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Özil, Gündogan und Erdogan : Die Fotos und ihre Folgen

  • Aktualisiert am

Ilkay Gündogan (links) und Mesut Özil (Mitte) mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, aufgenommen am 13. Mai 2018, veröffentlicht einen Tag später. Bild: AFP

Zwei deutsche Nationalspieler neben dem türkischen Staatspräsidenten mitten in dessen Wahlkampf: Die Fotos haben eine Kontroverse ausgelöst, die nun zum Rücktritt von Özil aus der DFB-Elf geführt hat. Eine Chronologie.

          Die Diskussion um die Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten beschäftigt den DFB auch noch Wochen nach dem historischen WM-Aus. Viele Fans haben Mesut Özil und Ilkay Gündogan das Treffen mit Recep Tayyip Erdogan nicht verziehen.

          Am Sonntag äußerte sich Özil nach wochenlangem Schweigen erstmals dazu und verkündete in einem dreiteiligen Statement nach zahlreichen Vorwürfen an den Deutschen Fußball-Bund und die Medien seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

          Eine Chronologie der Ereignisse:

          14. Mai 2018

          Einen Tag vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders tauchen Fotos auf, die die Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan in London mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigen. Gündogan schreibt eine persönliche Widmung auf sein Trikot-Geschenk.

          Der Deutsche Fußball-Bund reagiert pikiert, Präsident Reinhard Grindel sagt, das Duo habe sich für Erdogans „Wahlkampfmanöver missbrauchen“ lassen. Gündogan erklärt via Instagram: „Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben.“

          Ilkay Gündogan überreicht dem türkischen Präsidenten ein Vereinstrikot von Manchester City mit persönlicher Widmung.

          15. Mai 2018

          Joachim Löw beruft Özil und Gündogan in sein vorläufiges WM-Aufgebot, obwohl auch er verstimmt ist. „Das war keine glückliche Aktion“, sagt der Bundestrainer über die Fotos und kündigt ein Gespräch an. Sanktionen oder ein Verzicht auf beide sei aber „zu keiner Sekunde“ Thema gewesen.

          19. Mai 2018

          Da das Thema weiter schwelt, versucht es der DFB mit hektischem Krisenmanagement zu beenden. Özil und Gündogan unterbrechen ihren Urlaub, treffen in Berlin Löw, Grindel und DFB-Direktor Oliver Bierhoff zur Aussprache. Im Schloss Bellevue besuchen sie Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident sagt: „Beiden war es wichtig, entstandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.“

          Die beiden Nationalspieler treffen am 19. Mai 2018 den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

          2. Juni 2018

          Beim Länderspiel in Klagenfurt gegen Österreich (1:2), wo Özil für die Führung sorgt, werden beide Spieler ausgepfiffen. Thomas Müller verteidigt das Duo, beide seien ein „wichtiger Teil unseres Teams. Für uns ist das Thema abgehakt.“

          5. Juni 2018

          Beim Medientag im Trainingslager in Eppan/Südtirol stellt sich Gündogan den Fragen ausgewählter Pressevertreter. „Einige Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen“, sagt er. „Ich verstehe, dass man die Aktion nicht gut finden muss.“ Özil schweigt weiter.

          6. Juni 2018

          Steinmeier äußert sich in der Zeit befremdet über die Foto-Aktion, sie habe ihn „ein bisschen ratlos gemacht“. Ob die Spieler sich entschuldigt hätten, sei „eine Interpretationsfrage“.

          8. Juni 2018

          Bierhoff fordert die Medien in der ARD auf, das Thema zu beenden. Bei der WM-Generalprobe in Leverkusen gegen Saudi-Arabien (2:1) wird Gündogan vom Zeitpunkt seiner Einwechslung an ausgepfiffen. Löw reagiert getroffen, die massive Ablehnung habe ihn „geschmerzt“, sagt er. Der Bundestrainer fürchtet, das Thema auch beim Turnier nicht los zu werden.

          9. Juni 2018

          Gündogan twittert, er sei „immer noch dankbar, für dieses Land zu spielen“. Özil schweigt weiter.

          15. Juni 2018

          DFB-Direktor Oliver Bierhoff versucht vor dem WM-Start, die Affäre vorerst abzuhaken und abermals Ruhe in die Thematik zu bringen: „Ich sehe nicht die Notwendigkeit, das Thema hier noch mal aufzugreifen“, sagt er zwei Tage vor dem Auftaktspiel gegen Mexiko.

          Auch Mesut Özil überreicht Recep Tayyip Erdogan persönlich ein Vereinstrikot (FC Arsenal). Auf eine persönliche Widmung verzichtet er.

          17. Juni 2018

          Beim 0:1 gegen Mexiko steht Özil in der Startelf, Pfiffe sind im Luschniki-Stadion jedoch nicht zu vernehmen. Gündogan sitzt 90 Minuten auf der Bank.

          27. Juni 2018

          DFB-Präsident Reinhard Grindel kündigt an, die Affäre nach der WM mit einer „zielführenden Diskussion“ gründlich aufzuarbeiten: „Wir müssen gemeinsam mit der sportlichen Leitung überlegen, wie wir die Spieler noch stärker sensibilisieren können“, sagt er gegenüber FAZ.NET. Am selben Tag scheidet der amtierende Weltmeister nach gegen Südkorea (0:2) aus dem Turnier aus.

          30. Juni 2018

          „Ich werde einige Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen“, schreibt Özil auf Twitter über das WM-Aus.

          5. Juli 2018

          DFB-Direktor Oliver Bierhoff räumt Fehler im Umgang mit der Erdogan-Affäre ein. „Man hätte überlegen müssen, ob man sportlich auf Özil verzichtet“, sagt er Bierhoff in der Welt. Einen Tag später rudert er zurück und meint, er habe sich falsch ausgedrückt. Was genau er hatte sagen wollen, bleibt unklar.

          8. Juli 2018

          DFB-Präsident Grindel fordert Özil zu einer öffentlichen Stellungnahme für die Zeit nach dem WM-Urlaub auf. Die Fans seien enttäuscht, weil sie noch keine Antworten auf ihre Fragen erhalten hätten, sagt Grindel dem kicker.

          22. Juli 2018

          Özil bricht sein Schweigen, äußert sich erstmals öffentlich zur Sache und tritt aus der Nationalmannschaft zurück. „Schweren Herzens und nach gründlicher Überlegung werde ich wegen der zurückliegenden Vorkommnisse nicht länger für die deutsche Nationalmannschaft spielen“, teilt Özil auf seinen Profilen in den sozialen Netzwerken mit. Er kritisiert „Rassismus und fehlenden Respekt“. Außerdem greift er Grindel scharf an: „Ich äußere mich jetzt nicht wegen Grindel, sondern weil ich es will. Ich werde nicht länger der Sündenbock für seine Inkompetenz sein.“ Das Bild mit Erdogan hätte er unabhängig von Wahlen in der Türkei „trotzdem gemacht“, schreibt er.

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