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Frankfurt steht im Halbfinale : Die magische Nacht der Eintracht

Trotz des 2:4 im Hinspiel im Lissaboner „Estadio da Luz“ witterten die Frankfurter auch jetzt ihre Chance. Schließlich waren sie wieder zu elft. Es gab keinen Platzverweis gegen einen Eintracht-Profi, wie es dies zuletzt auswärts in Portugal und am vergangenen Sonntag gegen Augsburg gegeben hatte. Bei allen Bestrebungen: Benfica präsentierte sich äußerst spielgefällige, ballgewandte Mannschaft vieler bestens ausgebildeter Fußballspieler. Eintracht-Coach Hütter wusste schon vor dem Wiedersehen mit Benfica: „Wir brauchen ein perfektes Spiel. Wir müssen Tore erzielen und gleichzeitig sehr kontrolliert nach vorne spielen und geduldig sein.“

Am Ende kannte der Jubel keine Grenzen mehr: Die Frankfurter Spieler freuen sich über den Einzug ins Halbfinale der Europa League.

Das so sehnsüchtig erhoffte erste Tor fiel tatsächlich – und es fiel für die Eintracht. Schütze des heftig umjubelten Treffers war Kostic, der nach einem Pfostenschuss von Mijat Gacinovic gedankenschnell reagierte und den Abpraller mit links zum 1:0 ins Tor von Benfica schob. Einziger Schönheitsfehler: Der Frankfurter Führung war eine klare Abseitsstellung vorausgegangen, die Schiedsrichter Daniele Orsato aber übersah. Der italienische Unparteiische ließ sich auch von den wild protestierenden Benfica-Offiziellen nicht von seiner Entscheidung abbringen. Immer wieder symbolisierten die Portugiesen mit beiden Händen das Symbol eines Fernsehers. Doch in der Europa League gibt es nicht die Zuhilfenahme eines Videoassistenten. Das 1:0 der Eintracht hatte also Bestand – und es sollte sich weiter stimulierend auf ihr Spiel auswirken. Zwei Minuten vor dem regulären Ende der ersten Halbzeit versuchte es Luka Jovic mit dem Kopf, verfehlte sein Ziel aber um Meter.

Nach dem Seitenwechsel hatte die Eintracht Glück. Joao Felix, von Hütter in der Vorwoche nach seinen drei Toren noch als „Jahrhunderttalent“ in den Adelsstand gehoben, setzte sich auf links durch und passte in den Fünfmeterraum, wo Falette in höchster Not klärte (47.). Zehn Minuten später tauchten die Frankfurter wieder vor dem Tor der Portugiesen auf. Erst nahm Gacinovic aus 20 Metern Maß – und verpasste. Dann setzte sich der in seinem Spiel wankelmütige Ante Rebic gekonnt an der linken Torauslinie durch, suchte den sich freilaufenden Jovic – und hatte Pech, dass der serbische Torjäger in letzter Sekunde gestört wurde (60.).

Dann kam der große Moment des kleinen Sebastian Rode. Als sich ihm die Chance bot, direkt von der Strafraumgrenze aus gezielt Maß zu nehmen, schlug der nimmermüde Mittelfeldabräumer beherzt zu. Gegen seinen Flachschuss in die rechte untere Ecke war Benfica-Keeper Odisseas Vlachodimos machtlos (67.). Die Eintracht führte 2:0 – und sie war zu diesem Zeitpunkt im Halbfinale. Die 2:4-Hinspielniederlage war egalisiert, und wegen der erzielten Auswärtstore, die Benfica nicht vorweisen konnte, war der Sprung unter die letzten Vier geschafft. Doch noch war nicht Schluss. Noch konnten die Portugiesen die Eintracht treffen.

Hütter nahm in der 76. Minute den ersten Personalwechsel vor. Wie schon in der Vorwoche kam Goncalo Paciencia im zweiten Abschnitt in die Begegnung. Jovic machte Platz für den stürmischen Portugiesen, dessen besondere Qualität die Verwertung von Kopfballchancen ist. Auf der anderen Seite war es der einwechselte Eduardo Salvio, der es ähnlich wie Rode machen wollte. Doch sein Schuss aus halbrechter Position prallte vom Außenpfosten des Frankfurter Tores ins Aus (85.). Als auch noch die vierminütige Nachspielzeit unbeschadet überstanden und das 2:0 tatsächlich perfekt war, kannte der kollektive Jubel keine Grenzen. Spieler, Trainer, Verantwortliche – sie allen lagen sich auf dem Spielfeld in den Armen. Und auf den Tribünen wollte keiner der Zuschauer nach Hause gehen. Die Eintracht hat gegen Benfica Historisches geleistet – und 48.000 waren live dabei.

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