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Europas Fußballpräsident : Wieso plötzlich ein Slowene neuer Uefa-Chef werden soll

Der Kandidat: Rechtsanwalt Ceferin Bild: Reuters

Wie aus dem Nichts ist Aleksander Ceferin nun Favorit für das Amt des Uefa-Präsidenten. Vor der Wahl an diesem Mittwoch halten sich die Strippenzieher hinter den Kulissen von Europas Fußballverband bedeckt. Auch der DFB gibt sich arglos.

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          Im Schatten des skandalgebeutelten Weltverbandes Fifa mit seinem einstigen Patron Joseph Blatter blieb die europäische Fußball-Union (Uefa) lange Zeit von ganz harten Diskussionen verschont. Unter ihrem Präsidenten Michel Platini versuchte die Organisation, ihre vielen Schwächen so weit wie möglich zu kaschieren und sich als bessere Alternative zur Fifa darzustellen. Dabei war die Uefa in ihrer Führung immer schon ähnlich marode, geprägt von intransparenten Seilschaften, noch weniger reformwillig und kein Vorbild eines sauberen Geschäftsgebarens.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Spätestens mit dem mehrjährigen Ausschluss Platinis aus dem Fußball nach einem Verfahren der Fifa-Ethikkommission, in dem es auch um den Vorwurf der Korruption ging, zeigte sich die Gesinnung vieler Topfunktionäre, die den Franzosen sogar bis zum heutigen Tag auf der Uefa-Internetseite als ihren wahren Präsidenten führen. Der wegen verschiedener Verstöße am Ende vom Sportgerichtshof für vier Jahre gesperrte Platini darf an diesem Mittwoch beim Verbandskongress in Athen, bei dem wohl der Slowene Aleksander Ceferin als Nachfolger gewählt wird, sogar mit einer Rede noch mal vor seine Jubler treten – welch fatales Signal.

          Anlass für öffentliche Kritik

          Ausgerechnet die Fifa-Ethikkommission, die eigentlich mit aller Konsequenz und an allen Fronten die Pflöcke für einen glaubwürdigen Reformkurs einschlagen müsste, gab den alten Uefa-Seilschaften per Sondergenehmigung freien Lauf. Selbst der auf internationalem Fußballparkett noch nicht geübte und deshalb bisher vorsichtig agierende neue Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, nahm dies zum Anlass für öffentliche Kritik. Der Uefa-Kongress müsse geprägt sein vom Programm des neuen Präsidenten und nicht von den Fehlern seines Vorgängers. Der Neustart bei der Uefa ist schon misslungen.

          Festgelegt als Platini-Nachfolger hat sich der DFB auf den bisher in der Branche gänzlich unbekannten Ceferin – plötzlich gegen den Niederländer Michael van Praag der Favorit für die Wahl. Der 48 Jahre alte Rechtsanwalt aus Ljubljana führt seit 2011 Sloweniens Fußballverband und ist erst im Juni aus dem Nichts in die Spitzenposition gekommen. Die überwiegende Anzahl der 55 Nationalverbände in Europa sollen ihn inzwischen unterstützen. Es ist allerdings wenig vertrauensbildend, dass Russland in Person des russischen Sportministers Witali Mutko angeblich die Strippen zog bei der Kampagne Ceferins.

          Mutko ist laut offizieller Untersuchung internationaler Aufklärer mitverantwortlich für das Doping-System in Russland, sitzt weiterhin unangetastet und offenbar frei von Ermittlungen der Fifa-Ethikkommission im höchsten Gremium des Weltverbandes und hält enge Bande zum neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, der wiederum mit seinen Eskapaden gleich mal negativ auffiel. Längst werden deshalb die Verbindungslinien gezeichnet zwischen den Personen und Interessen. Ceferins Landsmann Tomaz Vesel, der sich inzwischen als Weggefährte entpuppte, wurde unlängst unter Infantino als Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission zum neuen Oberkontrolleur der Fifa ernannt. Der Anti-Korruptions-Kämpfer und frühere Reformbeauftragte der Fifa, Mark Pieth, sprach von „Vetternwirtschaft“.

          Damit konfrontiert, verteidigt der DFB-Chef die Entscheidung, dem Slowenen die Stimme zu geben. „Ich habe Herrn Ceferin zweimal persönlich getroffen und gesprochen. Ich hatte immer einen guten Eindruck von seinem Programm und habe ihm in unseren Gesprächen auch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass für den DFB Themen wie Good Governance, Compliance und die Umsetzung von Reformen von zentraler Bedeutung sind“, sagte Grindel dieser Zeitung. Das gelte gerade vor dem Hintergrund der WM-Affäre in Deutschland. „Nach meinem bisherigen Eindruck steht er hinter seinen Ankündigungen.“

          Der Unterstützer: DFB-Chef Reinhard Grindel

          Ceferin selbst weist alle Gerüchte um eine unheilvolle Fußball-Connection zurück und macht Medien für Verschwörungstheorien verantwortlich. „Es ist ziemlich schwer für einige Journalisten zu verstehen, dass ein Typ aus dem kleinen Slowenien ein unabhängiger Kandidat sein kann.“ Konkrete Bekenntnisse zum dringendsten Thema im Fußball – einer konsequenten Reformierung, die ihren Namen verdient – waren bisher nicht von ihm zu hören. Es blieb bei Floskeln und leeren Formeln. Platini sieht er schwärmerisch als „charismatischen Anführer“. Soll das die neue Uefa sein?

          Es erschien irrwitzig genug, dass sich bis zuletzt sogar der spanische Fußballchef Ángel María Villar ums Präsidentenamt der Europäer bewarb. Doch der uneinsichtige Reformverweigerer mit Sitz im Fifa-Council zog zurück. Zwar wirkt der Niederländer van Praag auf den ersten Blick als überzeugendere Alternative zu Ceferin. Der langjährige Präsident von Ajax Amsterdam und des heimatlichen Fußballverbandes KNVB profilierte sich, indem er als einer der ersten Fußballfunktionäre überhaupt Blatter die Stirn bot und zum Rücktritt von seinem Fifa-Mandat drängte. Doch andererseits gehört van Praag seit 2009 der Uefa-Exekutive an, in der Platini lange Zeit unbeanstandet von den Kollegen sein fragwürdiges Spiel trieb.

          „Es gab keine Absprache“

          Zudem suchte der 68 Jahre alte Holländer im Vorfeld der Wahl nach Verbündeten für einen Deal. Erst verfolgte er die Strategie, wegen der Altersgrenze von 70 nur zwei Jahre Uefa-Präsident sein zu wollen und dann an Ceferin zu übergeben. Als er merkte, dass dies bei den anderen Nationalverbänden nicht fruchtete, versuchte van Praag, hinter den Kulissen einzuwirken auf ein Anheben der Altersgrenze auf 75 – eine Farce. Nun bröckelt offenbar selbst sein Benelux-Block. Luxemburg will für Ceferin stimmen. Hinter van Praag steht noch der englische Verband.

          Dass die Festlegung des DFB auf Ceferin mit dessen Unterstützung für die deutsche Europameisterschafts-Bewerbung für 2024 zusammenhängt, weist Grindel zurück. „Es gab keine Absprache für die EM 2024. Selbstverständlich machen wir unsere Entscheidung für einen Kandidaten nicht von einer Unterstützung unserer EM-Bewerbung abhängig.“

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