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DFB-Team in der Krise : Die Weltmeister sind ziemlich in die Jahre gekommen

Der alte Glanz ist verblichen: Bundestrainer Joachim Löw (links) und Thomas Müller. Bild: Imago

Joachim Löw stärkt seinen WM-Siegern von 2014 weiter den Rücken. Dabei ist die Achse längst brüchig. Die jungen Spieler hält der Bundestrainer klein. Nun passiert im DFB-Team etwas, das es so seit vielen Jahren nicht gab.

          Nach vielem, was zu hören ist, findet in der deutschen Nationalmannschaft gerade etwas Außergewöhnliches statt. Etwas, das es so seit vielen Jahren nicht gab. Ob man es Emanzipation nennt oder ein Aufbegehren: Einige junge Spieler wollen die Standesprivilegien der älteren offenbar nicht mehr hinnehmen. Am deutlichsten wurde das nach dem 0:3 in den Niederlanden bei Julian Draxler. Als er gefragt wurde, ob Joachim Löws Treue zu seinen alten Helden noch angebracht sei, sagte er naturgemäß wenig, aber doch mehr, als er musste.

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          „Das ist eine gute Frage, aber die kann ich leider nicht beantworten. Dafür haben wir ein großes Trainerteam und Management und was auch immer dahinter.“ Im Rahmen des von dezenter Unangreifbarkeit geprägten Codes der Fußballdiplomatie war das schon eine ganze Menge. Auch bei Joshua Kimmich konnte man in den Zwischentönen etwas in derselben Stoßrichtung verstehen. Zudem machte er sich sehr konkret für Leroy Sané stark, der mit seinem Tempo ein „absoluter Unterschiedsspieler“ sein könne. Bei Joachim Löw allerdings prallte das am Samstag ab – wieder einmal. Er hielt die Jungen klein und stärkte den Weltmeistern den Rücken, obwohl seine „Achse“ längst schon brüchig ist.

          Manuel Neuer: Wenn man wenigstens sagen könnte: Am Torwart hat es nicht gelegen. Aber so war es in Amsterdam nun einmal nicht. Manuel Neuer war so ehrlich, seinen Beitrag am 0:1 einzuräumen, als ihm bei einem Eckball die Orientierung fehlte, die alleinige Verantwortung mochte er aber auch nicht tragen. Schon vor dem Spiel war viel über eine Schrumpfung des einstigen Riesen gesprochen worden. Der „Kicker“ rechnete vor, dass Neuers Paraden-Quote in der Liga derzeit nur bei 57,9 Prozent liegt, der drittschlechteste Wert der 18 Teams, in der Vergangenheit kam Neuer in der Regel auf eine Quote von rund 80 Prozent.

          Ob es richtig war, ihn mit einer Einsatzgarantie für die WM auszustatten – das war offenbar eine Frage, in der das Team gespalten war. Löw hörte auf seine Führungsspieler, die sich energisch für den 32 Jahre alten Neuer aussprachen. Das war aus Trainersicht plausibel – nur, dass die vermeintlichen Führungskräfte dann gar keine waren. Nach der WM wäre die Gelegenheit für eine Neubewertung gewesen. Wann, wenn nicht im besten Alter von 26 Jahren und nach einer herausragenden Saison beim FC Barcelona sollte Marc-André ter Stegen eine echte Chance erhalten? In einem verjüngten Team? Man hätte ja zumindest darüber nachdenken können. Chance vertan.

          Mats Hummels: Neben Jonas Hector durfte sich auch Mats Hummels angesprochen fühlen, als Neuer die Verantwortlichkeiten beim holländischen Führungstor aufteilte. Ansonsten war er in der Innenverteidigung gegenüber Jerome Boateng fraglos die bessere Hälfte – was allerdings, siehe unten, auch nicht schwer war. Wie kein anderer beklagt Hummels eine aus seiner Sicht unsachliche Kritik am Team. Seit der WM, behauptet er, habe die Mannschaft „kein schlechtes Spiel gemacht“, nur die Ergebnisse stimmten eben nicht. Er hätte gegen die Niederlande dazu beitragen können, hatte aber Pech, dass sein Kopfball in der 53. Minute noch von Babel abgeblockt wurde.

          In Russland hätte Hummels mit einem besser plazierten Kopfball womöglich das Vorrunden-Aus abwenden können. Diese offensive Präsenz spricht für ihn, in seinem Kerngebiet aber ist der bald 30 Jahre alte Verteidiger von weltmeisterlicher Form ein gutes Stück entfernt. Defizite in Sachen Tempo sind nicht zu übersehen, was beim FC Bayern dazu geführt hat, dass er nicht mehr unangreifbar ist. Im Nationalteam gehört er zu den Wortführern, hat sich dabei aber nicht als Förderer der jüngeren Generation hervorgetan. Um die Führungsrolle künftig glaubhaft auszuüben, wird er an sich arbeiten und seine Spielweise anpassen müssen.

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