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Uefa-Coup Nations League : Es gibt keine Erfolglosen mehr

Lautsprecher statt Leisetreter: Pyry Soiri (links) und Lukas Hradecky verkünden den Anspruch auf eine B-Liga-Zugehörigkeit Finnlands. Bild: EPA

Zwei neue Worte erobern den Fußball der Nationalmannschaften: Aufstieg und Abstieg. Die Nations League beschert vor allem den kleinen Ländern neue Anreize. Plötzlich haben selbst die chronisch erfolglosen Teams Grund zum Jubeln.

          Berti Vogts sprach einst den großen Satz: „Es gibt keine Kleinen mehr.“ Damit begegnete der damalige Bundestrainer in den neunziger Jahren der Kritik an sportlichen Misserfolgen seiner Nationalmannschaft und insbesondere zuvor unerwarteten Problemen in Spielen gegen vermeintliche Fußballzwerge wie Albanien oder Malta, die plötzlich das Verteidigen gelernt hatten und somit das Rüstzeug besaßen, um die Großen wie Deutschland zu ärgern.

          Zwei Jahrzehnte später und nach Erfolgen wie einem EM-Sieg von Griechenland 2004 oder Teilerfolgen wie einem EM-Viertelfinaleinzug Islands 2016 sieht es noch besser aus für jene einstmals Kleinen. Es gibt nämlich so gut wie keine Erfolglosen mehr. Zu verdanken haben das die Fußballteams von Georgien bis Gibraltar, von Mazedonien über das Kosovo bis nach Luxemburg, von Israel bis nach Finnland der Einführung der Nations League.

          Dieser Wettbewerb, der von den regierenden Fußball-Königen aus Frankreich und den anderen von Titelgewinnen verwöhnten Nationen wie Deutschland womöglich ein wenig milde belächelt und von Vereins-Großfürsten des Fußballbusiness wie Jürgen Klopp verspottet wird, ist tatsächlich ein Coup der Uefa.


          Quer durch Europa hallen in den vergangenen Tagen die Jubelschreie in Fußballnationen, die bislang noch nicht so viel zu feiern hatten: Die insgesamt 16 Gruppen der vier Ligen von A bis D bringen schließlich Tabellenführer und bereits feststehende Gruppensieger mit sich: Georgien und die Ukraine bejubeln den Aufstieg in die nächsthöhere Gruppe der Nations League, in Finnland reden sie über die Zukunft in der B-Liga, das zuvor chronisch erfolglose Gibraltar hat gleich zwei Pflichtspiele in Serie gewonnen. In Slowenien, Estland, Albanien oder Schottland bündeln sie zur Besitzstandswahrung derweil die Kräfte, um den Verbleib in der aktuellen Spielklasse zu sichern, während sie bislang lediglich um den bedeutungslosen Rang vier oder fünf in ihren Qualifikationsgruppen stritten.

          Die für jene Teams, die nicht zum äußerst kleinen Kreis der Titelanwärter zählen, so ewig reizvollen oder furchterregenden Worte  Auf- und Abstieg haben Einzug gehalten in die Sprache von Nationaltrainern und Nationalmannschaftsberichterstattern und fesseln die Fans. Es gibt also neue Ziele für jene Teams, für die Qualifikationsrunden meist schon nach dem dritten oder vierten Spieltag ihren Reiz verloren haben, da die Hoffnung auf eine Überraschungsqualifikation mal wieder von der Wirklichkeit zerstört wurde.

          Seriensieger: Gibraltar gelingt nach dem ersten Pflichtspielsieg überhaupt umgehend der nächste Erfolg gegen Liechtenstein. Bilderstrecke

          Die in Wahrheit noch immer kleinen Nationen müssen sich nicht mehr zu eigenen Turnieren wie den Spielen der kleinen Staaten von Europa für Länder mit bis zu einer Million Einwohnern verabreden, um einen Sieg zu erringen. Die D-Gruppe der Nations League lässt sie, die in den Qualifikationsgruppen meist punkt- und hoffnungslos abgeschlagen Letzter werden, endlich auch von der Uefa organisiert unter sich spielen.

          Das beschert Erfolgserlebnisse und erinnert an eine kluge Idee im Jugendfußball. Da ist es Usus, dass bei den ganz Kleinen nach den regulären Spielen noch ein Elfmeterschießen durchgeführt wird, damit am Ende des Tages selbst die womöglich zweistellig und „zu null“ geschlagenen Siebenjährigen des Verliererteams mit einem gewonnen Ausschießen oder zumindest einem verwandelten Elfmeter noch ein Erfolgserlebnis erleben können. In der Nations League kann dieser Trostpreis nun bei entsprechenden Erfolgen im Kreis der Ebenbürtigen sogar ein EM-Ticket sein.

          In den D-Ligen haben übrigens bis auf Litauen und San Marino all jene der 16 niedrigklassigsten Mannschaften, die in Pflichtspielen sonst meist leer ausgehen, Punkte auf ihren Konten. Lediglich San Marino wartet noch auf den ersten Torerfolg. Einen Kleinen und Erfolglosen gibt es, wenn man es ganz genau nimmt, dann also doch noch.

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