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Diego Maradona : „Meine Zeit ist abgelaufen“

  • -Aktualisiert am

Aus und vorbei? Maradona hat offenbar genug Bild: AP

Diego Armando Maradona will offenbar nicht mehr argentinischer Nationaltrainer sein. Das Fußball-Idol sagte nach der Rückkehr nach Buenos Aires: „Meine Zeit ist abgelaufen.“ Aber die Argentinier stehen und flehen: „Bleib, Diego!“

          Diego Maradona hat offenbar genug: Trotz eines triumphalen Empfangs in der Heimat will der gescheiterte Trainer nicht mehr: „Meine Zeit ist abgelaufen. Ich habe alles gegeben, jetzt will ich mich der Familie widmen“, zitierte die Boulevard-Zeitung „Crónica“ das 49 Jahre alte Fußball-Idol. Eine bindende und formelle Rücktrittserklärung gab es am Montag jedoch weder von Maradona noch vom nationalen Fußballverband AFA. Dessen Präsident Julio Grondona erklärte lapidar, ob Maradona weiter machen wolle, sei allein dessen Sache.

          Die von der schmählichen Niederlage beim Spiel gegen Deutschland tief getroffene argentinische Mannschaft und ihr Trainer-Oberhaupt kehrten durch die Hintertüre nach Hause zurück. Noch auf dem Vorfeld auf dem internationalen Flughafen Ezeiza in Buenos Aires stiegen sie in den Bus, der sie ins Hauptquartier des Fußballverbandes bringen sollte. Doch unterwegs erwartete sie eine Riesenüberraschung. Statt auf frustrierte und erboste Fans zu stoßen, wurden sie von Tausenden Anhängern umjubelt, als hätten sie die ersehnte Trophäe mitgebracht.

          Der Aerolineas-Flug 1947 aus Südafrika hätte um 15.40 Uhr ankommen sollen, die Maschine landete erst um 17.16 Uhr, da hatten die Getreuesten schon stundenlang auf ihren Liegestühlen Mate trinkend am Rande der Autobahn ausgeharrt. Die Atmosphäre war ungewohnt friedlich, mehr als einhundert Polizisten und Sicherheitsleute der Gendarmerie hatten so gut wie nichts zu tun.

          Warmer Empfang der Fans: Sie flehen, dass ihr Diego doch bleiben möge

          Messi, Tevez und Bolatti bitten: Bleib, Diego

          Eineinhalb Stunden brauchte der Bus für die fünf Kilometer zwischen Flughafen und AFA-Quartier. Auf der Flughafen-Autobahn brach der Verkehr völlig zusammen. Die Spieler und ihre Begleitung wirkten hilflos angesichts dieses Empfangs. So viel Treue hatten sie nicht erwartet. Die Huldigungen galten, wie konnte es anders sein, vor allem Maradona. Selbst eine noch so schwere Niederlage schadet seinem Nimbus offenbar nicht. Wenn die „Hand Gottes“ diesmal nicht wirkte, kann nur der Teufel die Hand im Spiel gehabt haben. „Diego, bleib“ stand auf Plakaten oder „Diego 2014“ .

          Auch die Spieler sprachen dem Trainer ihr Vertrauen aus. Noch in der Nacht nach der Niederlage gegen Deutschland hatten Lionel Messi, Carlos Tevez und Mario Bolatti den Trainer Maradona in seinem Hotelzimmer aufgesucht. Ihre Bitte: Bleib, Diego. Maradonas Vertrag läuft bis zur Copa America 2011, noch vor der WM sagte er, seine Pläne reichten bis 2011.

          Verblüffend war der enthusiastische Empfang auch, weil die andere große südamerikanische Mannschaft, die gleichfalls als Favorit gehandelte Elf Brasiliens, bei ihrer Rückkehr von ihren Fans angegiftet wurde. Manche Maradona-Anhänger blieben bis weit in den Abend hinein, obwohl es ja eigentlich gar nichts zu feiern gab. Die Nörgler verstünden nichts von Fußball, sie dagegen machten sich nicht abhängig von Sieg oder Niederlage, bekundeten sie. Es gebe für sie noch etwas anderes: das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und das scheint in eine Art Besitzanspruch umzuschlagen. Maradona und der Mannschaft haben die Fans nichts vorzuwerfen, denn sie hätten „alles gegeben“.

          Revanche gegen Brasilien - mit dem Idol

          Diese Erkenntnis wird nun selbst von manchen argentinischen Kritikern als Seelenbalsam verwendet. Ein solches Fußballverständnis sei doch sehr viel hilfreicher als die Auffassung, dass nur der Sieg zähle, sagen sie. Dass es eine mittlere Katastrophe wäre, wenn der „Goldjunge“ Maradona, für viele in seiner Umgebung eine schier unerschöpfliche Goldquelle, von der Bildfläche verschwinden würde, wird tunlichst verschwiegen.

          Diego Maradona sagte seinen Spielern „eine große Zukunft“ voraus, sie praktizierten einen Fußball, „der die Leute begeistert“. Als Nachfolger bietet sich derzeit nur einer an: Sergio Batista, Trainer der Junioren-Nationalmannnschaft „U 23“. Im Oktober 2008 war der Weltmeister von 1986 übergangen worden, auch bei der Auswahl der Assistenten von Maradona. Batista hat immerhin zwei Titel vorzuweisen: 2004 und 2008 wurden seine Mannschaften jeweils Olympiasieger. Maradonas Getreuen sind das keine Argumente. Sie wünschen nur „Rache gegen Deutschland“ und Revanche gegen den Erzrivalen Brasilien, wo die WM 2014 stattfinden wird - mit ihrem Idol als Trainer.

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