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Die „Black Stars“ : Der Stolz eines Kontinents

  • Aktualisiert am

Volle Unterstützung: Ghanas Fans tragen dick auf Bild: AFP

Vor dem WM-Viertelfinale an diesem Freitag gegen Uruguay gleicht die ghanaische Hauptstadt Accra einem riesigen Fan-Park. Doch auch in anderen afrikanischen Ländern ist die Begeisterung für die „Black Stars“ groß.

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          Sie haben die Kirchen gestürmt, um Beistand für die „Black Stars“ zu erflehen, und die Voodoo-Scharlatane machen Überstunden. Das westafrikanische Ghana ist außer Rand und Band, seit seine Mannschaft sich mit einem Sieg über die Vereinigten Staaten für das WM-Viertelfinale an diesem Freitag (20:30 Uhr gegen Uruguay im FAZ.NET-WM-Liveticker) qualifiziert hat. Das ist bislang nur zwei afrikanischen Mannschaften bei einer Weltmeisterschaft gelungen: Kamerun 1990 in Italien und Senegal 2002 in Japan und Südkorea. In diesen Tagen gleicht die ghanaische Hauptstadt Accra einem riesigen Fan-Park, in dem es schlicht unmöglich ist, sich dem Fußball und der Begeisterung dafür zu entziehen.

          Doch die Freude über den bislang so erfolgreichen Turnierverlauf der Ghanaer ist nicht auf deren Heimatland beschränkt. In Nouakchott in Mauretanien feierten die Fans ausgelassen den Sieg über die Amerikaner, in Libreville in Gabun sind Vuvuzelas in den ghanaischen Nationalfarben der letzte Schrei, und in der kenianischen Hauptstadt Nairobi kommt der Verkehr zum Erliegen, wenn die „Black Stars“ auflaufen. Selbst in Abidjan im Nachbarland Elfenbeinküste, wo man eigentlich den Didier Drogbas und Yaya Tourés dieser Welt huldigt, macht sich Begeisterung über die Fortschritte der ghanaischen Mannschaft breit.

          Kontinentale Begeisterung für die ghanaische Mannschaft

          „Die Black Stars glänzen in einer ansonsten grauen afrikanischen Weltmeisterschaft“, schrieb die ivorische Zeitung „L'Inter“ und „Les Dépêches de Brazzaville“ in Kongo-Brazzaville sprach von einem „panafrikanischen Traum der Ghanaer“. Ghana war schließlich das afrikanische Land, das am stärksten unter dem Sklavenhandel gelitten hatte, es war das Land, das 1957 als erstes von den Kolonialherren in die Unabhängigkeit entlassen wurde, und es war in Ghana, wo der erste schwarze Präsident Kwame Nkrumah der Idee des „Panafrikanismus“ den theoretischen Unterbau lieferte.

          Projektionsfläche für alle Afrikaner: die Black Stars

          Wenn man der kontinentalen Begeisterung für die ghanaische Mannschaft indes das Pathos nimmt, kommt dabei ein erstaunlicher Befund zutage. Vielleicht taugt Ghana auch deshalb so gut als nationenübergreifende Projektionsfläche, weil die Mannschaft unter allen afrikanischen bei Turnierbeginn auf die Rolle des Underdogs abonniert war. Es gibt in dieser Mannschaft keine wirklich großen Namen, sieht man einmal von dem wild tätowierten Kevin-Prince Boateng ab, dessen ghanaische Nationalität in Accra allerdings erst zur Kenntnis genommen wurde, als er Michael Ballack durch sein Foul um die WM-Teilnahme brachte.

          Nur die Fans stören: Verwüstete Hotelzimmer, unflätiges Benehmen

          Die „Black Stars“ sind vielmehr das afrikanische Pendant zur deutschen Nationalmannschaft: sehr jung, nicht sonderlich erfahren, aber hungrig, diszipliniert und in ihrer Spielweise herzerfrischend. Selbst in Nigeria und Kamerun, deren Mannschaften in den vergangenen Jahren von ihrem verblassten Ruf gelebt haben, schwenken die Fans sehr zum Verdruss der politischen Klasse inzwischen die ghanaische Fahne.

          Getrübt wird das panafrikanische Fest indes vom Verhalten der rund 1000 ghanaischen Fans, die auf Regierungskosten nach Südafrika gereist waren. Verwüstete Hotelzimmer, unflätiges Benehmen gegenüber dem Personal und das intensive Auskundschaften der lokalen Prostituiertenszene haben die ghanaische Regierung inzwischen die Notbremse ziehen lassen. Die Hooligans wurden nach dem Spiel gegen die Vereinigten Staaten kurzerhand nach Hause verfrachtet.

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