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Diego Maradona : Das verrückteste Zirkuspferd der Fußballwelt

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Nächste Station Mexiko: Nun ist Diego Maradona in der zweiten Liga angekommen. Bild: AFP

Diego Maradona ist nur ein Schatten früherer Zeiten. Aber er bleibt gefragt: Als Wahlkampfmaskottchen, als Experte – und nun auch in der Heimat eines der mächtigsten Kokain-Kartelle.

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          Auf die Legende warten Köstlichkeiten aller Art. Im Luxusjet stehen gleich ein Dutzend gefüllte Schalen und Becher für „D10S“ bereit, doch bevor das Gelage beginnt, hat sich der Weltmeister noch eine kleine Herausforderung ausgedacht. Der Inhalt eines Schnapsglases muss vom angewinkelten Arm seinen direkten Weg in den Mund finden. Also hebt Diego Maradona gekonnt Elle und Speiche, und als das Kunststück gelungen ist, bricht der Jubel seiner Claqueure aus. Maradona selbst freut sich diebisch. Das Video, dass seit kurzem in den sozialen Netzwerken kursiert, zeigt vor allem eines: Diego Maradona, Fußball-Weltmeister von 1986 und die „offizielle Hand Gottes“, lässt es sich trotz diverser gesundheitlicher Probleme in der Vergangenheit, trotz Magenverkleinerung, trotz Drogensucht und Warnschüssen seines Körpers gutgehen.

          Seit ein paar Wochen ist Maradona wieder dick im Geschäft. Sportlich passt das neueste Engagement von Maradona zu seinen jüngeren Tätigkeiten, die ihn in die Randgebiete des Weltfußballs brachte. Al-Wasl und Al-Fujairah SC hießen seine letzten Trainerstationen, dann folgte im Sommer 2018 eine bizarre Präsentation als Vorstandsvorsitzender von Dynamo Brest, mit der Aufgabe der Repräsentation und der Koordination der Spielerakademie. Auch das war nur von kurzer Dauer.

          Jetzt die Rückkehr in seinen Kulturkreis. Dorados de Sinaloa heißt der mexikanische Zweitligaklub, den der einst beste Fußballer der Welt zurück in die Erfolgsspur bringen soll. Immerhin wird in Mexiko Spanisch gesprochen, es gibt Tequila, und ganz nebenbei ist Sinaloa auch noch die Heimat eines der größten, gefährlichsten und mächtigsten Kokain-Kartelle der Welt. Dass dem Argentinier immer wieder Probleme mit seiner Kokain-Sucht nachgesagt werden, die ihn einst an die Schwelle zwischen Leben und Tod brachte, die Tausende seiner Landsleute an einer Klinik beten und Kerzen anzünden ließ – alles vergessen.

          „Ich war 14 Jahre lang krank. Aber heute will ich die Sonne sehen, nachts will ich schlafen.“

          Bei der Zweitligatruppe soll Maradona zum vielleicht bestbezahlten Trainer des mexikanischen Profifußballs aufgestiegen sein. Der neue Arbeitgeber zahlt Maradona laut mexikanischen Medienberichten ein Jahresgehalt von umgerechnet 1,7 Millionen Euro. Woher das Geld stammt, ist unklar. Die auf Geldwäsche im Drogenhandel spezialisierten Fahnder nicht nur aus Mexiko werden genau hinsehen. Doch erst einmal versprach der Argentinier einen Neuanfang: „Ich war 14 Jahre lang krank. Aber heute will ich die Sonne sehen, nachts will ich schlafen. Vorher schlief ich nicht, ich wusste nicht mal, was ein Kissen ist. Deshalb habe ich das Angebot der Dorados angenommen.“ Inzwischen ist Diego Maradona das wohl verrückteste Zirkuspferd der Fußballwelt, das sich von einer abgehalfterten Manege zur nächsten schleppt, das süchtig ist nach Aufmerksamkeit und dafür vieles in Kauf nimmt, um die nächste Schlagzeile zu produzieren. Bei der WM im vergangenen Sommer gab Maradona aus seiner Zuschauerloge ein bedauernswertes Bild ab, wirkte abwesend, wie unter Drogen stehend.

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