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Frauenfußball : Deutsch-französische Königinnenklasse

Deutschland gegen Frankreich: Die Nationalspielerinnen Dzsenifer Marozsan (links) und Elise Bussaglia spielen im Verein im jeweils anderen Land - am Donnerstag begegnen sie einander Bild: AFP

Die Viertelfinals der Champions League im Frauenfußball sind wegweisend. Die Duelle der besten Vereinsteams aus Deutschland und Frankreich geben Hinweise für die EM im Sommer.

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          An diesem Donnerstag schwärmen die wichtigsten Mitarbeiter des DFB-Frauenfußballstabs aus. Sie wollen dort sein, wo die besten europäischen Spielerinnen ihre Kräfte messen. Bundestrainerin Steffi Jones reist nach Wolfsburg, um dort das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen dem VfL und Olympique Lyon (20.15 Uhr/Eurosport1) zu beobachten. Nach München hat sie wichtige Mitarbeiter entsandt, weil dort die Bayern-Frauen gegen Paris Saint-Germain (19 Uhr/Sport1) um den Einzug ins Halbfinale kämpfen. Die Duelle zwischen den Top-Teams aus Deutschland und Frankreich sind eine wegweisende Zwischenetappe in einem deutsch-französischen Frauenfußball-Jahr, das im August bei der EM in den Niederlanden seinen Höhepunkt erleben soll.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schon beim „She believes“-Cup in den Vereinigten Staaten waren die beiden Nationalteams Anfang März anders als die im Umbruch befindlichen amerikanischen Weltmeisterinnen oder die stagnierenden Engländerinnen die auffälligsten unter den vier Weltklasseteams. Im direkten Vergleich trennten sich Deutschland und Frankreich torlos. Am Ende nahm Frankreich den Siegerpokal mit nach Hause, sparte aber nicht mit Lob für den Nachbarn. Der neue deutsche Stil hat es den Französinnen angetan, die als spielerisch beste Mannschaft der Welt gelten. Bundestrainerin Steffi Jones, die nach dem Olympiasieg im vergangenen August die Verantwortung von Silvia Neid übernahm, hat die Abkehr vom erfolgreichen, aber nur selten ansehnlichen Konterfußball ihrer Vorgängerin gewagt und setzt auf spielerische Leichtigkeit und ein verbessertes Offensivkonzept.

          Vereinsteams als Vorreiter

          Steffi Jones folgt damit den besten Vereinsteams des Landes: Der VfL Wolfsburg und Bayern München haben in den vergangenen Jahren viel für die spielerische Entwicklung getan. Zusammen stellen sie derzeit neun Nationalspielerinnen, die alle das Potential für einen Platz in der Startformation haben. Da die drei deutschen Auswahlspielerinnen Dzsenifer Marozsan, Pauline Bremer und Josephine Henning in Diensten des Wolfsburger Gegners Lyon stehen, ist an diesem Donnerstag die gesamte deutsche Startelf am Ball. Lyon und Paris wiederum vereinen fast das gesamte französische Nationalteam, zu dem sich auch die Wolfsburg-Legionärin Elise Bussaglia gehört.

          Entsprechend viele Hinweise dürften die Duelle an diesem Donnerstag in Deutschland und am kommenden Mittwoch auf französischem Boden für die EM geben. Während das französische Nationalteam in der Vergangenheit gegen Deutschland noch nie ein bedeutsames Spiel gewonnen hat, machten sich Olympique Lyon, in Frankreich seit zehn Jahren ununterbrochen Meister und dank der Unterstützung des vermögenden Vereinspräsidenten Jean-Michel Aulas neben PSG der finanzstärkste Frauenfußballklub Europas, Siege gegen deutsche Konkurrenz zur Gewohnheit.

          Auch im Vorjahr besiegte Lyon den VfL Wolfsburg im Elfmeterschießen des Champions-League-Endspiels. Für die Neuauflage sieht Trainer Ralf Kellermann sein Team nun gerüstet nach zuletzt elf Pflichtspielsiegen in Serie. „Wir haben Selbstvertrauen durch die Siegesserie. Deshalb können wir die Situation ein Stück weit genießen: Die Hausaufgaben im Pokal sind gemacht, in der Liga stehen wir exzellent da“, sagt der 48 Jahre alte Trainer. Kellermann schiebt die Favoritenbürde trotzdem dem reichen Gegner zu, der sich einen Superstar wie die Amerikanerin Alex Morgan leistet. „Wenn ich Spielerinnen für den VfL begeistern will, geht das nie übers Geld. Wenn sich eine Spielerin wirtschaftlich entscheidet, dann geht sie immer nach Frankreich“, sagt Kellermann.

          In der vergangenen Woche konnten sich die Wolfsburgerinnen mit zwei Spielen gegen den deutschen Meister Bayern München bestens auf europäisches Top-Niveau vorbereiten. Sowohl im Pokal wie in der Bundesliga gewannen sie. Für Bayern München, Meister der vergangenen beiden Jahre, ist die Champions League nun die letzte Chance auf einen Titel und die Europapokal-Qualifikation. Eine Siegesserie dürfte derweil mit großer Wahrscheinlichkeit halten: In den vergangenen neun Jahren ging der Titel in der Champions League entweder nach Deutschland oder Frankreich. Alles andere wäre eine große Überraschung.

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