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Spektakel gegen Heidenheim : Warum die Bayern den Pokal-Irrsinn schnell vergessen wollen

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Sieht viele Interpretationsmöglichkeiten des Spiels gegen Heidenheim: Bayern-Angreifer Thomas Müller Bild: dpa

Nach dem Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals fiebern die Münchener einem ganz speziellen Duell entgegen. Doch das „verrückte Spiel“ gegen Heidenheim macht nicht nur einen Bayern-Profi plötzlich sehr nachdenklich.

          Nach dem Pokal-Irrsinn gegen den stark aufspielenden 1. FC Heidenheim mischte sich beim FC Bayern München in die Vorfreude auf das Gipfeltreffen gegen Borussia Dortmund Nachdenklichkeit. Wie soll die Münchner Defensive die Turbo-Offensive des BVB um Marco Reus stoppen, wenn sie schon gegen einen Zweitligaverein vier Tore kassiert?

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          Doch das 5:4 (1:2) in Unterzahl nach der frühen Roten Karte für Nationalspieler Niklas Süle machte auch Lust auf den Samstagabend (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky), wenn es in der Münchener Arena zum großen Titelkampf in der Fußball-Bundesliga kommt, in den Spitzenreiter Dortmund mit zwei Punkten Vorsprung geht. „Dieses verrückte Spiel gibt so viele Möglichkeiten der Interpretation. Wir werden mehr das Positive herauspicken“, sagte Kapitän Thomas Müller nach dem Zittersieg.

          „Wir sind weitergekommen, das ist das Positive“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der ansonsten am Mittwochabend empfahl: „Alles andere schnell vergessen, schnell löschen.“ Salihamidzic wirkte verstört nach den 90 Minuten: „Man muss nachdenklich sein.“ Auch die Unterzahl konnte am Ende keine Entschuldigung für das Wanken sein.

          „Vielleicht hatten wir schon den Kopf beim Samstag und haben deswegen solche Probleme bekommen“, rätselte Robert Lewandowski: „Wir haben etwas zu locker gespielt.“ Der leicht kränkelnde Torjäger war der Retter des Favoriten. Er kam zur Pause, traf zweimal, verwandelte auch den entscheidenden Elfmeter zum 5:4. Leon Goretzka, Thomas Müller und Serge Gnabry waren die weiteren Münchner Torschützen. „Es war ein wildes, ein offenes Spiel, was ich in der Form nicht mag“, klagte Trainer Niko Kovac. Selbst ein 4:2 verzockte sein Team noch einmal.

          „Das war nicht Bayern-Like“, gab Nationalspieler Goretzka zu. „Wir wissen, dass wir gegen Dortmund eine ganz andere Leistung bringen müssen. Das ist das geilste Spiel der Saison, darauf wartet ganz Deutschland. Das sind ganz, ganz wichtige Punkte im Rennen um die Meisterschaft.“ Auch da wollen die Bayern ihre Titelchance erhalten.

          Im Pokal trennt den 18-maligen Rekordgewinner nur noch ein Erfolg vom Endspiel am 25. Mai in Berlin. RB Leipzig, Werder Bremen und der Hamburger SV sind die möglichen Gegner, die bei der Auslosung an diesem Sonntag (18.00 Uhr) in der ARD-Sportschau möglich sind.

          Mit gemischten Gefühlen verließen auch die Heidenheimer Profis die Arena. Vor 75.000 Zuschauern stand der Zweitliga-Sechste ganz dicht vor einer der größten Pokalsensationen. „Es war ein Spiel für die Ewigkeit. Wir haben so geil gespielt“, sagte der herausragende dreifache Torschütze Robert Glatzel. Kapitän Marc Schnatterer schoss Gäste-Treffer Nummer vier. Denis Thomalla hatte sogar das 5:4 für den Außenseiter auf dem Fuß, scheiterte aber frei vor Bayern-Torwart Sven Ulreich (82. Minute). Trainer Frank Schmidt haderte mit der verpassten Pokalsensation: „Nach dem 4:4 habe ich gedacht, wir gewinnen. Dann hätten wir Geschichte geschrieben.“

          Vier zusätzliche Kameras bei Übertragung in 205 Länder

          Mit vier zusätzlichen Kameras wird das Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Bayern München und Borussia Dortmund übertragen. Insgesamt 25 Kameras für die Übertragung eines Bundesliga-Spiels bedeuten nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen Höchstwert. Normalerweise werden von der DFL-Tochtergesellschaft Sportcast zwischen 19 bis 21 Kameras eingesetzt. Die Begegnung wird in 205 Länder übertragen. Das entspricht ungefähr der Zahl bei den vorherigen Spitzenspielen. 16 internationale TV-Sender berichten mit eigenen Teams aus der Allianz Arena. Die Bilder des Spiels produziert für alle Sender Sportcast. (dpa)

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