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Doping im Fußball : Die Unschuldslämmer sind längst entlarvt

  • -Aktualisiert am

Mit Doping zur Höchstleistung: Diego Maradona Bild: picture-alliance/ dpa

Peter Neururers jüngste Doping-Vorwürfe waren alt. Während der Trainer nun rasch den Rückzug versucht, sind auf anderen Ebenen immer die gleichen Muster zu erkennen: Funktionäre und Ärzte spielen das Thema Doping herunter.

          Peter Neururer ist nicht die Traumbesetzung für die Rolle des perfekten Kronzeugen. Zunächst wurde der Trainer damit zitiert, dass er bei Schalke 04 Doping mit Captagon in der Saison 1989/90 mitbekommen habe (Siehe auch: Neururer: „Doping war im Fußball gang und gäbe“). Zwei Tage später sagte Neururer, er sei entweder falsch zitiert worden oder es habe eine unglückliche Vermischung seiner Aussagen stattgefunden. Während seiner Zeit auf Schalke sei die Sache mit Captagon längst abgeschlossen gewesen. Seine Aussagen bezögen sich auf die Jahre 1986 bis 1988 bei Rot-Weiss Essen und Alemannia Aachen. An seiner grundsätzlichen Behauptung aber, dass bis zu fünfzig Prozent der Spieler in den achtziger Jahren „verrückt nach Captagon“ gewesen seien, hält Neururer fest.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ganz neu sind die Einlassungen, die zumindest tendenziell von Trainern und Spielern in diesen Tagen bestätigt wurden, nicht. Aber auch das Muster, wie der deutsche Profifußball auf die Dopingvorwürfe reagiert, hat sich in zwei Jahrzehnten kaum verändert. Eine auf drei Säulen basierende Strategien, ist dabei noch immer zu beobachten. Erstens: ausgrenzen. Zweitens: leugnen der grundsätzlichen Problematik. Drittens: einräumen, was ohnehin nicht mehr zu bestreiten ist.

          „Derzeit nimmt die gesamte Sportmedizin Schaden“

          An die Spitze der Ausgrenzungspolitik hat sich der deutsche Olympia-Chefarzt Wilfried Kindermann gesetzt. Der frühere Chefarzt der Fußball-Nationalmannschaft und Mitglied der Anti-Doping-Komission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fordert nach Neururers Vorwürfen Konsequenzen - wohlgemerkt gegen den Trainer. „Wenn er mitbekommen hat, dass Spieler Captagon nahmen, hat er sich schuldig gemacht. Er hätte dies melden müssen. Und es wäre ein Hammer, wenn es stimmen sollte, dass Ende der achtziger Jahre fünfzig Prozent der Spieler dieses Mittel genommen hätten. Das muss er beweisen. Sonst sehe ich Probleme für Peter Neururers Zukunft als Trainer“, sagte Kindermann. Er forderte den DFB auf, gegen den Trainer vorzugehen.

          Doch nicht der perfekte Kronzeuge: Peter Neururer

          In der Diskussion um die wegen des Skandals im Radsport suspendierten Freiburger Sportärzte waren solche deutlichen Worte von einem der renommiertesten Vertreter der deutschen Sportmedizin nicht zu hören. „Ich bin überzeugt, dass es in Freiburg etliche Ärzte gibt, die absolut sauber arbeiten. Derzeit nimmt die gesamte Sportmedizin Schaden“, sagte Kindermann. Er bemängelte vor allem das entstehende „Loch“ in der medizinischen Betreuung der Sportler. „Sehr viele Verbände und Athleten wurden von Freiburg aus medizinisch versorgt. Vor allem im Radsport, der dort traditionell betreut worden ist, kann diese Lücke nicht so schnell geschlossen werden“, sagte er.

          „In dem Fall habe ich nichts Verbotenes getan“

          In seiner Zeit als Leitender Arzt im Deutschen Leichtathletik-Verband hatte sich Kindermann 1995 bei den Weltmeisterschaften in Göteborg bei der Infundierung des Blutplasma-Expanders HES (eines Notfall-Medikaments für Schock-Patienten mit blutverdünnender Wirkung, mithin zur Verschleierung von Epo geeignet) an Stephane Franke selbst in der Grauzone des Dopings bewegt.

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