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Dritte Liga : Ins Quarantäne-Quartier – trotz aller Querelen

Unter strengen Hygieneauflagen: Die dritte Liga soll die Saison fortsetzen. Bild: Picture-Alliance

Streitfall dritte Liga: Der Widerstand einiger Klubs geht weiter. Aber auch die schärfsten Kritiker der Saisonfortsetzung rechnen nicht mehr mit einer Wende.

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          Ralf Heskamp war am Freitag mit dem Auto unterwegs ins Münsterland. Der Sportdirektor des Halleschen FC wollte sich dort um das Quarantäne-Quartier kümmern, das die Drittliga-Mannschaft aus Sachsen-Anhalt in Kürze beziehen muss. Am Tag zuvor hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Fakten geschaffen und per Präsidiumsbeschluss den 30. Mai als Termin zur Saisonfortsetzung festgesetzt. Und weil im heimischen Bundesland bis einschließlich 27. Mai gemäß der politischen Verfügungslage kein Mannschaftstraining zulässig ist und das erste Spiel zudem bei Preußen Münster stattfinden soll, machte sich Heskamp schnellstmöglich auf den Weg, um die dringlichen Details zur Unterbringung zu klären.

          3. Liga
          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Seine Meinung zu dem Entschluss des DFB-Präsidiums hatte der 54-Jährige da bereits nachdrücklich kundgetan. In einer Live-Schalte beim MDR hatte er am vorausgegangenen Feiertag das Vorgehen des Verbands mit scharfen Worten kritisiert. Heskamp sprach von „Erpressung“ und davon, dass der DFB „mit dem Finger auf uns“ zeige und „Politiker unter Druck“ setze.

          Die vom Verband kommunizierte Aussage des Vorsitzenden des Drittliga-Ausschusses, Tom Eilers, die Klubs hätten nun „einen ähnlichen Vorlauf bis zum ersten Spiel wie zuvor die Bundesligisten und Zweitligisten“, bezeichnete er als „absoluten Blödsinn“. Eilers konterte mit dem Verweis darauf, dass auch bei der Bundesliga zwischen dem Beschluss und dem Start der Fortsetzung Anfang Mai zehn Tage gelegen hätten.

          „Desolat, was hier gerade passiert“

          Im seit Wochen schwelenden Streit um die Fortsetzung der Saison in der dritthöchsten deutschen Spielklasse hat Halles Heskamp eine weitere Eskalationsstufe gezündet. Zumal HFC-Klubpräsident Jens Rauschenbach parallel ankündigte, rechtliche Schritte gegen den DFB-Beschluss einzuleiten. Gleiches erwägt zudem Chris Förster, Geschäftsführer von Schlusslicht Carl Zeiss Jena. Münsters Geschäftsführer Malte Metzelder zürnte in einem Gespräch mit dem Fan-Portal „100prozentmeinscp“: „Ich finde es desolat, was hier gerade passiert.“

          Es sind letztlich dieselben Klubs, die seit Wochen gegen eine Saisonfortsetzung Sturm laufen. Auch der 1. FC Magdeburg, die SG Sonnenhof Großaspach oder Waldhof Mannheim, dessen Geschäftsführer Markus Kompp dem DFB nun „panisches Krisenmanagement“ unterstellte, gehören dazu. Ihre Kritik zusammengefasst: Die finanziellen Belastungen sind zu hoch, das Hygienekonzept für die Drittliga-Klubs nur bedingt umsetzbar, die Chancengleichheit im Saisonfinale durch unterschiedliche Rahmenbedingungen nicht gewährleistet.

          Beim DFB reagiert man auf die Dauerkritik zunehmend genervt. „Die Lösungen, die jedem Einzelinteresse gerecht werden, gibt es nicht“, betonte nun Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident für Spielbetrieb, auf Anfrage dieser Zeitung. „Darüber hinaus ist es wichtig, dass alle Seiten auch gezielt an der Herstellung von Chancengleichheit mitarbeiten.“ Wer will, kann hier auch eine kleine Spitze gegen die Fraktion der Abbruchbefürworter herauslesen.

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          Tatsächlich ist der Plan des DFB, die elf noch fehlenden Spieltage mit Hilfe „englischer Wochen“ binnen knapp eines Monats durchzuziehen, nicht unproblematisch. Und das nicht nur wegen der zurzeit unterschiedlichen Trainingsmöglichkeiten. Auch würde die Saison am 4. Juli enden. Vier Tage nach dem Stichtag für etliche auslaufende Spielerverträge. „Da steht zwangsläufig Ärger ins Haus“, sagt Heskamp.

          Knappe Mehrheit an Befürwortern

          Doch während die Stimmen der Kritiker sehr laut sind und in ihrer zunehmenden Vehemenz das öffentliche Bild vom Zustand in Liga drei prägen, gibt es auch die Gegenseite. Schließlich sprach sich Ende April eine knappe Mehrheit der 20 Klubs für eine Weiterführung der Saison aus. „Und die Mehrheit unter den Vereinen hat weiter Bestand, sie ist sogar größer geworden“, sagt Frymuth. Nachdem der ursprünglich avisierte Termin am 26. Mai nicht zu halten gewesen war, gab es jedenfalls auch für den neuen Starttermin vier Tage später Zustimmung. „Wir fühlen uns mit der Entscheidung in unserer Argumentationslinie, die wir seit zwei Monaten vertreten, bestätigt“, teilte etwa Günther Gorenzel, Sport-Geschäftsführer beim Traditionsklub 1860 München, mit. Auch vom FC Hansa Rostock, der Spielvereinigung Unterhaching, dem SV Meppen, Eintracht Braunschweig oder dem KFC Uerdingen war Ähnliches zu vernehmen. Die seit Beginn der Corona-Krise vollzogene Spaltung der Liga, die zumindest in Teilen auch eine Spaltung in Ost und West ist, wird damit einmal mehr offensichtlich.

          Auf dem außerordentlichen Bundestag des DFB am Montag kommt das Reizthema dritte Liga ein weiteres Mal auf den Tisch. In der Sitzung mit 262 stimmberechtigten Delegierten soll unter anderem die Gründung einer Taskforce „Wirtschaftliche Stabilität dritte Liga“ beschlossen werden. Für die Klärung der Szenarien, falls es doch zu einem Saisonabbruch kommt, soll gemäß eines vorliegenden Antrags der DFB-Vorstand ermächtigt werden.

          Halles Sportdirektor Heskamp rechnet allerdings nicht mit einer spektakulären Wende oder gar damit, dass der Verband seine Entscheidung auf Druck einiger Mitglieder noch einmal überdenken könnte. „Für den Bundestag sind Mehrheitsverhältnisse von den Herren Koch (Rainer Koch, DFB-Vizepräsident, Anm. d. Red.) und Co. erfahrungsgemäß bereits organisiert, so dass Überraschungen nicht zu erwarten sind“, sagte er dieser Zeitung. Stattdessen ergeben sich auch die Kritiker ihrem Schicksal. Für Heskamp bedeutete dies am Freitag eben eine Fahrt ins Münsterland zur Begutachtung des Teamhotels.

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