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Einseitiger Frauenfußball : Wolfsburg sucht dringend Konkurrenz

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Auch den fünften Pokal in Serie küsst man gerne: Die Wolfsburger Spielerinnen um Pernille Harder nach dem Sieg in Köln. Bild: AFP

Der VfL Wolfsburg ist dominanter selbst als die Rekordmeister und Rekordpokalsieger der Vergangenheit. Das ist ein alarmierendes Zeichen für den deutschen Frauenfußball. Der Gefahr ist sich vor allem der Alleinherrscher bewusst.

          Nach dem Sieg im DFB-Pokalfinale gegen den SC Freiburg streiften sich die Fußballfrauen des VfL Wolfsburg Sieger-Shirts über. „Sechs Richtige“ stand darauf und die Zahlen 13, 15, 16, 17, 18, 19. Das waren nicht die Gewinnzahlen des Mittwochslottos. Es waren die Ziffern, die die sechs Pokalsiege binnen sieben Jahren dokumentierten und zugleich die Dominanz des seit vielen Jahren führenden deutschen Frauenfußballteams - sogar mit Gewähr.

          Die Wolfsburgerinnen können die Erfolge noch nach Herzenslust feiern, wie sie bestens aufgelegt im Stadion beim Doppelpass mit ihren erfreulich zahlreich mitgereisten Anhängern wie auch bei der ebenso wohltuend gemeinsam mit den tapferen Gegnerinnen aus Freiburg gefeierten Pokalparty unter Beweis gestellt haben, wenn auch etwas gebremst nur bis nachts um eins. Am Sonntag wollen die „Wölfinnen“ schließlich beweisen, dass sie weiter hungrig sind und mit einem Sieg bei der TSG Hoffenheim nach dem fünften Pokalsieg in Serie auch den Meisterschafs-Hattrick vollenden wollen. Es wäre dann der elfte nationale Titel in nur sieben Spielzeiten. Die Erfolgsformel lautet also „11 aus 14“ möglichen Titeln.

          Dominanter als Bergisch-Gladbach und Frankfurt

          So dominant waren nicht einmal der in den achtziger Jahren nahezu unschlagbare Rekordmeister SSG 09 Bergisch-Gladbach und auch nicht der im vergangenen Jahrzehnt der Konkurrenz enteilte 1. FFC Frankfurt, die je zehn Titel in einem solchen Zeitraum gewannen. Das Ergebnis ist erfreulich für den VfL Wolfsburg. Er wird für seine gute Arbeit belohnt. Aber dieser Rekord ist auch ein Warnsignal für den deutschen Frauenfußball. Selbst die Frauen des seit Jahren auf Rang zwei festgelegten FC Bayern können den Rivalen nur gelegentlich ärgern, am Ende sind die Münchnerinnen meist Zweite.

          Für den deutschen Frauenfußball wie für den VfL Wolfsburg sind das keine guten Voraussetzungen: Die Bundesliga verliert zunehmend an Attraktivität. Sportlich fehlt dem VfL der beständige Zwang zu Höchstleistungen, was die Konkurrenzfähigkeit in der Champions League gefährdet, wo der VfL als noch immer zweitbestes Team in Europa in den vergangenen drei Jahren jeweils an Olympique Lyon scheiterte. Der Abstand zu Lyon wuchs in dieser Zeit. Spitzenspielerinnen wandern ab nach Spanien oder England. Sara Däbritz wechselt im Sommer von München nach Frankreich. Wolfsburg verliert die Norwegerin Caroline Hansen. Der Exodus könnte nach der WM im Sommer in Frankreich noch extremer werden.

          Der VfL Wolfsburg ist sich der Gefahr bewusst: Deshalb fordert der Primus mit seinem früheren Meistertrainer und jetzigen Sportdirektor Ralf Kellermann immer wieder auch mit kleinen Provokationen Reformen. Kellermann braucht Konkurrenz in der Bundesliga vermutlich auch, um im Volkswagenkonzern die durch die finanziellen Folgen des Dieselskandals auf Eis gelegten Investitionen ins Trainingszentrum der Fußballerinnen wieder auf die Agenda bringen zu können. Die Spielerinnen duschen einstweilen weiter in Containern. Die kritischen Äußerungen von Almuth Schult zum Zustand des deutschen Frauenfußballs im F.A.Z.-Interview stammen nicht zufällig von einer Wolfsburger Spielerin.

          Auch die Sportlerinnen spüren, dass trotz aller Erfolge wie dem Olympiasieg des Nationalteams vor drei Jahren bei den Sommerspielen in Rio dringend Bewegung in den deutschen Frauenfußball kommen muss. Dabei ist nicht nur der DFB gefragt, auch die Vereine müssen sich bewegen. Ein wenig Hoffnung besteht, dass der traditionsreichste deutsche Frauenfußballstandort, Frankfurt, eine Renaissance erlebt: Eintracht Frankfurt und der FFC mit Investor Siegfried Dietrich an der Spitze befinden sich dem Vernehmen nach in guten Gesprächen. Diese Fusion könnte etwas Schwung in den lahmenden Vereins-Frauenfußball bringen.

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