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Diego im Interview : „Auf Augenhöhe mit Chelsea“

  • Aktualisiert am

Ballkünstler aus Brasilien: Diego Bild: dpa

Der Brasilianer Diego genießt die besondere Atmosphäre bei Werder Bremen und bewundert den deutschen Fußball. „Ich spiele mit großer Freude und genieße jede Minute“, sagt Diego vor dem Champions-League-Duell gegen den FC Chelsea.

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          Der Brasilianer Diego genießt die besondere Atmosphäre bei Werder Bremen und bewundert den deutschen Fußball. „Ich spiele mit großer Freude und genieße jede Minute“, sagt der Mittelfeldspieler. „Daran, daß ich wieder in die Seleção berufen worden bin, hat Werder Bremen großen Anteil.“ An diesem Mittwoch treffen die Hanseaten in der Champions League auf den FC Chelsea (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker).

          Ist Fußball für Sie auch Arbeit, oder ist es immer Vergnügen?

          Für mich ist Fußball immer Freude, Lust und Spaß. Es ist das, was ich am liebsten tue, und deshalb ist es immer ein Vergnügen, Fußball spielen zu können. Natürlich ist es aber irgendwie auch Arbeit, denn es gibt hohe Erwartungen und eine große Verantwortung.

          „Hier herrscht eine Atmosphäre, wie sie nicht überall zu finden ist”
          „Hier herrscht eine Atmosphäre, wie sie nicht überall zu finden ist” : Bild: REUTERS

          Man meint, Ihnen den Spaß am Spiel stets anzusehen. Was macht Ihnen so viel Freude am Fußball?

          Erst mal ist es schön, mit so tollen Spielern zusammenzuspielen. Wenn man dann auf den Platz kommt und die Fans hört, die einen unterstützen, ist das einfach ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Jedes Mal, wenn ich Fußball spiele, tue ich das mit großer Freude und genieße jede Minute.

          In Bremen haben Sie sich schnell zurechtgefunden und sind schon so etwas wie der Star der Liga. Wie zufrieden sind Sie mit sich und der Mannschaft bis jetzt?

          Ich wußte schon vorher, daß ich in eine sehr gute Mannschaft mit einem exzellenten Trainer komme, deshalb wußte ich, daß es eigentlich gut laufen muß. Daß es dann so schnell ging, hat mich selbst ein bißchen überrascht. Bis jetzt bin ich wirklich hundertprozentig zufrieden mit dem, was wir erreicht haben, wie wir spielen - und auch mit meiner eigenen Leistung.

          Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Spüren Sie Druck?

          Zum Fußball gehört der Druck. Wenn man in einer großen Mannschaft spielt, sind die Erwartungen immer hoch. Das stört mich kein bißchen.

          Sind nicht aber die schwankenden Leistungen von Werder seit Saisonbeginn auch mit dem gestiegenen Druck zu erklären?

          So etwas ist doch normal, wenn die Saison noch jung ist, so geht es allen Mannschaften. Allerdings hatten wir diese Phase eigentlich schon überwunden geglaubt. Jetzt müssen wir aufpassen, daß sich diese Schwankungen nicht fortsetzen. Ich glaube schon, daß sich in den nächsten Wochen die Weichen für den weiteren Saisonverlauf stellen. Jeder Punkt, den man jetzt läßt, kann einem am Ende zur Meisterschaft fehlen.

          Wie würden Sie den Teamgeist bei Werder beschreiben?

          Hier herrscht eine Atmosphäre, wie sie nicht überall zu finden ist. Die Gruppe ist sehr eng, der Teamgeist ist da. Die Atmosphäre im Klub ist etwas ganz Besonderes.

          Mußten Sie Ihr eigenes Spiel für die Bundesliga umstellen?

          Meinen Stil habe ich nicht geändert, der paßte sofort. An das taktische System und an die neuen Mitspieler mußte ich mich erst gewöhnen, aber das war kein Problem.

          Wenn Sie andere Mannschaften in der Liga sehen: Fehlt da nicht manchmal ein bißchen Leichtigkeit? Wirkt der Fußball in der Bundesliga nicht zu verbissen?

          Nein, überhaupt nicht. Was ich bis jetzt von der Bundesliga gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen. Es ist eine sehr ausgeglichene Liga, in der es schwer ist, Meister zu werden. Das spricht auch für die Qualität der anderen Mannschaften.

          Aber die Begeisterung über Ihre Auftritte bedeutet doch, daß der Liga jemand mit Ihren Qualitäten gefehlt haben muß?

          Es ehrt und es freut mich, daß den Zuschauern meine Art, Fußball zu spielen, gefällt. Aber ich bewundere den deutschen Fußball. Bei Werder - natürlich kann ich besser über unsere Mannschaft sprechen als über andere - gibt es auch andere hervorragende Spieler, Miroslav Klose, Torsten Frings oder Frank Baumann zum Beispiel.

          Ihr Nationaltrainer Carlos Dunga hat gesagt, daß Sie einen Klub und einen Trainer gefunden haben, die Sie verstehen. Stimmt das?

          Ja. Daran, daß ich wieder in die Seleção berufen worden bin, hat Werder - mit Thomas Schaaf, Klaus Allofs und der Mannschaft - großen Anteil. Was ich als Spieler brauche, ist Vertrauen und die Möglichkeit, in einer guten Mannschaft zu spielen - beides ist hier der Fall.

          In der Champions League hat die Mannschaft viel Lob bekommen, aber andererseits auch noch nichts erreicht. Ist Werder wirklich stark genug, um gegen Chelsea oder in Barcelona zu gewinnen?

          Sicher. Bis jetzt hat ja noch niemand in der Gruppe etwas erreicht. Das jetzt selbst in der Hand zu haben war unser Ziel. Natürlich werden es schwere Spiele, aber wir wollen ins Achtelfinale. Die Tabellensituation beweist es doch: Alle haben gesagt, Chelsea und Barcelona würden durchmarschieren, aber man hat gesehen, daß wir mit beiden auf Augenhöhe spielen können.

          Geht es in diesen Spielen vor allem um Leichtigkeit und Schwung oder doch eher um Disziplin und Kontrolle?

          Das eine schließt das andere nicht aus. Ich gehe in jedes Spiel mit Spaß und Freude, das wird auch in diesen Spielen nicht anders sein. Ich denke, das geht meinen Mannschaftskollegen genauso. Aber natürlich wird auch die Taktik eine wichtige Rolle spielen, das ist klar.

          Haben Sie auf dem Platz manchmal das Gefühl, daß Sie besonders hart attackiert, vielleicht sogar ein bißchen gejagt werden?

          Nein, das bringen meine Spielweise und meine Position mit sich, daß ich häufiger gefoult werde, aber davon lasse ich mich nicht einschüchtern. Es gab eigentlich bis jetzt nur eine böswillige Attacke, das war im Spiel gegen Hamburg. Das hat mich erstaunt, wie ein Spieler so einsteigen kann. Alles andere ist normal im Fußball, da ist keine Böswilligkeit.

          Kann man als filigraner Spieler etwas tun, um sich zu schützen?

          Man muß schnell sein, schnell reagieren und in einigen Situationen vielleicht etwas vorsichtiger sein. Aber andererseits: Jeder Fußballspieler vergißt das, wenn er auf dem Platz steht, dann will er hundert Prozent geben.

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