertreter der Sportmedizin aktiv im Anti-Doping-Kampf. Es ist aus meiner Sicht richtig gewesen, sich gegen die Unterstellungen von Neururer in ihrer Pauschalität zu verwahren und zu fragen, warum er sich nicht früher zu Wort gemeldet hat.

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